Sonntag, 14. Oktober 2018

Courseulles-sur-Mer - WN 29 und WN 31


Courseulles-sur-Mer wird durch die Mündung des kleinen Flusses Seulles ins Meer im Grunde in zwei Hälften zerschnitten.


Diese Tatsache gibt dieser kleinen Ortschaft an der Normandieküste einen ganz besonderen Look, der mittlerweile auch entsprechend touristisch ausgenutzt wird.

Durch die zwei Arme des Flusses gibt es im Ortskern ein malerisch wirkendes Hafengelände mit verschiedenen kleinen Becken, um das sich wiederum verschiedene Restaurants, Cafes etc. gruppieren. Allerdings alles eher im Look der 70er, 80er Jahre.

Quasi auf einer Halbinsel liegt heute der Bereich, der zu Zeiten des Kriegs als WN 31 bezeichnet wurde.
Diesem gegenüber – am anderen Ufer der Seulles – lag WN 29.



Widerstandsnester der deutschen Verteidiger, die am 6. Juni 1944 von der 3. Kanadischen Infanteriedivision angegriffen wurden.
Von Graye-sur-Mer über Courseulles und Bernières-sur-Mer bis nach St- Aubin-sur-Mer erstreckte sich dieser Strandabschnitt, der den Codenamen „Juno“ erhielt.
Quasi auf WN 31 findet sich dann auch heute das Centre Juno Beach, das von der kanadischen Regierung geführte und installierte Erinnerungsmuseum zur Schlacht in der Normandie.

Bevor ich Ihnen aber dieses Museum genauer vorstellen werde, nehme ich Sie heute auf einen kleinen Strandspaziergang mit.











Sie sollten sich vor dem Besuch definitiv auf dem Gelände umschauen, denn es lohnt sich.
Bei meinem Besuch kam ich aus dem Westen, aus Richtung Gold Beach.
Ich hatte ein bestimmtes Ziel, denn ich wollte mir unbedingt den Churchill AVRE anschauen, der bei Graye-sur-Mer im November 1976 im Sand entdeckt worden war, und mittlerweile restauriert als Monument und Denkmal für die Royal Engineers dient.





Hier zwischen Grayes-sur-Mer und Courseulles betraten dann später auch Feldmarschall Montgomery, Premierminister Sir Winston Churchill und General de Gaulle französischen Boden.




Geht man hinunter zum Strand erwartet einen das offizielle Landungsmonument, das in ähnlicher Form auch an den anderen Landungsabschnitten zu finden ist.

Schaut man allerdings nach rechts, entdeckt man noch etwas anderes.
Nämlich das große Lothringer Kreuz, das Symbol des Freien Frankreichs.




Geht man nun in diese Richtung, kommt man an den ersten Resten von Bunkersystemen des Stützpunkts WN 31 vorbei.












Es handelt sich um verschiedene Tobrukstände sowie den R 623 Schartenstand, den man hier eingesunken im Sand vorfindet. Zu diesem 623er gehörte ein Ringstand für eine 5 cm KwK.
Quasi hinter dem Lothringerkreuz findet man dann einen schwarzen Erinnerungsstein, auf dem der eingravierte Husarenflügel einem dann schon aus der Ferne irgendwie bekannt vorkommt.
Geht man näher hin, dann erkennt man auch, dass es sich tatsächlich um das Monument für die 1. Polnische Panzerdivision handelt, die hier französischen Boden betrat und als Teil der alliierten Streitkräfte an der Befreiung Frankreichs teilnahm.



An anderer Stelle wird dann an die kanadischen Soldaten des Winnipeg Rifles Regiment und des 1st Canadian Scottish Regiment gedacht, die hier an diesem Strandabschnitt die erste Angriffswelle bildeten.

Verschiedene Stelen informieren den Besucher, während er sich auf den Dünen weiterbewegt.




Dann nähert man sich diesem Bunker, der schon halb im Sand eingesackt ist.


Dieser Bunker des WN 31 Stützpunktsystems wird heute als „Cosy’s“ Bunker (R612 mit 7,5 cm FK) bezeichnet.
Lt. W.A. „Cosy“ Aitken sollte mit dem 10th Platoon B Company der Royal Winnipeg Rifles diesen Bunker erstürmen und außer Gefecht setzen. Ein erster Angriff mit Maschinengewehren und Granaten brachte die Einheit zwar in den Besitz des Bunkers, „Cosy“ Aitken wurde aber durch einen Kopftreffer schwer verwundet.




Nachgeführte Pioniere erledigten den Rest, und sie sprengten den Bunker. Letztendlich kapitulierten die Deutschen.
Doch nur 26 Soldaten der B Kompanie überlebten den Angriff hier an „Mike Green Beach“, einem Teilabschnitt von Juno Beach.
Die Erstürmung des Bunkers ist abstrakt wiedergegeben.

Soldaten, die den Touristen an „Scherenschnitt“ Figuren erinnern, zeigen beide Kriegsparteien. Die deutschen Verteidiger und die angreifenden kanadischen Soldaten.











Hatte ich so bisher noch nie gesehen, fand ich aber persönlich seht ansprechend.
In der Nähe des Museums ist der Kommandobunker (PC 6/736. Reg.).










Reste des Observationsbunkers sind diesem Richtung Strand vorgelagert.


Direkt neben dem Kommandobunker ist dann auch das Denkmal für die kanadischen Einheiten, die an der Invasion beteiligt waren.



Hier im Bild sehen Sie Reste des SK/ Schartendoppelstands, in dem ebenfalls eine 5 cm KwK stationiert war.

Sie sehen. Noch heute erkennt man WN 31 wieder, als ein in sich geschlossenes System mit Mörsern, Bunkern,  MG’s, Kanonen, Ringstellungen und Gräben.
Anhand dieses Übersichtsbildes können Sie Ihren Besuch an dieser Stelle vielleicht etwas leichter planen.

Auf der anderen Seite der Seulles, also am ehemaligen WN 29, findet man noch eine 5 cm KwK Kanone und ein weiteres Highlight.



Einen Sherman DD Panzer.






Dieser Panzer wurde quasi aus dem Meer geborgen und dient heute zur Erinnerung an das 6th Canadian Armoured Regiment (First Hussars), das die 7. Kanadische Infanteriebrigade der 3. Kanadischen Division bei der Landung unterstützte.
Neben dem Lothringerkreuz findet sich noch ein weiteres Denkmal in der Ortschaft, das daran erinnert, dass General de Gaulle hier in Courseulles am 14. Juni, also am französischen Nationalfeiertag, wieder französischen Boden betrat.


Mein Rückweg nach Port-en-Bessin, wo sich unser Feriendomizil befand, führte mich dann nochmals über Ver-sur-Mer und Creully.

Hier fotografierte ich noch einige Denkmale.









Am beeindruckendsten das Denkmal für Stanley E. Hollis und die Green Howards sowie das Denkmal für das 8th (Hertfordshire Yeomanry) Field Regiment der Royal Artillery: Hier steht ein Sexton.




Noch eine kurze Bemerkung zum Hollis Denkmal. Die Gummistiefel, die hier herumstehen, sind keine künstlerische Expression, sondern Utensilien eines Kinderspieles.
Eine ganze Gruppe Kinder war sich da gerade am Sammeln. Da sie aber noch auf ein paar Freunde warteten, konnte ich die Fotos schießen.
So wie ich die Spielregeln verstanden hatte, sollten mit dem Hula Hopp Reifen die Stiefel eingefangen werden.
Na und irgendwie sieht dieses Denkmal dadurch auch für mich besonders aus. Kinder sind im wahrsten Sinne des Wortes „entwaffnend“. Sie gehen spielerisch mit so etwas um. Das Denkmal wird dann eben Teil des normalen Freizeitvergnügens. Weg vom Tod, hin zum Leben.
Die beiden Denkmale sollen dann auch als Pars pro Toto gelten. Halten Sie Ihre Augen auf. In den Ortschaften finden sich überall noch weitere Gedenkstätten. Man stolpert förmlich darüber.


Courseulles-sur-Mer is basically cut in half by the mouth of the small river Seulles into the sea.
This fact gives this little village on the Normandy coast a very special look, which is meanwhile used according to touristy.
Between the two arms of the river, you’ll find a picturesque-looking harbor area with various small basins. Around them various restaurants, cafes, etc. group. However, everything is more in the look of the 70s, 80s.
Quasi on a peninsula the area is located, that was designated at times of war as WN 31.
Opposite this - on the other bank of the Seulles - was WN 29.
Resistance nests of the German defenders who were attacked here on June 6, 1944 by the 3rd Canadian Infantry Division.
From Graye-sur-Mer via Courseulles and Bernières-sur-Mer to St-Aubin-sur-Mer stretched this landing beach, which was code-named "Juno".
Quasi on WN 31 you’ll find the Center Juno Beach, led by the Canadian government and installed as the main Canadian Memorial Museum of the Battle of Normandy.
But before I introduce you to this museum in more detail, today I take you on a small walk along the beach.
You should definitely look around the site before the visit of the musuem, because it's worth it.
On my visit, I came from the west, from the direction of Gold Beach.
I had a definite goal, because I wanted to see the Churchill AVRE discovered at Graye-sur-Mer in November 1976 in the sand, now restored as a monument and memorial to the Royal Engineers.
Here, between Grayes-sur-Mer and Courseulles, Field Marshal Montgomery, Prime Minister Sir Winston Churchill and General de Gaulle entered French territory in June 1944.
If you go down to the beach you will find the official landing monument, which can also be found in similar form on the other landing sections.
However, if you look to the right, you discover something else.
Namely the great Cross of Lorraine, the symbol of “Free France”.
If you go in this direction, you will pass the first remnants of bunker systems at the former strongpoint WN 31.
These are various Tobruk small bunkers as well as the R 623 bunker, which is found buried here in the sand. For this 623er belonged a ring stand for a 5 cm KwK.
Almost behind the Lorraine cross you will find a black memorial stone, on which the engraved hussar wing seems somehow familiar from afar.
If one goes further, then one recognizes that it is indeed the monument for the 1st Polish Armored Division, which entered here French soil and as part of the Allied forces participated in the liberation of France.
Elsewhere, the Canadian soldiers of the Winnipeg Rifles Regiment and the 1st Canadian Scottish Regiment are commemorated, who formed the first wave of attack on this section of the beach.
Various steles inform the visitor as he moves on the dunes.
Then you approach this bunker, which is already half bagged in the sand.
This bunker of the WN 31 strongpoint is today called "Cozy's" bunker (R612 with 7.5 cm FK).
Lt. W. A. "Cozy" Aitken was to storm this bunker with the 10th Platoon B Company of the Royal Winnipeg Rifles and put it out of action. A first attack with machine guns and grenades brought the unit into the possession of the bunker, however, "Cozy" Aitken was badly wounded by a head hit.
Follow-up pioneers did the rest, and they blew up the bunker. Eventually, the Germans capitulated.
But only 26 soldiers of the B Company survived the attack here on "Mike Green Beach", a section of Juno Beach.
The storming of the bunker is rendered abstractly. Soldiers who remind the tourist of "paper cut" figures show both warring parties: The German defenders and the attacking Canadian soldiers.
I had never seen this before, but I personally found the installation very appealing.
Near the museum is the command bunker (PC 6/736 Reg.).
Remains of the observation bunker are in front of the above command bunker.
Next to the command bunker is the monument to the Canadian units involved in the invasion.
Here in the picture you can see remnants of the SK / “Schartendoppelstand”, in which a 5 cm KwK was also stationed.
Even today you can experience WN 31, as a self-contained system with mortars, bunkers, machine guns, cannons, ring positions and trenches.
On the basis of this overview picture, you may be able to plan your visit a bit easier.
On the other side of the Seulles, so the former WN 29, you will find a 5 cm KwK cannon and another highlight.
A Sherman DD tank.
This tank was virtually salvaged from the sea and today serves as a monument for the 6th Canadian Armored Regiment (First Hussars), which supported the 7th Canadian Infantry Brigade of the 3rd Canadian Division during the landing.
In addition to the Lorraine Cross, there is another monument in the village that reminds us also that General de Gaulle entered French territory here in Courseulles on 14 June, the French national holiday.
My way back to Port-en-Bessin, where our holiday home was located, then led me again over Ver-sur-Mer and Creully.
Here I still photographed some monuments.
Most impressive are the monuments to Stanley E. Hollis and the Green Howards, and the 8th (Hertfordshire Yeomanry) Field Regiment of the Royal Artillery (here you can see an original Sexton self-propelled gun).
A short remark about the Hollis monument.
The rubber boots that stand around here, are not an artistic expression, but utensils of a children's game.
A group of children was playing there. But since they were still waiting for a few friends, I could shoot the photos.
As I understood the rules of the game, the boots should be caught with the Hula hoop.
Well and somehow this monument looks so special for me as well. Children are in the truest sense of the word "disarming". They playfully deal with something like that. The monument is part of their life. It’s their playing ground, and for us, a place for our memories. Life and death side by side.
The two monuments should then also be considered as pars per toto. Keep your eyes open. Everywhere in Normandy you can find such memorials. You literally stumble over them.