Dienstag, 15. Oktober 2019

Nach eigenem Ermessen - Nordischer Krieg


„Sven, Sven!!! Wach auf!!!!“
Von irgendwo her kam diese Stimme. Aber ich konnte sie nicht zuordnen. Kapierte nicht, wer da was von mir wollte.
Ich lag doch zu Hause in meinem Bett in Schweden, im heimatlichen Dorf in Ingermanland.
Aber das war nicht die Stimme der Mutter, oder die des Vaters.
„Sven!!! Verdammt noch mal. Warum wirst Du nicht wach??“
Ganz langsam kehrten die Lebensgeister in mich zurück.
Nein.
Das war nicht zu Hause.
Hier war es nasser, kälter, unbequemer.
Ich blinzelte leicht, und direkt über mir sah ich das Gesicht meines Kameraden Leif.
Es schien ziemlich gerötet; und auch irgendwie schweißgebadet.
„Mensch Leif. Lass mich in Ruhe. Warum bist Du eigentlich schon wach? Du hast doch gestern diesen Fusel mitgetrunken??? Oh wie ich es hasse. Ich vertrage diesen Mist einfach nicht.“
„Die Russen Sven!!! Die Russen!!!“
„Was ist mit diesen vermaledeiten Russen, Leif“, sagte ich, während ich mich langsam aufsetzte und den Kopf hin und her kreisen ließ, um zu schauen, ob er noch an der richtigen Stelle saß.
„Sie sind da, Sven!!! Die Russen sind da!!!“
Jetzt war ich mit einem Schlag wach. Ich sprang auf, und griff nach meinem Gewehr. Das leichte Schwanken, konnte ich zum Glück ausbalancieren.
„Verdammter Mist“, rief ich. „Komm zeig es mir. Schnell!!“


Ich folgte Leif, der sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatte.
Jetzt erinnerte ich mich, während die Lebensgeister zurückkamen.
Leif hatte die letzte Wache vor dem Morgengrauen gehabt, und es schien, dass sich etwas vor unserer Frontlinie tat.
Ich hatte ihm aufgetragen mich sofort zu wecken, denn unsere Einheit hatte die nördliche Flanke des Lagers zu bewachen.
Wir hatten in der Nähe einer Siedlung unser Lager bezogen. Etwas außerhalb der Bauernhäuser, weil unser Kommandeur beschlossen hatte, dass ein freies Schussfeld wichtiger sei, als angewärmte Betten.
Ich musste ihm da Recht geben.
Die Position, die wir gewählt hatten war gut.
Wir sicherten das Lager gen Osten mit einer Reihe spanischer Reiter und unserer Artillerie.

Dummerweise gab es in der ganzen Gegend keine Erhebung. Kein Hügel weit und breit.
Wir mussten uns also anderweitig Überblick verschaffen.
Deshalb hatten sich meine Dragoner außerhalb des Lagers in einem Getreidefeld postiert. Wenn schon keine richtige Übersicht, dann zumindest etwas Deckung.
Die Pferde hatten wir nach hinten gebracht, aber doch so nahe, dass wir jederzeit aufsitzen konnten, wenn dies nötig wurde.
Ich hatte die Order bekommen, meine Einheit nach Lage zu bewegen.
„Nach eigenem Ermessen!“
Der Lieblingssatz unseres Kommandeurs.
„Nach eigenem Ermessen“ hieß nichts anderes als „dafür trage ich keine Verantwortung, sondern Sie.“
Typisch für ihn.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir die einzigen Kavalleristen an dieser Stelle.
Die anderen Schwadronen waren auf dem Weg zu uns. Aber wir wussten nicht, an welcher Stelle sie das Schlachtfeld betreten würden.
Ich bewegte mich durch das mannshohe Getreide, auf ausgetretenen Pfaden. Leif führte mich nach vorne.
Plötzlich legte er sich hin. Ich tat es ihm gleich.
Vorsichtig schoben wir uns nach vorne, bis wir am Rand des Feldes lagen und freie Sicht hatten, ohne aber selbst gesehen zu werden.
Wäre ich ein Rekrut gewesen, ich hätte vor Überraschung laut aufgeschrien.
Vor meinen Augen entfaltete sich eine beindruckende russische Streitmacht.
Artillerie und zwei Brigaden Infanterie.

„Verdammt“, zischte ich leise vor mich hin.
Wir beobachteten das Ganze. Noch war es ruhig.
Plötzlich hörten wir von hinten ein Geräusch.
Es war Robert, ein anderer meiner Männer.
„Herr Hauptmann, Herr Hauptmann“, sagte er ganz leise.
Ich winkte ihn zu mir.
„Was gibt es?“
„Die Russen Herr Hauptmann!!“
Ich schaute ihn an, und irgendwie zweifelte ich an seinem - oder doch an meinem? - Verstand.
„Das sehe ich Robert. Das musst Du mir jetzt nicht sagen!!!“, zischte ich leise zurück.
Der junge Robert schaute mich verblüfft an, und ich konnte spüren, wie seine Gedanken kreisten.
Dann verstand er.
„Nein Herr Hauptmann. Ich mein nicht die da vorn, sondern die auf unserer Seite.“
Jetzt war es an mir verblüfft zu schauen.
Hatte ich das jetzt richtig verstanden, oder spielte mir mein Gehirn da etwas vor.
„Auf EURER Seite?“, fragte ich nur.
Robert nickte.
Ich schaute Leif an.
Leif war mein Feldwebel. Aber wir stammten aus dem gleichen Ort und kannten uns schon seit Kindesbeinen an. Deshalb hatten wir ein sehr vertrautes Verhältnis.
„Komm mit Leif“, sagte ich nur.
Wir krochen rückwärts, und als wir wieder vom Getreide gedeckt wurden, standen wir auf, und liefen in die andere Richtung.
Auch hier bewegten wir uns ähnlich wie eben zum Rand des Feldes, und dann sahen wir es auch.
Russen.
Ja auch hier waren Russen.
Schätzungsweise eine Brigade Infanterie, unterstützt von Kavallerie und Dragonern.

„Das sind jede Menge Reiter“, kommentierte Leif den Anblick.
Ich nickte.
Verdammt. Ich musste überlegen, was ich tue. Entscheidungen treffen.
Das hier war heikel.
Es bestand die Gefahr, dass wir umzingelt werden.
„Wir machen die Pferde bereit. Alarmiert die Männer. Wir sammeln uns hier an dieser Stelle. Aber bleibt noch in Deckung. Da vorne ist diese kleine Senke im Feld. Da werden wir nicht direkt entdeckt.
Leif. Renn zum Kommandeur. Sag ihm, dass er Alarm geben muss; wir übernehmen die Kerle jetzt hier im Westen. Die sind gefährlicher, weil sie beritten sind, und somit schneller.
Ich hoffe nur, dass unsere Kavallerie bald auftaucht.“
Leif spurtete sofort los. Er war ein drahtiger Typ, der wie der Wind rennen konnte.
Ich selbst beobachtete weiterhin den Aufmarsch der Russen, während sich meine Männer zu sammeln begannen.
Leif kehrte bald zurück.
„Der Oberst gibt Befehl zum Abrücken, das hat er mir gesagt. Du sollst…“
Ich vollendete den Satz „… nach eigenem Ermessen handeln!“
Leif nickte.
In dem Moment sahen wir, wie sich die Russen in Bewegung setzen.


Aber auch in unserem Lager machten sich die ersten Einheiten abmarschbereit.

Ich selbst führte meine Männer vorsichtig aus dem Kornfeld, und wir bezogen Position am oberen Rand des Schlachtfelds. Wir nutzten jede Deckung, die sich uns bot und begannen zu plänkeln.
Die Russen bewegten sich stetig nach vorne.

‚Aufhalten können wir die nicht‘, dachte ich.
Ich sah, wie die feindlichen Schwadronen uns näher kamen.
Unsere Infanterie blieb ruhig und war direkt bei den Kornfeldern in Stellung gegangen.

Plötzlich hörte ich hinter uns das Geräusch von Pferden. Ich schaute nach hinten.
Hatte man uns umfasst?
Mit Freude konnte ich feststellen, dass es die Unsrigen waren.

Sie schlossen zu uns auf, und nun erwarteten wir den Feind.

„Die Jungs kamen zum richtigen Zeitpunkt“, rief ich Leif zu.
Der nickte und gab einen gezielten Schuss auf die russischen Dragoner ab.
In der Mitte des Schlachtfeldes und am südlichen Ende stürmten die Russen weiter nach vorne.



Auch die Brigaden im Osten unseres Lagers setzten sich nun in Bewegung.



Langsam formierten sich unsere Brigaden zu einer zusammenhängenden Schlachtlinie.




Im Lager waren jetzt nur noch ein Bataillon Infanterie und die Artillerie in Stellung.

Die russische Kavallerie warf sich mutig auf unsere Grenadiere.



Doch die hielten sich tapfer, und schlugen sie zurück.

Gleichzeitig versuchte eine unserer Schwadronen den Russen in die Flanke zu kommen.

Am linken Flügel meiner Dragoner trafen die Kavalleristen aufeinander, während wir ein stetiges Feuer unterhielten.

Die russischen Dragoner, die uns gegenüber lagen, waren auch nicht schlecht.
Wir erhielten die ersten Verluste.
Auf der anderen Seite des Schlachtfelds bewegte sich jetzt auch unsere Nachhut nach vorne.



In der Mitte des Schlachtfeldes trieben unsere Kameraden die Kavallerie zurück.




„Leif!!! Wir ziehen uns jetzt zurück. Männer macht Platz für unsere Reiter!!!“, rief ich und zog meine Truppe nach hinten.


Unsere Stellung übernahmen die Schwadronen unserer Kavallerie.



Jetzt entspannten sich auch Kämpfe am südlichen Flügel.



Unsere Männer hielten auch hier Stand und konnten die russischen Angriffe abweisen.






Wir waren zwar eingekesselt, aber so langsam gewannen wir wieder die Oberhand.


„Leif!!! Wir werden durchbrechen. Das sehe ich. Bereitet Euch auf die Schlussattacke vor!“
Meine Männer atmeten nochmals durch.
Auch wenn es den Russen gelang in unser aufgegebenes Lager zu kommen, so hatte dies doch keine Bedeutung.







Wir trieben den Feind vor uns her.
Im Norden.











In der Mitte.





Im Süden.



Ich stand neben Leif, als ich die flüchtenden Kolonnen der Russen sah.

„So einfach kriegen Sie uns nicht“, lachte ich. „Ich denke, wir haben auch diesmal gewonnen.“
Leif nickte und sagte: „Na und das nach eigenem Ermessen!!!“


Das Spiel war sehr interessant für beide Parteien.
Obwohl es anfänglich so aussah, dass die Schweden es schwer haben würden, denn immerhin wurden sie von zwei Seiten aus angegriffen, zeigte es sich dann doch, dass vor allem die starken Profilwerte der schwedischen Infanterie sich am Ende positiv auswirken würden.
Bei DMB – für den GNW abgewandelte DBA Hausregeln unserer Spielergruppe –hat die schwedische Infanterie einen Vorteil.
In den meisten Spielen, die wir bisher hatten, gingen deshalb auch die Schweden als Sieger vom Feld.
Jedenfalls war es ein echt spannendes Szenario mit dem tollen Gelände von Sven, und seinen und Stefans tollen Figuren.





"Sven, Sven !!! Wake up!!!!"
From somewhere came this voice. But I could not assign it. Did not understand who wanted something from me.
I was at home in my bed in Sweden, somewhere in a little village of Ingermanland.
But that was not the voice of the mother, or that of the father.
"Sven !!! Bloody hell. Wake up? "
Slowly, the spirits returned to me.
No.
That was not at home.
Here it was wetter, colder, more uncomfortable.
I blinked slightly, and right above me I saw the face of my comrade Leif.
It seemed pretty reddened; and somehow sweaty too.
"Come on Leif. Leave me alone. Why are you already awake? Yeah, you had also a drink with me yesterday? Oh, how I hate it. I just cannot handle this crap. "
"The Russians Sven !!! The Russians!!!"
"What about these damned Russians, Leif?" I said as I sat up slowly and turned my head back and forth to see if it was still in the right place.
"They are here, Sven !!! The Russians are here !!! "
Now I was awake in one go. I jumped up and reached for my rifle. The slight wavering, I was fortunately able to balance.
"Damn shit," I called. "Come show me. Fast!!"
I followed Leif, who was already on the move again.
Now I remembered while the spirits came back.
Leif had had the last watch before dawn, and it seemed something was going on in front of our front line.
I had told him to wake me up immediately because our unit had to guard the northern flank of the camp.
We had moved into our camp near a settlement. Just outside the farmhouses because our commander decided that a clear field of fire was more important than warmed beds.
I had to agree with him.
The position we had chosen was good.
We secured the camp to the east with a number of abatis and with our artillery.
Unfortunately there was no slope in the whole area. No hills far and wide.
So we had to get an overview elsewhere.
That's why my dragoons were stationed outside the camp in a cornfield. If you can’t get a correct overview, then at least some coverage.
We had brought the horses back, but so close that we could always sit up when needed.
I got the order to move my unit to my own discretion.
"At your own discretion!"
The favorite sentence of our commander.
"At your own discretion" meant nothing other than "I do not take responsibility for that, but you."
T was so typical for my Colonel.
At this time, we were the only cavalrymen at this point.
The other squadrons were on their way to us. But we did not know where they would enter the battlefield.
I moved through the man-sized crop, on well-trodden paths. Leif led me forward.
Suddenly he lay down. I did it to him.
Carefully, we pushed forward until we were at the edge of the field and had a clear view, but without being seen.
If I had been a recruit, I would have screamed in surprise.
I saw an impressive Russian force.
Artillery and two brigades of infantry.
"Damn," I hissed softly to myself.
We watched the whole thing. It was still quiet.
Suddenly we heard a noise from behind.
It was Robert, another of my men.
"Captain, Captain," he said in a low voice.
I waved him to me.
"What do you want?"
"The Russians, Captain!"
I looked at him, and somehow I doubted his - or mine? - understanding.
"I see that Robert. You do not have to tell me now !!! "I hissed back softly.
The young Robert looked at me in astonishment, and I could feel his thoughts circling.
Then he understood.
"No, Sir, Captain. I do not mean those in front but those on our side. "
Now it was amazing to look at me.
Did I understand that correctly now, or was my brain pretending to be something?
"On YOUR side?" I just asked.
Robert nodded.
I looked at Leif.
Leif was my sergeant. But we were born in the same village and have known each other since childhood. That's why we had a very familiar relationship.
"Come with me Leif," I said only.
We crawled backwards, and when we were again covered by the grain, we rose up, and ran in the other direction.
Here, too, we moved in a similar way to the edge of the field, and then we saw it too.
Russians.
Yes, here were Russians too.
An estimated brigade of infantry, supported by cavalry and dragoons.
"That's a lot of riders," Leif commented on the sight.
I nodded.
Damn it. I had to think about. I had to make decisions.
This was tricky.
There was a danger that we would be surrounded by the enemy.
"Prepare the horses. Alert the men. We gather here at this point. But you have to remain in cover. There. Do you see the small sink?
Leif. Run to the commander. Tell him he has to sound the alarm; we're taking the guys over here in the west right now. They are more dangerous because they are mounted, and thus faster.
I just hope our cavalry shows up soon. "
Leif sprinted immediately. He was a wiry guy who could run like the wind.
I myself continued watching the Russians march as my men began to gather.
Leif soon returned.
"The colonel gives orders to leave, he told me. You shall…"
I completed the sentence "... act at my own discretion!"
Leif nodded.
At that moment, we saw the Russians moving.
But also in our camp, the first units made ready to go.
I myself led my men carefully out of the cornfield, and we moved into position at the top of the battlefield. We used every cover and began to skirmish.
The Russians moved steadily forward.
'We cannot stop them', I thought.
I saw the enemy squadrons approaching us.
Our infantry remained calm and had taken up position directly at the cornfields.
Suddenly, I heard the sound of horses behind us. I looked back.
Were we trapped?
I was happy to see our cavalry.
They joined us, and now we awaited the enemy side by side.
"The boys came at the right time," I called to Leif.
He nodded and fired a targeted shot at the Russian Dragoons.
In the middle of the battlefield and at the southern end, the Russians continued to storm forward.
The brigades in the east of our camp were also set in motion.
Slowly our brigades formed into a coherent battle line.
The camp was guarded only by one battalion of infantry and our artillery.
The Russian cavalry attacked our grenadiers.
But they bravely held each other and beat them back.
At the same time one of our squadrons tried to get the Russians in the flank.
On the left wing of my dragoons, the cavalry met each other while we maintained a steady fire.
The Russian dragoons that faced us were not bad either.
We got the first losses.
On the other side of the battlefield, our rearguard now moved forward.
In the middle of the battlefield our comrades drove back the cavalry.
"Leif !!! We are retreating now. Men make room for our riders !!! ", I shouted and pulled my troop backwards.
Our position was taken by the squadrons of our cavalry.
Now fighting was relaxing on the southern wing.
Our men also stood up here and were able to dismiss the Russian attacks.
Slowly we regained the upper hand.
"Leif !!! We will break through. I see. Prepare for the final attack! "
My men took another breath.
Even if the Russians managed to get into our abandoned camp, it did not matter.
We drove the enemy before us.
In the north.
In the middle.
In the south.
I stood next to Leif when I saw the fleeing columns of the Russians.
"You do not get us that easy," I laughed. "I think we won this time, too."
Leif nodded and said, "Well, and at our own discretion!"!!!"


The game was very interesting for both parties.
Although initially it looked like the Swedes would have a hard time, after all they were attacked from two sides, but then it turned out that especially the strong profile values ​​of the Swedish infantry would have a positive effect in the end.
At DMB - for the GNW we use modified DBA house rules - the Swedish infantry has an advantage.
Therefore, in most of the games that we have had so far, the Swedes were the winners of the battle.
Anyway, it was a really exciting scenario with the great terrain of Sven, and his and Stefan's great miniatures.