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Sonntag, 9. August 2026

Das dritte Jahrhundert - Reichskrise, Harzhorn und neue Figuren

„Maximinus drang tief in germanisches Gebiet vor, machte viel Beute und überließ seinen Truppen alles Vieh, dessen man habhaft wurde. Die Germanen indessen hatten die Ebenen und die baumlosen Gegenden geräumt und sich in die Wälder und Sümpfe zurückgezogen, so dass die Kämpfe dort stattfinden würden, wo die dicht stehenden Bäume die Geschosse und Pfeile ihrer Feinde wirkungslos machen sollten, und wo die tiefen Moore die Römer bedrohen würden, die die Landschaft nicht kannten […]. Und so fanden die meisten Gefechte in solchen Gebieten statt, und hier geschah es auch, dass der Kaiser selbst und sehr mutig an einer Schlacht teilnahm: Als die Germanen sich in eine große, feuchte Senke zurückzogen und die Römer zögerten ihnen nachzufolgen, stürzte sich Maximinus selbst in die Niederung, bis das Wasser bis zum Bauch seines Pferdes stand; und so hieb er auf die Feinde ein, die ihn umringten. Da fassten die Soldaten, beschämt darüber, dass sie ihren Kaiser, der an ihrer Stelle kämpfte, derart im Stich ließen, Mut und griffen ebenfalls an. Eine große Zahl Männer fiel auf beiden Seiten, doch während viele Römer ihr Leben ließen, wurde fast die ganze barbarische Armee vernichtet, und der Kaiser war der hervorragende Mann auf dem Schlachtfeld […]. Noch weitere Kämpfe fanden statt, bei denen Maximinus aufgrund seiner persönlichen Beteiligung Ruhm erwarb, da er stets eigenhändig mitfocht und in jedem Gefecht der beste Krieger auf dem Schlachtfeld war […]. Er drohte und war entschlossen, alle germanischen Stämme bis hin zum Meer zu besiegen und zu unterwerfen.“
Herodian, 7,2,5-9
 
Das schrieb der griechische Historiker Herodian über eine Schlacht, die der erste Soldatenkaiser, Maximinus Thrax, in Germanien geschlagen hatte.
Jahrhundertelang gingen Forscher davon aus, dass dieses Ereignis irgendwo im Limes Grenzraum stattgefunden hatte, und zwar in einer Entfernung von 30 bis 40 Meilen zum Grenzwall. Die spätantike Historia Augusta sprach zwar von trecenta bzw. quadringenta, also 300 bis 400 Meilen, doch die Forscher gingen hier von einem Schreibfehler aus. Hatte nicht schon Augustus die Expansion nach Germania magna aufgegeben, und somit die Grenze für Jahrhunderte gezogen? So der allgemeine Tenor. Die spätantiken Quellen wurden als unglaubwürdig erachtet, die Entfernungsangabe einfach korrigiert, auf das, was denkbar erschien. Emendieren nennt man das in der Wissenschaft.
Im Jahr 2000 fanden zwei Hobbyarchäologen per Zufall im südlichen Niedersachsen am Harzhorn römische Artefakte. Geschossspitzen, Achsnägel, eine Schaufelhacke und eine Hipposandale, letztere ein Vorläufer des Hufeisens.
2008 meldeten sie den Fund der zuständigen amtlichen Stelle, und im Spätsommer 2008 begannen umfangreiche archäologische Untersuchungen.
Mittlerweile liegen die Ergebnisse vor. Die antiken schriftlichen Quellen hatten wirklich recht. Ja; es gab eine Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn. Und ja; das Harzhorn ist auch in der angegebenen Entfernung zum Limes, genau wie das die überlieferten schriftlichen Quellen geschrieben hatten.  Auch der Zeitpunkt des Durchbruchsgefechts ist festgelegt. Im Jahr 235/236, also exakt unter der Regierung von Maximinus Thrax. Zudem handelt es sich um einen echten Kriegszug. Die Untersuchungen legen nahe, dass hier eine Einheit engagiert war, die aus 10.000 römischen Soldaten bestand. Diese kam von einem Rundmarsch, marschierte aus dem Norden an und wollte an dieser Stelle wieder den Weg nach Süden einschlagen, um zurück zum Limes zu kommen. Die Engstelle am Harzhorn wurde von germanischen Kriegern blockiert, die dann wiederum durch einen Flankenmarsch ausmanövriert und angegriffen wurden.




Ich, als jemand, der selbst Geschichte studiert und auch einmal an einer archäologischen Ausgrabung eines römischen Marschlagers in der Nähe von Dijon mitgearbeitet hat, bin natürlich von diesem Fund begeistert. Es ist wirklich so, dass hier Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen. Die Römer waren nunmehr nachweislich noch im 3. Jahrhundert im Innern Germaniens aktiv.
Aber…, und das könnte jetzt wiederum viele wundern, nicht nur an dieser Stelle.
Mittlerweile wurden sogar Marschlager der Römer in Sachsen-Anhalt gefunden! Dersheim liegt nördlich von Quedlinburg. Das geht ja noch. Aber Aken in Sachsen-Anhalt liegt in der Nähe von Köthen! Trabitz, nicht weit von hier entfernt!
Die an den Ausgrabungsorten gefundenen Münzen datieren den Marsch nach Sachsen-Anhalt in die Regierungszeit von Caracalla. Auch hier wird es zu einer Überprüfung der Forschungsergebnisse kommen, denn ähnlich wie am Harzhorn ging man auch beim Germanenkrieg Caracallas davon aus, dass ein langer Marsch nach Germania magna unmöglich gewesen sei. Deshalb ist auch dieser Feldzug 213 AD in heutigen Fachbüchern in der Nähe des Limes verortet, eine These, die nach den Funden jetzt nicht mehr zu halten ist. Im Zusammenhang mit diesem Germanenfeldzug wird in den antiken Quellen auch zum ersten Mal der Begriff „Alamannen“ als Bezeichnung der germanischen Gegner erwähnt.
Beide Feldzüge fanden somit in einem viel größeren strategischen Raum statt, als bisher angenommen, und sind somit auch bedeutender, als dies bisher gewertet wurde. Es scheint, dass die Römer, ähnlich wie in augusteischer Zeit, die Germanen finden und umfassen wollten. Zumindest am Harzhorn gibt es den Beweis, dass es auch auf jeden Fall zu einem Aufeinandertreffen kam. Andere Angaben über Verluste oder Schlachten liegen allerdings nicht vor.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese neuen Funde und Forschungsergebnisse vielen in Deutschland noch gar nicht bekannt sind. Im Grunde nur der Minderheit, die sich mit römischer Geschichte auch jenseits von Kalkriese, Xanten und Trier, den am besten vermarkteten Römerstätten, auseinandersetzt.
Schaut man sich das Ganze auf der Karte an, dann ist es schon beeindruckend, wie weit im Landesinnern diese Funde liegen.
Jedenfalls sieht man, dass die Römer ihren Ordnungsanspruch auch für Germanien nicht aufgegeben hatten. Man wollte in Germania magna Präsenz zeigen, sei es auch nur mit Strafexpeditionen.
Neben diesen auf Deutschland begrenzten Ereignissen ist das Jahrhundert der Reichskrise aber auch noch durch andere Ereignisse bedeutsam. Um 270 war das römische Reich quasi geteilt. Im Westen hatte sich das Gallische Sonderreich abgespalten, im Osten das Königreich Palmyra gegründet. An den Grenzen wurden die mittlerweile zu größeren Stammesgruppen verbundenen Germanen gefährlicher. Hier sind zu diesem Zeitpunkt vor allem die Alemannen zu nennen. Im Osten wiederum hatten die Sassaniden die Herrschaft übernommen und bedrohten Rom von dieser Seite.
Schon dieser kurze Abriss zeigt, dass diese Epoche auch für den Wargamer jede Menge Möglichkeiten bietet. Das Problem. Es gab bisher nur einen Hersteller der Römer für das 3. Jahrhundert in 28 mm anbietet. A&A (Armorum & Aquila Miniatures). Diese Firma bietet Zinnfiguren für die römischen Armee des 3. Jahrhunderts an, ebenso für Palmyra und das Sassanidenreich.
Armorum & Aquila
Der Stil dieser Miniaturen orientiert sich sehr stark an den Illustrationen des über die Osprey Bände bekannten Illustrators Angus McBride. Ich kenne einige Wargamer, die auf McBride schwören. Ich persönlich komme mit seinem Stil nicht klar. Die von ihm gezeichneten Figuren wirken sehr gedrungen, und auch speziell stilisiert. Da die A&A Minis nach diesem Vorbild modelliert sind, und auch genauso aussehen, hinderte mich das in dieses Thema größer einzusteigen. Wohlgemerkt. Ich finde bei A&A nicht alles schlecht, aber für eine größere Truppe fehlte mir dann persönlich der finale Kaufanreiz.
Jetzt ist aber Wargames Atlantic mit zwei neuen Plastiksets in diese Lücke gesprungen.
Decline and Fall — Wargames Atlantic






Warum ist das wichtig, werden sich jetzt vielleicht einige Leser fragen. Es gibt doch jede Menge Römer. Das stimmt, allerdings fand zu Beginn des 3. Jahrhunderts eine Veränderung in Bewaffnung und Ausrüstung römischer Heere statt, die sich doch sehr vom Aussehen der klassischen Römer unterscheidet.
Da ist schon einmal der Wechsel vom klassischen Scutum auf den ovalen Schild. Dann ersetzte die Spatha den Gladius. Und letztendlich wurde der Weisenau Helm durch den Niederbieber Helm abgelöst, der zwar auch noch zur Weisenau Gruppe der typischen kaiserzeitlich-gallischen Helme gehört, sich in seinem Aussehen allerdings schon so unterscheidet, dass er anfänglich als Kavalleriehelm interpretiert wurde. Nach dem Niederbieber Helm kamen dann die neuen spätantiken Helme in Form von Spangenhelmen bzw. Kammhelmen.
Weisenau Helm

Niederbieber Helm


Leider werden die beiden neuen Plastiksets nur als „Late roman“, nicht als „middle AND late Roman“ beworben. Auch ich habe erst beim zweiten Mal hinschauen den Niederbieber Helm im Gussast entdeckt.
Mit den beiden bisher erschienenen Sets wird aber eine Lücke geschlossen. Man muss es halt nur mitbekommen.
Bisher sind zwei Figurenpackungen erschienen. Einmal Infanterie in der lorica hamata, einmal in der lorica squamata.
Mal sehen, ob da noch mehr erscheinen wird. Ich fände es klasse.
Durch diese beiden Sets ist es jetzt möglich römische Armeen des 3. Jahrhunderts darzustellen. Einer Bemalung im größeren Stil steht also nichts mehr im Weg. Immerhin sind gerüstete Legionäre der Kern einer römischen Armee, und deshalb braucht man sie auch in der Masse.
Die Spezialtruppen, Lancearii, Bogenschützen, Soldaten mit Torsionsgeschützen, Kavallerie, können ja mit den A&A Figuren ergänzt werden, wenn man sich nicht davor scheut in England zu bestellen.
Egal wie. Ich feiere diese Neuerscheinungen und hoffe natürlich, dass da noch mehr folgen wird.
 
“Maximinus penetrated deep into Germanic territory, taking much booty and giving his troops all the livestock they could get their hands on. The Germans, meanwhile, had cleared the plains and treeless areas and retreated into the forests and swamps, so that the battles would take place where the dense trees would render their enemies' projectiles and arrows ineffective, and where the deep bogs would threaten the Romans, who were unfamiliar with the terrain […]. And so most of the battles took place in such areas, and it was here that the emperor himself, very bravely, participated in a battle: When the Germans retreated into a large, damp hollow and the Romans hesitated to follow them, Maximinus himself plunged into the lowlands until the water reached his horse's belly; and thus he attacked the enemy who surrounded him. Then the soldiers, ashamed that they had so abandoned their emperor, who was fighting in their place, mustered their courage and also attacked. A great Many men fell on both sides, but while many Romans lost their lives, almost the entire barbarian army was annihilated, and the emperor was the outstanding man on the battlefield […]. Further battles took place, in which Maximinus gained renown due to his personal participation, as he always fought with his own hands and was the best warrior on the battlefield in every engagement […]. He threatened and was determined to defeat and subjugate all the Germanic tribes as far as the sea.”
Herodian, 7.2.5-9
 
This is what the Greek historian Herodian wrote about a battle fought in Germania by the first soldier-emperor, Maximinus Thrax. For centuries, scholars assumed that this event took place somewhere in the Limes border region, at a distance of 30 to 40 miles from the border wall. The late antique Historia Augusta mentioned trecenta or quadringenta, meaning 300 to 400 miles, but scholars considered this a scribal error. Hadn't Augustus already abandoned expansion into Germania Magna, thus drawing the line for centuries? That was the general consensus. The late antique sources were deemed unreliable, and the distance information was simply adjusted to what seemed plausible. In academia, this is called emending.
In 2000, two amateur archaeologists stumbled upon Roman artifacts at Harzhorn in southern Lower Saxony, Germany: projectile points, axle pins, a shovel-type pickaxe, and a hipposandal, the latter a precursor to the horseshoe.
In 2008, they reported their find to the relevant authorities, and extensive archaeological investigations began in late summer 2008.
The results are now available. The ancient written sources were indeed correct. Yes, there was a battle between Romans and Germanic tribes at Harzhorn. And yes, Harzhorn is indeed at the specified distance from the Limes, exactly as the surviving written sources indicated. The date of the breakthrough battle has also been established. In the year 235/236, precisely during the reign of Maximinus Thrax, this was a genuine military campaign. Investigations suggest that a unit of 10,000 Roman soldiers was involved. They were returning from a circular march, approaching from the north, and intended to turn south at this point to return to the Limes (Roman frontier). The narrow passage at Harzhorn was blocked by Germanic warriors, who were then outmaneuvered and attacked by a flanking maneuver.
As someone who studied history and even participated in an archaeological excavation of a Roman marching camp near Dijon, I am naturally thrilled by this discovery. It truly means that history books will have to be rewritten. The Romans were demonstrably active in the interior of Germania well into the 3rd century.
But… and this might surprise many, not just here.
Roman marching camps have even been found in Anhalt-Saxony! Dersheim is north of Quedlinburg. That's manageable. But Aken in Saxony-Anhalt is near Köthen! Trabitz, not far from here!
The coins found at the excavation sites date the march to Anhalt-Saxony to the reign of Caracalla. Here, too, the research findings will be reviewed, because, similar to the Harzhorn site, it was assumed that a long march to Germania Magna would have been impossible during Caracalla's Germanic campaign. Therefore, this campaign of 213 AD is also located near the Limes in current textbooks, a theory that can no longer be maintained after these discoveries. In connection with this Germanic campaign, the term "Alamanni" is mentioned for the first time in ancient sources as a designation for the Germanic adversaries.
In connection with this Germanic campaign, the term "Alamanni" is also mentioned for the first time in ancient sources as a designation for the Germanic opponents. Both campaigns thus took place in a much larger strategic area than previously assumed, and are therefore more significant than previously considered. It seems that the Romans, similar to the Augustan period, wanted to find and encompass the Germanic tribes. At least at Harzhorn, there is evidence that an encounter definitely occurred. However, no other information about losses or battles is available.
Sometimes I get the feeling that these new finds and research results are still unknown to many in Germany. Essentially, they are only known to the minority who engage with Roman history beyond Kalkriese, Xanten, and Trier, the most commercially exploited Roman sites in Germany.
Looking at the whole thing on a map, it's quite impressive how far inland these finds lie.
In any case, it shows that the Romans had not relinquished their claim to order, even in Germania. They wanted to establish a presence in Germania Magna, even if only through punitive expeditions.
Sometimes I get the feeling that these new discoveries and research findings are still unknown to many in Germany. Besides these events limited to Germany, the century of the Crisis of the Roman Empire is also significant for other reasons. Around 270 AD, the Roman Empire was essentially divided. In the west, the Gallic Empire had broken away, while in the east, the Kingdom of Palmyra was founded. Along the borders, the Germanic tribes, now united into larger tribal groups, were becoming increasingly dangerous. The Alemanni, in particular, are a major threat at this time. In the east, the Sassanids had seized power and were threatening Rome from that direction.
Even this brief overview demonstrates that this era offers a wealth of possibilities for wargamers. The problem: Until now, there has only been one manufacturer offering 28mm Roman miniatures for the 3rd century: A&A (Armorum & Aquila Miniatures). This company offers pewter figures for the Roman army of the 3rd century, as well as for Palmyra and the Sassanid Empire.
Armorum & Aquila
The style of these miniatures is heavily influenced by the illustrations of Angus McBride, the illustrator known for his work on the Osprey series. I know several wargamers who swear by McBride. Personally, I don't get on with his style. The figures he designs look very squat and also quite stylized. Since the A&A miniatures are modeled after this style and look exactly the same, it held me back from getting more involved with the genre. Mind you, I don't think everything about A&A is bad, but for me personally, there wasn't the final incentive to buy them for a larger army.
Now, however, Wargames Atlantic has stepped in to fill this gap with two new plastic sets.
Decline and Fall — Wargames Atlantic
Why is this important, some readers might ask. There are plenty of Romans, after all. That's true, but at the beginning of the 3rd century, a change occurred in the weaponry and equipment of Roman armies that differed significantly from the appearance of classical Romans.
First, there was the switch from the classical scutum to the oval shield. Then the spatha replaced the gladius. And finally, the Weisenau helmet was superseded by the Niederbieber helmet, which, although still belonging to the Weisenau group of typical imperial-period Gallic helmets, differed so much in appearance that it was initially interpreted as a cavalry helmet. After the Niederbieber helmet came the new Late Antique helmets in the form of spangenhelms or crest helmets.
Unfortunately, the two new plastic sets are only advertised as "Late Roman," not as "Middle AND Late Roman." I, too, only discovered the Niederbieber helmet on the sprue on second glance.
However, the two sets released so far fill a gap. You just have to be aware of it.
So far, two figure packs have been released. One is infantry in the lorica hamata, the other in the lorica squamata.
Let's see if more will be released. I think that would be fantastic.
These two sets now make it possible to depict Roman armies of the 3rd century. So, nothing stands in the way of painting on a larger scale. After all, armored legionaries are the core of a Roman army, and therefore you need them in large numbers.
The specialist troops—lancearii, archers, soldiers with torsion catapults, cavalry—can be supplemented with the A&A figures, if you don't mind ordering from England.
Anyway, I'm celebrating these new releases and, of course, hope that more will follow.

Sonntag, 8. Oktober 2023

Villa Borg

 
Erst vor ein paar Tagen wurde mir die nachfolgende Karikatur auf Facebook angezeigt.



Oh wie wahr, kann ich da nur laut und weinend ausrufen.
Wie wahr!!!
Eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte ist definitiv der Untergang des Römischen Reiches.
Über die Gründe gibt es unzählige Erklärungen, Interpretationen, Mutmaßungen.
Wichtig sind die Ergebnisse für Europa.
Und diese Ergebnisse sind erschütternd.
Hier in meiner Region Deutschlands, die zum Römischen Reich gehörte, bedeutete dieser Untergang der Wegfall von Wasserklosetts, Fußbodenheizungen, Mosaiken, Aquädukten, Bäderanlagen … und, und, und.








Was bekamen wir???
Strohgedeckte Lehmbuden, die Mensch und Vieh gleichermaßen und nur dürftig voneinander getrennt zusammenführten.
Eine wirklich tolle Wohngemeinschaft, die in manchen Gegenden Deutschlands tatsächlich noch fast 2000 Jahre aufrechterhalten wurde (geben Sie mal in Wikipedia den Begriff Hallenhaus ein).
Hinzu kam noch, dass die Buden dann auch ziemlich oft verraucht waren, weil ja offene Feuerstellen, die durchdachten Küchenräume der Römer abgelöst hatten.
Ich schreibe jetzt mal nichts über Verwaltungsstrukturen, Bürokratie, öffentliche Ämter, Medizin, Militär und, und, und.
Nein.
Wir bleiben bei den Buden.
Waren Sie mal in einer Rekonstruktion gallischer, germanischer oder slawischer Dörfer, ja Burganlagen???
Ich habe mir da schon einige angeschaut.
Na und, was soll ich sagen.
Es ist gruselig.
Einfach gruselig.
Bist Du da stolz drauf, wenn Du das siehst?
Findest Du das wirklich spannend und innovativ??
Bereichert Dich das in Deinem Leben???
Wenn ja, dann Gratulation.
Mich enttäuscht es!
Mich ödet es an!!
Mich würgt es!!!
Wir Besucher wandeln da durch den Rückschritt.
Wir bewundern eine negative Zeitenwende.


















Es ist genauso, als wenn Menschen durch die Trümmer eines apokalyptischen Krieges wandeln und feststellen, dass es echt großartig ist, überlebt zu haben. Danach gehen sie wieder in ihren Survival Shelter aus Birkenstämmen, um dort mit dem einzigen, dem Dorf verbliebenen Feuerstein, ein Feuerchen anzufachen.
Sie gucken sich um, sehen Shelter aus Birkenstämmen an Shelter aus Birkenstämmen gereiht. In der Mitte ist ein etwas größerer Shelter aus Birkenstämmen, sozusagen das Versammlungshaus der Gemeinschaft. Na und zum Glück fließt am „Dorfrand“ ein kleiner Fluss, der halbwegs trinkbares Wasser liefert.
‚Ist doch eigentlich gar nicht so verkehrt, was wir hier wieder aufgebaut haben‘, denken dann diese Menschen.
Ja.
Das beschreibt das poströmische Europa.
Na und, das ist jetzt kein Klischee.
Schauen Sie sich bitte Rekonstruktionen eines germanischen Dorfes an.
Vielleicht bekommen Sie dann ja auch dieses „na ja“ Gefühl, dass mich da immer beschleicht.
Dieses Fremdschämen. Dieses „Sich klein fühlen“ gegenüber der römischen Zivilisation.
Ich würde ja sagen, vergessen Sie einfach einen solchen Besuch.
Es sei denn Sie sind ein Typ, der folkloristische Veranstaltungen liebt.
Generell möchte ich aber mal provokant die Frage stellen, was soll Ihnen das bringen.
Nun gut.
Wenn Sie in ihrem Garten einen Shelter bauen wollen… Ja dann. Dann ist das ok. Da bringt Ihnen eine Besichtigung vielleicht sogar etwas.
Gut.
Einen weiteren Grund sich germanische Lehmhütten anzuschauen, mag es auch noch geben.
Viele Menschen können mit römischen Ruinen nichts anfangen. Dort, wo diese Ruinen vorhanden sind, stehen oder liegen dann ja auch nur Reste und Bruchstücke herum. Da versagt dann schon mal die Vorstellungskraft.
Vielleicht ist für diesen Personenkreis sogar der Shelter aus Birkenstämmen greifbarer als das Forum Romanum.
Mag sein.
O.K. Diese Zielgruppe kann sich eine poströmische Rekonstruktion, sprich ein Germanendorf, gerne anschauen.
Aber wenn Sie sich wünschen etwas RICHTIGES, etwas IMPOSANTES, zu sehen, wenn Sie den Unterschied greifen und erleben wollen, den Unterschied zwischen dem Römischen Reich und diesem poströmischen Rückschritt, dann, ja dann fahren Sie bitte ins Saarland.













Ins Saarland?
Ja. Ins Saarland!
Verbinden Sie den Ausflug einfach mit einem Aufenthalt in Trier.
Da schauen Sie sich zunächst die Porta Nigra, den Dom, die Konstantinsbasilika und die Reste der Thermen und das Amphitheater an.
Danach fahren Sie aber nach Perl Borg.



Nie gehört?
Verstehe ich.
Ging mir lange, lange Jahre auch so.
Bis ich dann mal persönlich den „Archäologiepark römische Villa Borg“ vor ein paar Jahren entdeckte.
Ich sag’s Ihnen.
Das lohnt sich.
Das ist was Feines.
Eine rekonstruierte römische Landvilla.
KOMPLETT!!!!!!! Mit allem Pi Pa Poh.
Torhaus, Wohnräume, Stallungen, ein römisches Bad, eine römische Taverne, eine römische Küche, ein Garten, ein Teich.
Funktionsbereit. Anschaulich. Perfekt gemacht.




































































Das ist echt was anderes, verglichen mit Lehm beschmierten Weidenruten, also Germanenhäusern, die zwar historisch korrekt, aber sooooooooooooo langweilig sind.
Liebe Museen.
Ich verdamme da nicht die Rekonstruktionen, die Arbeit, die da reingesteckt wurde.
Alles richtig. Alles gut.
Mich schockiert halt nur die Geschichte!!!!!!!!
DIE HISTORIE an sich!!!!!!
Dieses, was kam nach Rom.
EBEN DAS!!!!!
Anstatt Villen, Lehmhütten.
LEHMHÜTTEN!!!!!!!
Nix Vae Victis.
Vae Victoris, sage ich da nur.
Die Sieger sind die Leidtragenden.
Hätten die Germanen sich ehrlich gemacht, dann hätten Sie das auch zugeben müssen.
Aber warum soll man denn die eigene Nichtkultur runterspielen.
Nö. Das passt schon. Die wird einfach überhöht. Man ist doch Sieger.
Wenn Sie, meine lieben Leser, aber römische Kultur sehen wollen, dann fahren sie bitte zur Villa Borg.
Schweifen Sie durch die Räumlichkeiten, genießen sie den römischen Mulsum, speisen Sie in der Taverne, die Ihnen römische Gerichte anbietet.
Schauen Sie sich das Privatbad der Villa an.
Erleben Sie die Normalität, manche nennen es Luxus, eines römischen Landgutes, und vergleichen Sie das mit dem germanischen Bauerndorf.
Sie werden den Kopf schütteln, wenn sie da waren.
Und ich denke, auch Sie, werden danach weinen, wenn sie mit ihren Kindern in ein germanisches Museumsdorf fahren.
Sie werden sich als Nachfolger der Germanen schämen, und Ihren Kindern sagen:
„Doch, doch. Das römische Reich war schon klasse.“
 
ROMA AETERNA
 
 
Und jetzt zum Abschluss noch der Link zur offiziellen Webseite.

VILLA BORG – Archäologiepark | Römische Villa Borg (villa-borg.de)
 
 
Just a few days ago, the following cartoon was shown to me on Facebook.
Oh how true, I can only exclaim loudly and while weeping.
How true!!!
One of the greatest tragedies in human history is definitely the fall of the Roman Empire.
There are countless explanations, interpretations and conjectures about the reasons.
The results for Europe are important.
And these results are staggering.
Here in my region of Germany, which belonged to the Roman Empire, this demise meant the disappearance of water closets, underfloor heating, mosaics, aqueducts, baths... and, and, and.
What did we get???
Thatched mud shacks that brought together people and cattle alike and only poorly separated from each other.
A really great residential community that was actually maintained in some areas of Germany for almost 2000 years (enter the term Hallenhaus in Wikipedia).
In addition, the stalls were often filled with smoke, because open fireplaces had replaced the well thought-out kitchens of the Romans.
I'm not going to write anything about administrative structures, bureaucracy, public offices, medicine, the military and, and, and.
No.
We'll stick to the booths.
Have you ever been to a reconstruction of Gallic, Germanic or Slavic villages or castles???
I've already looked at a few.
Well, what can I say.
Its scary.
Just creepy.
Are you proud of it when you see that?
Do you find this really exciting and innovative?
Does that enrich you in your life???
If yes, then congratulations.
It disappoints me!
I'm bored!!
It chokes me!!!
We visitors are walking backwards.
We admire a negative turning point.
It's like when people walk through the rubble of an apocalyptic war and realize how great it is to have survived. Then they go back to their survival shelter made of birch trunks to start a little fire with the only flint left in the village.
You look around, see birch log shelters lined up next to birch log shelters. In the middle is a slightly larger shelter made of birch trunks, the community's meeting place, so to speak. Well, luckily there is a small river on the “outskirts” of the village, which provides reasonably drinkable water.
'It's actually not that bad what we've rebuilt here', these people then think.
Yes.
That describes post-Roman Europe.
Well, now that's not a cliché.
Please look at reconstructions of a Germanic village.
Maybe you get that "well, yes" feeling that always creeps up on me.
This foreign shame. This "feeling small" compared to Roman civilization.
I would say yes, just forget such a visit.
Unless you're a guy who loves folkloric events.
In general, however, I would like to provocatively ask the question: what is the point of this for you?
Well.
If you want to build a shelter in your garden... then yes. Then that's okay. A visit might even bring you something.
Good.
There may also be another reason to look at Germanic mud huts.
Many people are unfamiliar with Roman ruins. Where these ruins exist, there are only remnants and fragments lying around. That's where the imagination fails.
Perhaps for this group of people even the shelter made of birch trunks is more tangible than the Roman Forum.
Might be.
OK. This target group is welcome to look at a post-Roman reconstruction, i.e. a Germanic village.
But if you want to see something REAL, something IMPOSING, if you want to grasp and experience the difference, the difference between the Roman Empire and this post-Roman throwback, then yes, please go to the Saarland.
To Saarland?
Yes. To Saarland!
Simply combine the excursion with a stay in Trier.
First look at the Porta Nigra, the Cathedral, the Basilica of Constantine and the remains of the thermal baths and the amphitheater.
After that you drive to Perl Borg.
Never heard?
I understand.
I felt the same way for many, many years.
Until I personally discovered the “Roman Villa Borg Archaeological Park” a few years ago.
I tell you.
It's worth it.
That's nice.
A reconstructed Roman country villa.
COMPLETELY!!!!!!! With all Pi Pa Poh.
Gatehouse, living quarters, stables, a Roman bath, a Roman tavern, a Roman kitchen, a garden, a pond.
Ready to use. vivid. Done perfectly.
That's really something different compared to willow rods smeared with clay, i.e. Germanic houses, which are historically correct, but sooooooooooooo boring.
Dear museums.
I'm not condemning the reconstructions, the work that went into it.
All right. It's all ok.
I just love the story!!!!!!!!
THE HISTORY itself!!!!!!
This what came to Rome.
JUST THAT!!!!!
Instead of villas, mud huts.
MUD HUTS!!!!!!!
Nothing Vae Victis.
Vae Victoris, that's all I'm saying.
The winners are the sufferers.
If the Germans had been honest, they would have had to admit it too.
But why should one downplay one's own non-culture?
nope It's okay. It is simply exaggerated. You're a winner.
If you, my dear readers, want to see Roman culture, then please go to Villa Borg.
Wander the premises, enjoy the Roman mulsum, dine at the tavern offering Roman dishes.
Check out the villa's private bathroom.
Experience the normality, some call it luxury, of a Roman country estate and compare it to the Germanic farming village.
You'll shake your head if you've been there.
And I think you too will cry afterwards when you take your children to a Germanic museum village.
You will be ashamed of being the successor of the Germans and will say to your children:
"Yes, yes. The Roman Empire was great.”
 
ROMA AETERNA
 
 
And now finally the link to the official website.