Sonntag, 20. September 2020

Guédelon

 

Today I will show you pictures of the Guédelon castle building project.
My friend Jens Najewitz was able to visit the castle a few weeks ago and made the pictures available to me.
Immerse yourself with me and Jens in the history of castle building in the Middle Ages. The trip is worth it, as you can see from the pictures.
For more information, please visit the following websites:
https://www.guedelon.fr/en/
https://en.wikipedia.org/wiki/Gu%C3%A9delon_Castle











Es gibt Künstler und mit den Händen gestaltende Menschen, die einen Ort besuchen und von diesem so begeistert sind, dass sie ihn danach irgendwie bildlich darstellen wollen.
Einige malen Bilder. Andere kreieren Möbel, Gartenbeete, Gartenhäuschen und ähnliches, weil sie es irgendwo gesehen haben.
Sie werden vom Liveerlebnis so inspiriert, dass Sie einfach den Zwang verspüren, auch im heimischen Umfeld ein Abbild des Gesehenen zu erschaffen.
Sie sehen das Ei und daraus entsteht dann ihr ganz persönliches Huhn.
Bei meinem Freund Jens Najewitz ist es diametral entgegengesetzt.
Der modelliert erst das Huhn und schaut sich dann das Ei an.
Auch diesmal hat er das wieder getan.

















Die Burg Guédelon hat er schon lange in einem seiner Kickstarter verwurstet. Jetzt ist er dann auch mal dahin gefahren, und hat sich davon überzeugt alles richtig gemacht zu haben (wobei ich mir tatsächlich nicht sicher bin, ob er nicht deshalb dahingefahren ist, um zu gucken, ob die Erbauer der Burg auch sein Modell richtig umsetzen. Manchmal ist es ganz schön spooky mit Jens).
Zum Glück hat er diese Entscheidung getroffen, denn so kann ich Ihnen jetzt schon die Bilder von seiner Reise zeigen.
Wenn Dir schon durch die Corona Pandemie Reisewege aufgezwungen werden, dann aber auch an Orte, die Du schon immer einmal besuchen wolltest.

















Wem der Name Guédelon nichts sagt, dem möchte ich jetzt einige Informationen geben.

Guédelon ist ein Burgbauprojekt im französischen Departement Yonne (Region Burgund), liegt somit also ca. 150 km südlich von Paris. Projektbeginn war im Jahr 1997 und die Burg soll dann auch in zwei Jahren fertig sein.
Das Geniale an dem Projekt:
Es geht hier nicht darum eine bestehende Burg zu renovieren oder sie zu restaurieren.
Weit gefehlt.
Hier soll im Sinne experimenteller Archäologie eine komplett neue Burg aufgebaut werden, und zwar nur mit Methoden und Hilfsmitteln des 13. Jahrhunderts.
Da sind also keine Bohrmaschinen, Betonmischer, Lasermesser, Nivellierungsgeräte oder sonst etwas am Start. Nein; hier wird mit den Techniken des 13. Jahrhunderts gebaut, gezimmert, gemauert, gesägt, transportiert etc. etc. etc.





















Guédelon ist somit viel originaler, als die meisten erhaltenen Burgen, denn die wurden ja meist irgendwann mit den Hilfsmitteln moderner Zeit wieder instand gesetzt oder auch wieder aufgebaut.
Der Begründer des Projektes Michel Guyot, der auf einen Erfahrungsschatz als Restaurator von Burgen und Schlössern zurückblicken kann, meißelt hier tatsächlich einen sprichwörtlichen Traum in Stein. Die Grundstruktur der Burg orientiert sich an historischen Grundlagen des Architektur Kanons Philipp II., der zwischen 1180 und 1223 regierte.
Die für Gebäude dieses Typs bestimmenden Bauelemente, wie rechteckiger Grundriss, hohe Schildmauern, die im unteren Bereich angeschrägt sind, Burgtor mit Wehrtürmen, Kapellenturm und Bergfried, Pallas und Schachtbrunnen im Hof, finden sich somit auch in Guédelon.
Rund um die Burg finden sich in einer Siedlung die typischen Gewerke dieser Zeit. Die Steine werden im ehemaligen Steinbruch gebrochen. Bäume stammen aus der Umgebung. Dachschindeln, Balkenkonstruktionen, Arbeitsgeräte werden hier vor Ort hergestellt.




















































Die vor Ort tätigen Handwerker, tragen zwar Schutzbrillen und Schuhe mit Stahlkappen, verrichten ihr Werk aber ansonsten auch in der Epoche nachempfundenen Kleidung. Töpfer, Seiler, Zimmerleute, Steinmetze, Maurer, andere Arbeiter, die z.B. den Fußkran bedienen, sind hier zu finden. Das Ganze wirkt wie ein großes Museumsdorf im Stile eines Freilichtmuseums.























Guédelon ist somit ein sehr authentisches Projekt, das mittlerweile auch immer mehr Touristen anzieht.
Wo kann man so etwas auch schon einmal live betrachten.
Nach Aussagen von Jens lohnt sich der Besuch auf jeden Fall, auch wenn man erst einmal mehr als 100 km über das platte Land fährt, nachdem man die Autobahn verlassen hat. 
Aber die Anfahrt ist schon spannend, weil man durch malerische Ortschaften kommt, wo man den Eindruck hat, dass die Zeit im positiven Sinne stehengeblieben ist.





































Wenn man auf dem Gelände angekommen ist, erwarten den Besucher mehrere Rundgänge.
Einen zur eigentlichen Burg, aber auch einen zur „Village“, also zu der Handwerkersiedlung im Umfeld der Burg.





























Besucher, die in den 1960er Jahren geboren sind, also auch Jens und ich, werden in Guédelon immer an ihre Elastolin Burgen aus Kindertagen erinnert. Die Burg ist ja nicht riesig, und ihr Grundriss erinnert dann auch schon auf Bildern an die oben genannten Burgen der Kindheit.
Lustig, dass Jens vor Ort genau den gleichen Eindruck bestätigt bekam.





















Die Burg wirkt jetzt im Jahr 2020 auch schon fast fertig.
Arbeiten an den Türmen sind noch zu vollenden, was man unschwer an den Gerüsten erkennen kann.
Auch die Doppeltürme am Haupteingang sind noch in der Mache.
Aber egal wie.
Bereits heute ist der Eindruck toll und beeindruckend.
Als Fazit meint Jens, dass sich der Umweg tatsächlich lohnt.
Na und weil er da auf jeden Fall nochmal hinwill, hoffe ich doch sehr, dass Guédelon in den nächsten Jahren noch auf einem unserer Tourpläne zu finden ist.