Sharpes Mission, im Original Sharpe’s Havoc, ist eines der Bücher aus der Sharpe Serie von Bernard Cornwell, das erst lange nach dem Erscheinen der „Ursprungsserie“ geschrieben wurde. Das Buch sah erst im Jahr 2003 seine Veröffentlichung und erhielt dann im Jahr 2011 seine deutsche Übersetzung.
Wenn somit auch mehr als 20 Jahre zwischen der „alten“ Serie und der Neuerscheinung liegen, merkt man dies dem Buch nicht an. Cornwell taucht nahtlos, ohne irgendwelche Brüche, wieder in die Reihe ein, und entwickelt ein sehr stimmiges Szenario.
Das Abenteuer beginnt im März 1809 in Porto, damals noch
Oporto. Weiterhin wird Portugal von den Franzosen bedroht, und der
Oberkommandierende Marschall Soult möchte nach seinen Erfolgen im Norden des
Landes bei La Coruna und in der Schlacht bei Braga den Rest des Landes erobern,
die Portugiesen und die sich hier befindenden Engländer schlagen, um seinen
wahren Traum zu verwirklichen: Sich selbst zum König von Portugal zu erheben.
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| Marschall Soult |
So verrückt das Ganze klingt. Ja. Diesen Plan verfolgte der Marschall tatsächlich.
Jedenfalls nach glaubwürdigen Aussagen seiner Gegner und Konkurrenten. Soult selbst hat diese Ambitionen zu haben, immer bestritten. Was sollte er auch anders tun? Es war schon gefährlich, was er da plante. Sein Glück war, dass Napoleon ihn in Spanien brauchte, und die Affäre quasi mit einem Satz abtat: „„Ich wollte Ihnen schreiben, dass ich über Ihre Handlungen in Porto verärgert war; aber ich erinnere mich nur an den Tag von Austerlitz. [...] Hören Sie auf, sich mit solchen Albernheiten zu beschäftigen.“ Der Kaiser wusste genau, wem er letztendlich den Sieg bei Austerlitz verdankte. Eben Marschall Soult, der den entscheidenden Durchbruch und die Besetzung der Pratzenhöhen angeführt hatte.
Es scheint auch, dass Napoleon die portugiesische Episode nicht wirklich als bedrohlich empfunden hatte. Noch in seinen Memoiren urteilt er relativ gelassen: „„Soult hat sich in Porto von einer Handvoll Intriganten und Schmeichlern blenden lassen. Er glaubte tatsächlich, die Portugiesen wollten ihn als König. Das war eine reine Torheit (étourderie / sottise), getrieben von persönlicher Eitelkeit. Seine Aufgabe war es, für Frankreich zu siegen, nicht für sich selbst eine Krone zu suchen.“ An anderer Stelle schrieb der Kaiser über Soult folgendes: „„Ich hatte einen Charakter von edlem Ausmaß vor mir, wenn es um Mut ging, aber er war unglücklich als unabhängiger Regent. Hätte ich in Russland Erfolg gehabt, hätte ich ihn zum König von Polen gemacht. Das wäre ein Thron gewesen, der seiner strategischen Kapazität entsprochen hätte – Portugal hingegen war ein Fehler.“
Es gibt ein weiteres Zitat des Kaisers zu Soult, das allerdings nicht positiv ausfällt. Das sollte man an dieser Stelle auch noch zitieren, weil es in den Zusammenhang der Geschehnisse fällt. Hier ging es allerdings um die Exzesse der von Soult kommandierten Truppen in Portugal und Spanien: „„Ich hätte ein Exempel statuieren und Soult erschießen lassen sollen; er war der größte Plünderer von allen. [...] Seine Ambitionen in Portugal waren absurd, aber ich brauchte sein militärisches Talent.“
Was war also in Portugal geschehen?
Soult beabsichtigte, sich als „Nikolaus I.“ (König Nicolas) zum Herrscher eines neuen portugiesischen Satellitenstaates zu machen. In einem geheimen Rundbrief vom 19. April 1809 ließ er über seinen Generalstabschef seinen Plan an seine Generäle verteilen, um sie für das Vorhaben zu gewinnen. Er betonte dabei, dass eine Thronbesteigung keine Untreue gegenüber Napoleon bedeuten würde.
Soults Pläne stießen allerdings bei seinen eigenen Offizieren auf Spott, Empörung, bei einigen sogar, auf echten Widerstand. Es formierten sich sogar Verschwörungen innerhalb der Truppe, um den Marschall festzunehmen, sollte er sich tatsächlich selbst krönen. Hier ist vor allem ein Name zu nennen: Captain Philippe-Charles Argenton.
Argenton gehörte zu einer Gruppe unzufriedener Offiziere (Generäle wie Louis-Henri Loison und Henri-François Delaborde, Colonel Donadieu: Der Kommandeur des 22. Regiments der Jäger zu Pferd, Colonel Lafitte: Kommandeur des 18. Dragoner-Regiments), die beschlossen, Soult aufzuhalten. Ihr Plan war radikal: Sollte Soult sich tatsächlich zum König von Portugal erklären, wollten sie ihn verhaften, die Armee übernehmen und zurück nach Frankreich führen. Argenton reiste sogar mehrfach heimlich durch die feindlichen Linien, um sich mit dem britischen Befehlshaber Sir Arthur Wellesley (dem späteren Herzog von Wellington) zu treffen. Argenton schlug Wellesley vor, dass die französischen Truppen unter den Verschwörern im Falle eines britischen Angriffs passiv bleiben oder gar meutern würden, um Soult zu stürzen. Wellesley reagierte äußerst verhalten auf diesen Vorschlag, angeblich vertraute er keinem Überläufer. Argentons Verrat flog dann allerdings rasch auf. Ein Mitverschworener Offizier – irgendjemand aus dem Umfeld des General Charles Lefebvre-Desnouettes, vielleicht sogar der General selbst, das ist nicht sicher - bekam kalte Füße und verriet den Plan an Marschall Soult. Argenton wurde im Mai 1809 in Porto verhaftet. Bei den chaotischen Geschehnissen rund um den Angriff der Engländer auf Porto gelang ihm allerdings die Flucht. Er ging zurück nach Frankreich, um hier Soult anzuklagen. Es scheint, dass das Verhalten des Marschalls den Hauptmann sehr getroffen haben muss. Vielleicht dachte er auch, dass eine aggressive Anklage der Verfehlungen Soults ihn selbst vom Verdacht der Konspiration mit dem Feind freisprechen würde. Diese Rechnung ging nicht auf. Argenton wurde erneut verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und wegen Hochverrats 1809 in Paris füsiliert.
Es scheint, dass Argenton das Bauernopfer wurde, weil Napoleon die Affäre nicht aufkochen lassen wollte. Eben weil er Soult noch brauchte.
Trotzdem bleibt hier ein bitterer Beigeschmack zurück. Der Marschall, der royale Fantasien hegte, blieb ungestraft, während der Mann, der den Verrat am Kaiser aufdecken wollte, letztendlich als Verräter und Kollaborateur hingerichtet wurde.
Marschall Soult vertuschte übrigens das Ausmaß der Verschwörung. Die anderen Verschwörer, außer General Loison, wurden begnadigt bzw. ihre Beteiligung gänzlich ignoriert. Vielleicht hatte Soult kalte Füße bekommen. Immerhin bestand die Gefahr, dass der Kaiser ihm auch Versagen in der Truppenführung hätte vorwerfen können, wenn eine großangelegte Verschwörung im Offizierskreis publik geworden wäre. So deckte er einen Mantel des Schweigens über diese Affäre.
General Loison hatte übrigens noch den Versuch gemacht direkt mit dem Kaiser zu sprechen. Er reiste nach Schönbrunn, wo sich Napoleon zu diesem Zeitpunkt aufhielt, um ihm stolz die Beweise und Briefe über Soults „König Nicolas“-Projekt vorzulegen. Laut den Überlieferungen schnitt ihm Napoleon aber sofort das Wort ab. Der Kaiser war weniger wütend auf Soult als auf Loison. Er fragte den General direkt, warum er die Verschwörung von Captain Argenton nicht sofort eigenhändig durch ein Erschießungskommando beendet habe. Für Napoleon wog das Verschweigen einer Meuterei durch Offiziere schwerer als die Eitelkeit eines Marschalls. Napoleon weigerte sich, die Akten überhaupt genauer zu prüfen. Stattdessen diktierte er -während des Treffens oder unmittelbar danach- einen Brief an Soult. In diesem Brief, ist die oben zitierte Aussage „Hören Sie auf, sich mit solchen Albernheiten zu beschäftigen…“ enthalten, was quasi den Abschluss der Affäre und ein Friedensangebot Napoleons darstellte. Für den Kaiser war die „Causa Portugal“ damit erledigt.
Noch einmal zurück zu Loison. Napoleon hatte den Besuch des Generals als das erfasst, was er wohl war: Den reinen Versuch, einen Vorgesetzten abzusägen, um dessen Posten zu bekommen. Loison musste nach Spanien zurückkehren, allerdings dem Kommando von Marschall Massena unterstellt, und geriet dann dort ins Abseits, was auch auf schwere Fehler seinerseits in der Schlacht von Busaco zurückzuführen war. Letztendlich scheint Napoleon Loison aber ebenfalls vergeben zu haben. Sein Weg führte ihn noch zur Belagerung Hamburgs und nach Mecklenburg, wo seine Truppen Wismar besetzten. Sein Name findet sich auch am Triumphbogen in Paris in der 35. Spalte.
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| Loison |
Ich denke, ich muss nicht weiter betonen, dass Argenton auch eine Rolle im Roman übernimmt.
Diese Ambitionen bilden quasi den geschichtlichen Hintergrund des Buchs, wobei man natürlich sagen muss, dass diese jetzt hier in den letzten Absätzen ausführlicher erklärt wurden, als im Roman selbst. Ich fand es nur interessant einmal tiefer in diese Geschichte einzutauchen, die mir bis dato noch gänzlich unbekannt war. Glücklich bin ich, dass Bernard Cornwell einmal mehr meinen Kenntnisstand erweitern konnte. Wer behauptet, dass historische Romane nicht bilden können, der hat noch nie Bernard Cornwell gelesen.
Neben dieser Rahmengeschichte erlebt der Protagonist Sharpe natürlich noch spannende Gefechte, die erste und zweite Schlacht von Porto, lernt eine hübsche Frau kennen, mit der er allerdings keine Affäre hat, und ist, wie immer in den Romanen, letztendlich der Retter in der Not.
Mehr will ich gar nicht erzählen.
Bilden Sie sich ihr eigenes Urteil, und sollten Sie den Roman noch nicht besitzen, dann kaufen Sie ihn sich. Es ist einfach wieder eine abenteuerliche „Geschichtsstunde“ der unterhaltsamen Art, die nur Bernhard Cornwell in seiner unübertroffenen Art so gut erzählen kann.
Long live Sharpe!!
Thus, more than 20 years separate the original series from this new release, but this isn't noticeable in the book. Cornwell seamlessly returns to the series without any breaks, developing a very coherent scenario.
The adventure begins in March 1809 in Porto, then still called Oporto. Portugal is still under threat from the French, and Commander-in-Chief Marshal Soult, after his successes in the north at La Coruña and the Battle of Braga, wants to conquer the rest of the country, defeat the Portuguese and the English present there, and realize his true dream: to become King of Portugal.
As crazy as it all sounds. Yes. The Marshal did indeed pursue this plan.
At least according to credible accounts from his opponents and rivals. Soult himself always denied having such ambitions. What else could he do? What he was planning was certainly dangerous. His good fortune was that Napoleon needed him in Spain and dismissed the affair with a single sentence: "I wanted to write to you that I was annoyed by your actions in Porto; but I only remember the day of Austerlitz. [...] Stop concerning yourself with such nonsense." The Emperor knew perfectly well to whom he ultimately owed the victory at Austerlitz: Marshal Soult, who had led the decisive breakthrough and the capture of the Pratzen Heights.
It also seems that Napoleon hadn't really perceived the Portuguese episode as threatening. Even in his memoirs, he judges relatively calmly: “Soult allowed himself to be blinded in Porto by a handful of schemers and flatterers. He actually believed the Portuguese wanted him as their king. That was pure folly, driven by personal vanity. His task was to win for France, not to seek a crown for himself.” Elsewhere, the Emperor wrote the following about Soult: “I had before me a character of noble stature when it came to courage, but he was unhappy as an independent ruler. Had I succeeded in Russia, I would have made him King of Poland. That would have been a throne that suited his strategic capacity—Portugal, on the other hand, was a mistake.”
There is another quote from the Emperor about Soult, which, however, is not positive. It should also be quoted here because it is relevant to the context of these events. This, however, concerned the excesses of the troops commanded by Soult in Portugal and Spain: “I should have made an example of him and had Soult shot; he was the greatest plunderer of all. [...] His ambitions in Portugal were absurd, but I needed his military talent.”
So what had happened in Portugal?
Soult intended to crown himself “Nicholas I” (King Nicholas) as the ruler of a new Portuguese satellite state. In a secret circular dated April 19, 1809, he had his chief of staff distribute his plan to his generals in an attempt to win them over to the project. He emphasized that ascending the throne would not constitute disloyalty to Napoleon.
However, Soult’s plans met with ridicule, outrage, and, in some cases, genuine resistance from his own officers. Conspiracies even formed within the ranks to arrest the marshal should he actually crown himself. One name stands out above all others: Captain Philippe-Charles Argenton.
Argenton belonged to a group of disaffected officers (generals such as Louis-Henri Loison and Henri-François Delaborde, Colonel Donadieu, commander of the 22nd Cavalry Regiment, and Colonel Lafitte, commander of the 18th Dragoon Regiment) who decided to stop Soult. Their plan was radical: should Soult actually declare himself King of Portugal, they intended to arrest him, seize control of the army, and lead it back to France. Argenton even traveled secretly through enemy lines several times to meet with the British commander, Sir Arthur Wellesley (the future Duke of Wellington). Argenton suggested to Wellesley that, in the event of a British attack, the French troops under the conspirators would remain passive or even mutiny in order to overthrow Soult. Wellesley reacted very cautiously to this proposal; reportedly, he did not trust any defector. However, Argenton's betrayal was quickly exposed.
A fellow conspirator—someone from General Charles Lefebvre-Desnouette's circle, perhaps even the general himself, it's uncertain—got cold feet and betrayed the plan to Marshal Soult. Argenton was arrested in Porto in May 1809. However, he managed to escape amidst the chaotic events surrounding the British attack on Porto. He returned to France to denounce Soult. It seems the marshal's behavior must have deeply affected the captain. Perhaps he also thought that an aggressive denunciation of Soult's misdeeds would absolve him of suspicion of conspiring with the enemy. This plan backfired. Argenton was arrested again, court-martialed, and executed by firing squad for treason in Paris in 1809.
It seems that Argenton was made a scapegoat because Napoleon didn't want the affair to escalate, precisely because he still needed Soult.
Nevertheless, a bitter aftertaste remains. The marshal who harbored royal fantasies went unpunished, while the man who wanted to expose the treason against the emperor was ultimately executed as a traitor and collaborator.
Marshal Soult, by the way, covered up the extent of the conspiracy. The other conspirators, except for General Loison, were pardoned or their involvement was completely ignored. Perhaps Soult got cold feet. After all, there was a risk that the emperor might also accuse him of failing in troop leadership if a large-scale conspiracy within the officer corps had become public. So he shrouded the affair in silence.
General Loison had, incidentally, even attempted to speak directly with the emperor. He traveled to Schönbrunn, where Napoleon was staying at the time, to proudly present him with the evidence and letters concerning Soult's "King Nicholas" project. According to accounts, however, Napoleon immediately cut him off. The emperor was less angry with Soult than with Loison. He asked the general directly why he hadn't immediately ended Captain Argenton's conspiracy himself with a firing squad. For Napoleon, the officers' cover-up of a mutiny carried more weight than a marshal's vanity. Napoleon refused to even examine the files more closely. Instead, he dictated a letter to Soult—either during the meeting or immediately afterward. This letter contained the aforementioned statement, "Stop bothering with such nonsense...", which effectively concluded the affair and represented a peace offer from Napoleon. For the emperor, the "Portugal Affair" was thus over.
Returning to Loison, Napoleon had perceived the general's visit for what it likely was: a blatant attempt to oust a superior officer and seize his position. Loison had to return to Spain, but under the command of Marshal Massena, and subsequently fell out of favor there, partly due to his own serious errors at the Battle of Busaco. Ultimately, Napoleon seems to have forgiven Loison as well. His path led him to the siege of Hamburg and to Mecklenburg, where his troops occupied Wismar. His name can also be found on the Arc de Triomphe in Paris, in the 35th column.
I think I don't need to emphasize that Argenton also plays a role in the novel.
These ambitions essentially form the historical backdrop of the book, although it must be said that they have been explained in more detail here in the last few paragraphs than in the novel itself. I simply found it interesting to delve deeper into this story, which was completely unknown to me until then. I am happy that Bernard Cornwell has once again been able to expand my knowledge. Anyone who claims that historical novels cannot be educational has never read Bernard Cornwell.
Besides this overarching narrative, the protagonist Sharpe naturally experiences exciting battles, the First and Second Battles of Porto, meets a beautiful woman (with whom he does not have an affair), and, as always in the novels, is ultimately the savior in times of need.
I won't say any more.
Form your own opinion, and if you don't already own the novel, buy it. It's simply another adventurous and entertaining history lesson, told in the inimitable style of Bernard Cornwell.
Long live Sharpe!!























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