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Dienstag, 31. Oktober 2017

Luther - Zwei Comics

Heute vor 500 Jahren nagelte ein Mönch seine  95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg.
Martin Luther leitete damit bewusst, unbewusst die Reformation ein und schrieb letztendlich… Weltgeschichte.
Bekommen sie jetzt keine Angst meine lieben Leser. Ich bin kein Theologe und werde jetzt nicht über Religionsgeschichte schreiben, geschweige denn irgendeine religiöse Glaubensrichtung bewerten.
Allerdings habe ich mich ja bisher mehrfach schon als Comic Fan geoutet, na und dann möchte ich Ihnen doch am heutigen 500. Reformationstag zwei Comics empfehlen, die sich genau mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Comics als Stilmittel einzusetzen, funktioniert ja eigentlich immer, wenn man etwas bildgewaltiges, etwas einzigartiges darstellen will. Da bieten sich natürlich die Reformation und das Leben Luthers aus mehreren Gründen an.
Die Reformationszeit ist ja gewissermaßen ein Zeitalter der Transition. Es ist eine Schwellenepoche; der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit.
Die alte Welt des Mittelalters mit ihren Rittern, Bauern und der allumfassenden katholischen Kirche, wird langsam abgelöst vom modernen Staat, dessen Stadtbürgertum sich immer mehr entwickelt, wo Banken und Händler immer wichtiger werden, und langsam beginnen den Staat zu beherrschen und die Macht von Adel und Klerus zu unterhöhlen, wo sogar Gläubige es wagen Fragen zu stellen, die nicht in das gängige Bild passen.
Ganz nebenbei, am Anfang fast noch unbemerkt, wird im Westen eine neue Welt entdeckt, wird Afrika umsegelt, werden Handelswege in ferne Länder eröffnet.
Unter militärischen Gesichtspunkten ist es die Zeit, wo die Landsknechte auftauchen. Wo Söldner das alte Feudalheer ablösen. Es ist die Zeit, wo Hauptleute eben dieser Landsknechte zu Kriegsunternehmern werden, ohne die der früher so stolze Ritter gar nichts mehr wäre.
Es ist die Zeit, wo aufständische Bauern durch die Lande Deutschlands ziehen, angeführt von Rittern, die sich – genau wie die von ihnen Angeführten – als Modernisierungsverlierer sehen. Als Menschen, denen etwas fehlt. Als Menschen, die Angst um ihre Zukunft haben. Um die irdische, aber auch um die in der Ewigkeit.
Die Hexenfeuer brannten in dieser Zeit noch stärker, als in den Jahrhunderten zuvor. Das Zeitalter der Aufklärung hatte man noch nicht erreicht, obwohl der Buchdruck begann sich Bahn zu brechen, und entscheidendes dazu beitrug, dass gerade auch die Schriften Luthers rasant verbreitet, und dadurch auch populär und richtungsweisend wurden.
Von der Kanzel der Kirchen und Kathedralen wurden das ewige Höllenfeuer und die Qualen im Fegefeuer besungen. Findige Kirchenvertreter verkauften Ablässe, Papiere, die gläubigen Menschen suggerierten, dass sie weniger Zeit im Fegefeuer verbringen werden. Das Fegefeuer, die bildlich dargestellte Vorhölle, die JEDER durchlaufen musste, der eine kürzer, der andere länger. Toll, wenn man die Zeit durch den Kauf eines Ablassbriefes verkürzen konnte.
Die Kranken und Behinderten waren in dieser Zeit verstoßen. Aussätzig. Auch Fremden stand man ablehnend gegenüber. Dass die Juden, die es in der europäischen Landschaft überall schwer hatten, verächtlich gemacht wurden, muss man im Grunde gar nicht erwähnen. Es war seit Jahrhunderten gelebte Normalität.
Diese Epoche ist die, in der Luther aufgewachsen ist und zwei Graphic Novels greifen die Thematik auf und bilden, in zwei völlig verschiedenen Stilen das Leben Luthers und die Zeit, in der er aufwuchs und lebte, ab.
Der eine Comic kommt bildgewaltig, bunt, kanllig daher. Irgendwie erinnert er mich in seinem Stil and die Zeichnungen des hier im Blog bereits beschriebenen Hauptmann Veits, der ja in der gleichen Epoche spielt.
https://thrifles.blogspot.de/2016/07/hauptmann-veit-ein-historiencomic-von.html
Für die Graphic Novel, „ Luther: Der Mönch, der die Welt aus den Angeln hob“, zeichnen als Texter Dr. Richard Melheim, genannt Rich, und als Illustratoren Sherwin Schwartzrock und Jonathan Koelsch verantwortlich.


Man könnte den Autor als Spezialisten, als Fachmann bezeichnen. Er ist evangelischer Pastor. Außerdem  war er Berater am Filmset „Luther“ mit Joseph Fiennes in der Hauptrolle.
Ihm gelingt es die Person Luthers in den historischen Kontext zu versetzen. Das heißt, dass der Comic jetzt nicht die Religionslehre Luthers in den Vordergrund stellt, und es Ziel ist diese zu vermitteln,  sondern es geht um den Menschen Luther, sein Leben und seine Ansichten.
Natürlich lernt der Leser einiges zur Religion; das liegt ja in der Natur der Sache. Aber der Comic soll jetzt nicht einen Katechismus ersetzen.
Das Leben Luthers wird auch in einen Kontext gestellt. Die erste Seite des Comic beginnt mit der Verbrennung von Jan Hus im Jahr 1415, die letzte Seite schließt mit im Jahr 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden. Beides Daten vor bzw. nach dem Leben Luthers, aber aufs engste mit ihm in den Auswirkungen verknüpft.
Genau wie im Film, den ich jedem, der ihn noch nicht kennt, auch empfehle, gelingt es dem Comic den Spannungsbogen zu entwickeln und vor allem ihn auch aufrecht zu halten.
Das Leben Luthers und seiner Zeitgenossen, die auch so gezeichnet sind, dass man sie direkt erkennt, orientiert sich doch der Comic an zeitgenössischen Gemälden, entfaltet sich in Bildern vor einem.
Man wird diesen Band auch nach dem ersten mal lesen wieder in die Hand nehmen, weil man bei den Bildern einfach auf Entdeckungstour gehen kann.
Im Grunde ist die dargestellte Geschichte ja bekannt:
Der erste Teil des Comic berichtet von der innerlichen Zerrissenheit des jungen Luther, vom Hadern gegenüber sich selbst und zu Gott. Seine Romreise findet ebenso Erwähnung, wie seine Arbeit an der Universität in Wittenberg. Kurfürst Friedrich, sein Schützer und Förderer, erkennt das Potential in dem jungen Mann. Luthers Predigten und Lehren ziehen Studenten an.
Hier in Wittenberg nagelt er die 95 Thesen an die Tür der Kirche. Der Disput beginnt. Mit dem Ablassprediger Tetzel, mit dem Mainzer Erzbischof, dem Kanzler des Alten Reiches, mit dem Papst. Luther wird nach Worms gerufen, um seine Lehren zu widerrufen. Als vogelfrei erklärt, verlässt er die Stadt, wird in einer Nacht- und Nebelaktion zur Wartburg in Sicherheit gebracht.
Hier übersetzt er die Bibel ins Deutsche.
Obwohl er selbst eingeschlossen ist, verbreiten sich seine Schriften immer mehr. Werden zu einer Bewegung, leiten die Reformation ein.
Man hat das Gefühl die Welt steht Kopf.
Privat kommt nach dem Exil auf der Wartburg eine große Veränderung auf ihn zu. Er ehelicht Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne. Das Establishment schreit auf. Ein Mönch und eine Nonne. Ketzerei. Die Geburt des Antichrist wird kommen.
Doch Luther lebt weiter unter dem Schutz seines Kurfürsten. Letzterer, und ihm werden einige nachfolgen, erkennt die Vorteile sich von der offiziellen Kirche zu lösen. Die Kurfürsten stellen sich gegen den Kaiser. Auf dem Reichstag zu Augsburg am 20. Juni 1530 spürt Kaiser Karl V. den Widerstand: Kurfürst Johann von Sachsen, der Nachfolger Friedrichs, und Landgraf Philipp von Hessen, verweigern zunächst den Kniefall. Auf dem Reichstag kommt es dann zur Vorstellung und zur Disputation des Augsburger Bekentnisses. Wortführender ist hier der aus Bretten stammende Philipp Melanchthon, der anstelle des sich in Reichsacht befindlichen Luthers die lutherischen Lehren vorstellt.
Der Comic endet dann mit Luthers Tod, und final mit dem Augsburger Religionsfrieden, der im Jahr 1555 die lutherische Lehre anerkennt.
„Als das Mittelalter endete und ein stürmischer Mönch die Neuzeit mit den Worten einläutete: „Gott helfe mir...“ .... so heisst es auf dem Innencover des Comics.
Das kann der Comic wirklich in Bilder fassen.
Also meine unumschränkte Empfehlung.
Der Comic kostet 10,- €. Schade ist halt, dass er in einem relativ kleinen Format gehalten ist. Ungefähr die Größe eines etwas längeren, dafür aber leicht schmäleren, Osprey Bandes.
Ich hätte lieber 5,-€ mehr bezahlt. Wäre der Comic großformatiger und besser gebunden, wäre er noch wertiger und definitiv ein Comic Highlight auch in der Aufmachung.

(Hier die Verlagsseite. Die Comics sind natürlich auch überall im Handel zu bestellen).

Der zweite Comic, den ich ihnen empfehlen möchte, ist aus dem Haus editionfaust. Andreas Grosso Ciponte als Illustrator und Dacia Palmerino als Texterin haben diesen Comic geschaffen. Das Unternehmen wurde aus Mitteln der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau gefördert.



Dieser Comic ist im Stil völlig unterschiedlich zu dem zuerst beschriebenen. Er ist tatsächlich eine typische Graphic Novel, was vor allem im Stil der Zeichnungen begründet liegt. Die Zeichnungen wirken, als wenn sie einem Computerspiel entsprungen wären. Sie sind bewusst minimalistisch, weil die Botschaft des Textes im Vordergrund steht.



Der Zeichner reduziert seinen Zeichenstil. Hier ist der Mensch, vor allem Luther, im Mittelpunkt der zeichnerischen Darstellung. Der Betrachter des Comics hat auf manchen Seiten das Gefühl eine moderne Version von Hieronymus Bosch oder Lucas Cranach d. Älteren in den Händen zu halten. Gerade die Visionen Luthers auf der Wartburg, wo er sich in einem gefühlten Zweikampf mit dem Teufel befindet, werden beeindruckend, teilweise surreal dargestellt.
Wer einen minimalistischen, experimentellen, modernen, mehr computergenerierten Comicstil liebt, der sollte sich auch für diesen Comic entscheiden. Die Geschichte Luthers wird auch hier von der Geburt bis zum Tod mit ihren Höhepunkten treffend wiedererzählt.



Der Comic kostet 20,- €, hat dafür aber 160 Seiten. Sehr schön finde ich es, dass 18 Hauptakteure der Zeit am Ende des Comics nochmals im Portrait und mit einer Kurzbiographie vorgestellt werden.

(Hier die Verlagsseite. Die Comics sind natürlich auch überall im Handel zu bestellen).

Nebenbei sei bemerkt, dass es diesen Comic auch in englischer Sprache unter dem Titel „Renegade“ gibt.




Schauen sie sich beide Comics einfach mal an. Als Erstlektüre zur Thematik sind sie wirklich gut. Inwieweit Sie, meine lieben Leser, dann Ihr Wissen vertiefen wollen, das sei Ihnen überlassen.
Ich wünsche Ihnen allen heute einen schönen Feiertag, und insgeheim hoffe ich ja, dass die Politik sich doch noch einmal Gedanken macht den Reformationstag zu einem bundesweiten Feiertag zu erheben.
Es wäre auf jeden Fall passend.


P.S.: Die Comics würde ich ja bei meinem liebsten Comichändler, Ingo Stratmann aus Bielefeld, bestellen: http://www.gratiscomictag.de/shop/moderne-zeiten/
Es gibt sie natürlich auch bei den üblich Verdächtigen, dem großen A und anderen.

Samstag, 29. April 2017

Frank Ziegler Miniaturen - Die bessere Ultima Ratio

Kommt Leute, seid ehrlich. Der klassische 1/72 Sammler ist und bleibt ein Sparbrötchen. Er ist geizig; er selbst würde es preisbewusst nennen.
Ich meine jetzt nicht die Sammler, die den 1/72 Maßstab zu dem EINZIGEN Maßstab erklärt haben. Diese Sammlergruppe hat sich ja spezialisiert, und da gelten andere Regeln.
Hier ist man im Gegenteil dazu bereit sehr viel für dieses Hobby auszugeben. Denn die Schaffung einzigartiger Dioramen ist halt auch nur möglich, wenn man bereit ist etwas zu investieren. Sponsoren gibt es da nur sehr selten.
Die 1/72 Sammler, von denen ich eher spreche, sind die, die aus der Plastikecke kommen, und sich häufig ihre Interessengebiete über Neuerscheinungen eben aus dieser Plastikecke erschließen.
So wie ich selbst.
Man war es halt in den guten alten Zeiten der 80er 90er Jahre einfach gewohnt, 50 Figuren für weniger als 10 DM zu bekommen. So etwas prägt.
Na und bei den Preisen konnte man auch immer wieder neuen Epochen und Themen eine Chance geben. War ja billig.
Einige Sammler waren schon damals bereit in Spezialsets zu investieren. Nicht zuletzt deshalb war die DuZi, die Duisburger Zinnfigurenbörse, so erfolgreich, weil eben hier diverse Spezialanbieter Ihre Ergänzungen in Zinn anboten, und man sich als Sammler aufs Belieben eindecken konnte.
In den meisten Fällen blieb es allerdings bei diesen Ergänzungen. Die wenigsten – auch wenn ich einige Personen persönlich kenne, die zu dieser Gruppe nicht gehören – haben sich ganze Armeen in Zinn geleistet. Die meisten wollten einfach nur bestehende Plastiksets ergänzen. Diese etwas aufhübschen. Die einen mehr, die anderen weniger.
Aus diesem Grund ist dann auch keiner der Spezialanbieter reich geworden. Richtig geniale Modelleure und Produzenten betrieben und betreiben das Hobby nebenberuflich, weil ein kompletter Broterwerb damit gar nicht möglich wäre.
Massenverkauf??? Pustekuchen.
Das beste was einem Kleinanbieter da passieren konnte, wenn flankierende Plastiksets neu erschienen, die dann Bedarf weckten.
Nur mal ein Beispiel: Das Revell Set der britischen Waterloo Infanterie  hatte nur einen Fahnenträger. Ein Unding würde der Spezialist ausrufen.
Vive L’Empereur, schmettert der Franzosenfreund, weil er einfach davon ausgeht, dass eine der Fahnen bereits erobert wurde, wie sich das ja auch gehört.
Vive L’Empereur.
Back to topic.
Na jedenfalls fehlte da ein Fahnenträger zogen doch die Briten mit zwei Fahnen in die Schlacht. Wer kann, der kann, bzw. wer häufig eine verliert, der hat dann ja noch eine....
Vive L’Empereur.
Wollte man jetzt aus dem Packungsinhalt vielleicht sogar zwei Einheiten basteln, fehlten direkt mal drei Figuren. Zum Glück bot bereits damals Jörg Schmäling Fahnenträger aus Zinn an, und man konnte seine Revell Plastikeinheiten sinnvoll ergänzen.
An diesem Beispiel sei nur einmal erklärt, wie Kleinhersteller den Markt komplettieren können, wenn ein bestehendes Set offensichtliche Lücken aufweist.
Geht es aber auch andersrum? Was ist, wenn zuerst die Zinnserie da war, aber kein Plastik?
Ich möchte da ein Beispiel geben, und ich hoffe, dass bei den vorgestellten Figuren eben dieser umgekehrte Effekt jetzt eintreten wird.
Der von mir hochgeschätzte Modelleur Frank Ziegler hat eine wunderbare Reihe spätmittelalterlicher, frühneuzeitlicher Miniaturen auf den Markt gebracht. Diese Figuren sind perfekt und historisch genauestens recherchiert. Frank, ein gelernter Archäologe und Historiker modelliert halt nicht so vor sich her und macht da irgendwas, nein, er beschäftigt sich erst einmal mit einer Epoche, und zwar sehr detailliert.
Die Figuren sind bestellbar über Hagen Miniatures (Bilder aus dem Shop von Hagen-Miniatures):






Ich kann mich noch genau an einen Vortrag auf einem Sympi erinnern, wo Frank sich mit den spätmittelalterlichen Harnischen beschäftigte.
Nach einer knappen Stunde dachte ich, bitte Frank, schreib ein Buch. Das ist alles viel zu detailliert für einen simplen Vortrag. Das kann man gar nicht alles fassen.
Neben irgendwelchen ausgewiesenen Spezialisten, die nach meiner Meinung irgendwo in Museen arbeiten, die große Sammlungen von Rüstungen und Rüstzeug verwalten, ist Frank wohl einer der Wenigen, ich will jetzt nicht sagen der Einzige, aber gefühlt ist es halt so, dem man einen Haufen Blech hinlegt, den kein normaler Mensch unterscheiden kann, na und was passiert?
Er streicht sich über seinen Bart setzt diesen Blick auf, und blubbert schon los.
„Ja; das ist eindeutig savoyardisch („Aha! Hätte ich auch gedacht.“, denkst Du). Sieht man ja. („Klar doch!!!!“, denkst Du) Das erkennt man dort an den Kannelüren („An den was???“, denkst Du), und das Blech ist auch eindeutig so getrieben. Na und irgendwo ist doch auch sicher,  ah, da ist er ja, der Stempel („Was für ein Stempel??“, denkst Du). Guck mal Koppi.“
So müsst Ihr Euch das vorstellen.
Frank wäre definitiv im Mittelalter Schmied geworden und er hätte auch irgend so ein Excaliburschwert geschmiedet, weil er eine ganz spezielle Legierung entdeckt hätte.
Ja, das traue ich ihm zu.
Er hat den Schwarzen Gürtel in Harnischkunde; und nicht nur da.





Besagter Frank Ziegler hatte sich irgendwann in die Harnische dieser Zeit so richtig reingekniet, sie lieben gelernt und wurde Spezialist. Diese Erkenntnisse in einer eigenen Figurenreihe zu materialisieren, war der logische Schritt, wenn man denn modellieren kann.
Die Entwicklung der ersten Figurenreihen konnte ich sogar live auf dem Sympi mitverfolgen, weil Frank natürlich auch hier immer eifrig am Modellieren war.
Die von Frank vertriebene Figurenreihe ist mittlerweile schon recht imposant. Neben gerüsteten Truppen gibt es natürlich auch normale Spießer und Fußkämpfer. Das gesamte Potpourri einer Armee des Spätmittelalters bzw. der beginnenden Neuzeit. Die Übergänge sind hier ja fließend.




Dummerweise gab es bisher noch kein vernünftiges Plastikset in 1/72, das diese Epoche in diesem Sammlergebiet nach vorne treiben könnte. Es gibt zwar von Miniart Schweizer des 15. Jahrhunderts, die allerdings doch nicht vernünftig verwendet werden können, weil die Lanzen nicht ausmodelliert wurden. Ohne Verkaufszahlen zu haben, so denke ich, war das doch von vornherein der Tod für dieses Set. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Massen verkauft wurde.

In 28 mm haben ja die Perries ihre Reihe der Rosenkriege für diesen historischen Zeitraum aufgelegt, die sich ja auch entsprechend gut verkauft. Nicht nur, dass sie für historische Settings verwendet wird. Nein. Diese Figurenreihe ist ja auch die Basis einiger Games of Thrones Wargaming Armeen.


Jetzt hat allerdings für den 1/72 Bereich eine Firma sich des Themas angenommen.
ENDLICH, möchte man fast sagen.
Ultima Ratio schimpft sie sich, na und die bringen doch tatsächlich Schweizer für das späte 15. Jahrhundert raus. Sie sollen dann, laut Verpackung, sogar explizit Kantonisten aus Bern bzw. Uri darstellen, wobei die Figuren natürlich auch generisch eingesetzt werden können.  Die Fahnenträger haben aber die Wappen der beiden Kantone fest eingraviert.
Hier einmal Bilder der Figuren von der PSR Seite.









Schaut man sich die Miniaturen genauer an, so kommen einem schon manche Posen ziemlich bekannt vor. Sie orientieren sich tatsächlich an Bildern dieser Zeit.

(Chronik Luzern. Im Bild erkennt man auch die Hornbläser, einer auch in dem "Kuhkostüm". Die Darstellung von Ultima Ratio mittels dieser Figur Hornbläser und Fahnenträger zu kombinieren, ist falsch. Fahnenträger waren in dieser Epoche immer gerüstet. Die Fahne war zu wichtig).

Interessant finde ich die eine Figur mit dem Fangeisen (zweite Figur erstes Bild). Die scheint mir gerade aus einem Funken Band entsprungen zu sein. Solche Fangeisen wurden genutzt, um einen Ritter am Hals einzuhaken und ihn vom Pferd zu ziehen. Brach er sich dabei nicht das Genick, was man hoffte, aber was wohl nicht immer zu verhindern war, hatte man einen Gefangenen, für den man wunderbar Lösegeld erpressen konnte.
Drei identische Figuren braucht man hier zwar nicht, aber dennoch finde ich es generell gut, dass die Figur vorkommt.
Die Hellebardiere in den Sets sind durchaus nutzbar, was ich von dem vorlaufenden Armbrustschützen jetzt nicht unbedingt sagen kann.
Der Schütze mit der Hakenbüchse macht hingegen einen guten Eindruck.
Diese Sets können dann jetzt schon mal den Plastikgrundstock für eine größere Truppe darstellen und wunderbar mit den Figuren von Frank Ziegler ergänzt bzw. aufgestockt werden.
Wer sich bisher scheute eine komplette Zinnarmee in 1/72 für diese Epoche aufzustellen, hat nun doch die Möglichkeit erst einmal mit Plastik einzusteigen, und kann dann diese Sets mit Einzelminiaturen aus Franks Serie pimpen.
Es ist definitiv so, dass die Miniaturen von Frank Zieger die EIGENTLICHE ULTIMA RATIO für diese Epoche darstellen.
Gar keine Frage.
Aber ... man kennt ja die Sammlerszene. Das „Billige“ wird da für einen Schub sorgen.
Nichtsdestotrotz wird vielleicht eine Regel aus der Biologie helfen:
Symbiose heisst das Zauberwort: Zusammenleben zweier Organismen zum gegenseitigen Nutzen. So hat man das mal im Biologieunterricht gelernt. Warum nicht auch hier?
Ich denke, dass sich beide Hersteller wunderbar ergänzen können, und ich hoffe, dass man dann in Zukunft ein paar Eidgenossen gegen Burgund ziehen sehen wird.
Ich selbst überlege dann jetzt auch schon mal, ob man da nicht eine kleine DBA Truppe aufstellen kann.
Als Gegner bieten sich da ja immer noch die Ritter aus der Zvezda Box Französische Ritter 15. Jahrhunderts an.



Deren Fußtruppen kann man ja auch mit Minis von Frank darstellen.
WIR können das, wenn auch Frank dann sicherlich anmerken würde, dass der ein oder andere Harnisch doch gar nicht in diese burgundische Truppe passt. Warum? Haben sie nicht aufmerksam gelesen?? Na, weil der Harnisch doch eindeutig savoyardisch ist. Savoyardisch, nicht burgundisch!!!!! Compris?
Frank; sei uns gnädig. Wir machen das für uns passend.
Ich hoffe, dass dieser kleine Bericht für Euch eine Anregung bringen konnte, sich erneut mit dem 1/72 Maßstab auseinanderzusetzen. Die Serie von Frank kombiniert mit den Neuerscheinungen von Ultima Ratio bieten tatsächlich auch Möglichkeiten für den Wargamingbereich, bekommt man doch so vergleichsweise kostengünstige Armeen aufgestellt, was einigen Wargamern sicherlich gefallen wird.
Hinzu kommt, dass nicht jedem aus dieser Szene diese Miniaturenreihen überhaupt bekannt sind.
Ich hoffe, dass mein Bericht die Miniaturen etwas bekannter macht, vor allem die Minis von Frank, denn die sind historisch schon sehr, sehr korrekt, und verdienen allein deshalb Beachtung.



Come on people, be honest. The classic 1/72 collector is stingy. He himself would call it price-conscious.
Not the specialists, we all know personally.
They, on the contrary, are willing to spend a lot of money and time on this hobby. The creation of unique dioramas is just possible, if one is willing to invest something. There are very few sponsors. Sadly, but true.
The 1/72 collectors, I’m talking about, are the plastic collectors. Fans of the Plasticsodierreview webpage.
Like myself.
In the good old times of the 80s 90s you get 50 figures for less than 10 DM. Something like that.
And so with such cheap prices one could always give new epochs and topics a chance. It was really a cheap hobby.
Some collectors were already ready to invest in special sets. Not least, the Duzi, the Duisburger tin figuress fair, was so successful in Germany, because various smaller hobby companies offered their supplements in tin, and you can cought so much nice stuff.
But most customers wanted new plastic sets. Not big armies in tin.
For this reason, neither of the special providers has become rich. Mass sales? Never.
The best thing that could happen to a retailer when flanking plastic sets appeared new on the market, which then aroused demand.
Just one example: The Revell set of the British Waterloo infantry had only one flag bearer.
In any case, one flag bearer was missing, because the British had two flags per battalion.
Who often loses one, has then still a .... ;-)))
Vive L'Empereur.
If you wanted to make two units from the contents of the package, there were three missing figures. Luckily, Jörg Schmäling already offered flagbeares in tin, and so you had the opportunity to complete the plastic sets.
This example shows how smaller hobby companies can complete the market if an existing plastic set has obvious gaps.
But. What if the tin series was first, but no plastic set was available?
I would like to give an example here, and I hope that the reversed effect will now occur for the figures I will show you.
Frank Ziegler, who is highly esteemed by me, has launched a wonderful series of late medieval, early renaissance miniatures on the market. These figures are perfect and well researched. Frank, a learned archaeologist  first deals with an epoch in detail, and than he modelled his figures.
I can still recall a lecture at a Symposion, where Frank was concerned with the late medieval armor.
After an hour or so I thought, please Frank, write a book. This is all too detailed for a simple lecture. This can not be understood by normal people.
In addition to some well-known specialists who, according to my opinion, work somewhere in museums that manage large collections of armor, Frank is probably one of the few -I do not want to say now the only one – who see a bunch of metal and than …?
He stroked his beard, opened his eyes and bounced.
"Yes; That is clearly savoyard ("Aha, I had also thought.", You think). You see, yes. ("Sure," you think) You can recognize this shallow grooves  ("The what?", You think), and the forging is exactly. Well and somewhere is also sure, ah, there it is, the stamp ("Which stamp?", You think). Look at it Koppi. "
So you have to imagine that.
Frank would definitely have been blacksmith in the Middle Ages and he would have forged an Excalibur sword because he'd discovered a very special allov.
Yes, I trust him. He has the Black Belt in armory. And not just there.
I was able to follow the development of the first series of figures live on the Symposion.
The series of figures marketed by Frank is now quite impressive. In addition to armed troops there are, of course, normal men at arms and bowmen. The entire potpourri of an army of the Late Middle Ages resp. early Renaissance.
Unfortunately, there was not yet a reasonable plastic set in 1/72, which could drive this epoch forward to the collector. The Miniart set of Swiss troops of the 15th century, was one of the flop sets in the hobby.
In 28 mm, the Perries have set up their War of the Roses series for that historical period, which also sells accordingly well. Not only is it used for historical settings. No. This series of figures is also the basis of most Game of Thrones wargaming armies.
Now, however, a company has adopted the theme for the 1/72 sector. FINALLY, you would almost say.
Ultima Ratio is the name of the company,  and they really bring out Swiss for the late 15th century. They are, according to the packaging, even explicitly represent cantonists from Berne and Uri, although the figures can of course also be used generically. The flags, however, have firmly engraved the arms of the two cantons.
Here is a picture of the characters from the PSR side.
If you look at the miniatures more precisely, some poses are quite familiar. They actually orient themselves on images of this time.
The one figure with the „catcher“ is very interesting. Such weapons were used to hook a knight at the neck and pull him off the horse. If he did not broke his neck, he was a prisoner, for whom one could extort wonderful ransom.
The halberdiers in the sets are quite usable, which I can not say of the advacing figure with the crossbow.
The shooter with the early rifle makes also a good impression.
These sets can now be the plastic base for a larger army and you can enlarge and supplement your force perfectly with the figures of Frank Ziegler.
Surely. Frank Zieglers miniatures ARE the better ULTIMA RATIO for the epoch. But I know many collectors, and I think they will give the cheaper opportunity a chance.
So let us hope in biology:
Symbiosis is the magic word: two organisms are living together for mutual benefit. That’s the lesson you have learned in biology. Why not here?
I think that both manufacturers can complement each other perfectly, and I hope that in the future one will see more Swiss armies on campaign against Burgundy.
I myself think about a small DBA troop.
As opponents of the swiss I will use the french knights from the Zvezda Box, and some men at arms of Frank‘s collection.
„Burgundian force. Why? The Harnisch is clearly savoyard. Savoyard, not Burgundy !!!!! Compris?“
Frank!!! Be mercifully. We are laymen, no specialists.
We can do that!!!
I hope that this little report could give you a suggestion to re-examine the 1/72 scale for that period. The series of Frank combined with the new releases of Ultima Ratio actually offer also possibilities for wargamers. Nice poses, and you get a comparatively inexpensive army, compared with 28 mm figures.
I hope that my report makes the miniatures more familiar, especially the Minis of Frank, because they are historically very, very correct, and deserve more attention.





Sonntag, 18. Dezember 2016

Bretten 2016 - Der Festumzug

HÖRET HÖRET HÖRET
HEAR HEAR HEAR

WAS DER MAGISTER ANDREAS ZU ERZÄHLEN HAT
WHAT MAGISTER ANDREAS HAS TO SAY

TANDERADEI
TANDERADEI



Ich hatte ja vor kurzem über die Belagerung von Bretten im Jahr 1504 berichtet. Dabei hatte ich erwähnt, dass es traditionell und alljährlich nach dem Wochenende des katholischen Festtags Peter&Paul in der Stadt Bretten ein großes Mittelalterfest gibt.
http://www.peter-und-paul.de/Peter-und-Paul-Fest.517.0.html
Im Grunde verwandelt sich die komplette Stadt in ein großes Heerlager und Ortschaft der frühen Neuzeit um 1500.


Das Fest teilt sich in unterschiedliche Bereiche.
Es gibt den Mittelaltermarkt als solchen, der im gesamten Gebiet der Altstadt anzutreffen ist.










Es gibt das Schauspiel über die Belagerung, von dem ich bereits berichtet habe.
http://thrifles.blogspot.de/2016/10/bretten-1504-eine-belagerung.html






Es gibt den großen Festzug am Sonntag, von dem ich hier jetzt auch verschiedene Bilder zeigen werde.
Es gibt die Lager der Truppen und Gruppen, mit Vorführungen, Erklärungen, Darstellungen etc. etc.



















Alleine die historischen Gruppen, die sich in Bretten organisiert haben, übertreffen in Qualität und Anzahl vieles, was ich bisher gesehen habe.






Anbei die Vorstellung der wichtigsten Gruppen, die dann auch im engen Zusammenhang mit der Belagerung stehen.
Ich übernehme hier in Auszügen den Text dieser historischen Gruppen, die sich auch auf der Festseite des Peter und Paul Festes befinden.
Wer Interesse an der Kontaktaufnahme hat, der findet auf der Webseite auch die entsprechenden Ansprechpartner.
http://www.peter-und-paul.de/Gruppen-der-VAB.13.0.html
Ich hoffe, dass die Gruppen es nicht störend finde, dass ich hier auf Ihren Text verweise. Deshalb achte ich jetzt auch bewusst darauf, die Textstellen zu zitieren.
Es gibt aber nichts besseres, als das sich die Vereine einfach selbst vorstellen.
Denn ich kenne Sie ja leider nicht persönlich.
Ich habe Sie letztendlich nur im Display meiner Kamera kennengelernt.
Betrachtet es als Werbung für Eure tollen Gruppen.
Es gibt, so glaube ich keine, die mich nicht überzeugen konnte.






















Mit der einen berühmten Ausnahme, die ich jetzt doch auch hier loswerden muss:
Liebe Leute kauft Euch doch bitte, bitte Kontaktlinsen. Es  ist wirklich nicht so schlimm. Denn diese modernen Brillen, die verhunzen einfach eine mittelalterliche oder frühneuzeitliche Darstellung.
Eure Kostüme sind so klasse. Alle möglichen Details finden sich.
Aber ich habe wieder, na und das leider ziemlich oft, zu meinem Leidwesen viel zu viele „Nasenräder“  entdeckt.
Tanderadei, höret, höret … so geht das nicht !!!
Es passt doch nicht zusammen eine Bruche zu tragen, die man vielleicht gar nicht sieht, aber dann ne Armani Brille aufzusetzen.
BITTE BITTE ändert das noch. Denn ansonsten habt Ihr mich überzeugt.






Wer die frühe Neuzeit also in einem tollen Umfeld live erleben will, der sollte sich tatsächlich überlegen mit einer der Gruppen Kontakt aufzunehmen.
Die Bilder, die ich jetzt in den Text einbinde, werden nicht immer die Gruppe darstellen, die ich dort beschreibe. Mir ging es darum, jede Gruppe, die an dem Umzug beteiligt war, zumindest mit einem Bild einzufangen. Na und ich glaube, dass es mir wohl zu 95% auch gelungen ist.
Die Reihenfolge der Bilder, ist die chronologische Reihenfolge des Umzugs.
Ich hoffe aber, dass Ihr an den Bildern gefallen findet.

Albrecht Schedels Fähnlein.

„… Die gut 50 Mitglieder versuchen dabei, die militärischen und zivilen Bereiche eines spätmittelalterlichen Landsknechtsfähnleins so detailgetreu wie möglich darzustellen.
Zum militärischen Bereich gehört das Demonstrieren der üblichen spätmittelalterlichen Kriegstechnik mit Lang- oder Kurzwaffen wie Hellebarde, Schwert und Dolch sowie der jeweiligen Schutzausrüstung vom einfachen Helm bis zum kompletten Harnisch.
Des Weiteren sind Schwarzpulverwaffen mit diversen Hakenbüchsen bzw. Luntenschlossgewehren, einem Feldgeschütz (Kammergeschütz “Klara”) und einem Belagerungsgeschütz (Steinbüchse “Mayrin”) im Einsatz.
 Im zivilen Bereich werden das Leben und das Arbeiten innerhalb eines Landsknechtstrosses dargestellt. Dabei steht das Zubereiten von Speisen nach historischen Rezepten und Zutaten neben diversen Hand- und Handwerksarbeiten im Vordergrund…“




















Bauerngruppe Alt Brettheim 1504 e.V.

„…Sie ist mit ca. 200 Mitgliedern, eine der größten und ältesten  Gruppen, die den mittelalterlichen Teil des Peter-und-Paul-Festes präsentieren. Der Verein hat sich die Pflege und Förderung des kulturhistorischen bäuerlichen Brauchtums zur Aufgabe gemacht. Die im Verein integrierte Bauerntanzgruppe, führt bäuerliche Tänze auf, deren Ursprung teilweise bis ins Spätmittelalter zurückgehen …“









































Die ‚Brettener Artillerie 1504

„Sie wurde im Dezember 2005 gegründet, um eine eigene Artilleriegruppe mit Vereinsstatus ins Leben zu rufen. Die Anfänge reichen jedoch viel weiter zurück. Da wäre zum Beispiel die Gruppe ‚Balduff’ zu nennen, die seit 1989 ihren festen Platz neben dem neuen Rathaus hatte, oder an die beachtliche Artillerieabteilung, die sich im Lauf der Jahre innerhalb der ‚Brettener Landsknechte’ bildete.
Beim legendären ‚Tross 2004’ kam es erstmals zu einer folgenreichen Zusammenarbeit verschiedenen Artilleristen der Gruppe Balduff, der Knittlinger Staigschützen und der Landsknechte. Während des Abenteuers ‚Tross’ entstanden Freundschaften, wo zuvor allenfalls einzelne Kontakte vorhanden waren. Mit einem Wort - hier wuchs zusammen, was zusammengehörte - um ein geflügeltes Wort zu benutzen.
Mit unseren drei Großgeschützen (Kaliber 80 mm, 85 mm und 88 mm) und diversen weiteren Feuerrohren - wie einem siebenschüssigen und einem zwölfschüssigen Orgelgeschütz - bieten wir mit rund 35 Mitgliedern eine weitgehend authentische Artilleriestellung des frühen 16. Jahrhunderts."

















Landsknechtsgruppe Bretten 1504 e.V. 

„Sie stellt das Leben, Kämpfen und Sterben deutscher Landsknechte im Zeitraum 1490 bis 1525 n. Chr. dar. Diese Landsknechte rekrutierten sich aus der Region Oberrhein / Schwarzwald und waren zu 80% Bauern. Vor allem der etwa vier Meter lange Langspieß prägt das Erscheinungsbild der Brettener Landsknechte. Daneben werden auch noch andere Waffen, wie etwa Hellebarden, Handfeuerwaffen oder Schwerter in verschiedenen Ausführungen verwendet. Historisch betrachtet, stellt die Landsknechtsgruppe das in der Schwarzerdt-Chronik aufgeführte Fähnlein des Hans von Göppingen dar, welches im Jahre 1504 von der Kurpfalz zur Verteidigung von Brettheim entsandt wurde.
Neben der Darstellung des historischen Landsknechts bietet der Verein eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten. Sei es beim Kochen historischer Gerichte, beim Erforschen und Nähen originalgetreuer Gewandungen, dem Handeln auf dem Markt oder beim Trommeln und Pfeifen - im Verein findet jeder Engagierte den für ihn passenden Bereich. …
Die Vereinsmitglieder engagieren sich in unterschiedlichen Abteilungen: der Gwandlerei, der Marketenderei, den Schwertkämpfern, der Sudlerei  oder dem Spiel…“










.Feldscher! Hack’s ab!"

„Wer hat eitrige Wunden zum Ausbrennen?
Im Nebenschauplatz der Schlacht arbeitet der Feldscher während und lange nach dem tödlichen Geschehen. Er ist für die medizinische Versorgung verantwortlich und ist der Vorfahre des heutigen Chirurgen und Militärarztes. Zu seinen Hauptaufgaben gehört zum einen die ärztliche Fürsorge der Landsknechte und zum anderen das Putzen und Scheren des Bartes, wodurch der Feldscher oder auch Feldscherer seinen Namen erhielt – diese praktischen Eigenschaften grenzen ihn somit vom studierten Medicus ab.
Seit der Gründung im Jahre 2005 stellt die Mittelaltergruppe „Der Feldscher zu Brettheim“ dieses handwerkliche Geschick auf Mittelaltermärkten, Einzelauftritten oder anderen Veranstaltungen dar und führt das Publikum durch die primitiven Anfänge der Chirurgie und Wundpflege…“




Fünf Schneeballen

„ …Zwischen Spätmittelalter und Renaissance sind die „Fünf Schneeballen“ zu Hause.
Seit über 30 Jahren ist die Historische Gruppe „Fünf Schneeballen“ Flehingen-Sickingen unter der Fahne und dem Motto Karls des V. „plus ultra – noch weiter“ aktiv. Ihre Aktionen hat sie mit: Geschichte und Geschichte erleben überschrieben. Es geht der Gruppe um die Vermittlung historischer Zusammenhänge und deren lebendige Darstellung. Die Präsentation des Lebens im Landsknechtstross hat sich außerordentlich praktisch und flexibel erwiesen, war doch so ein Tross das Abbild der damaligen Gesellschaft. Da gab es neben dem kämpfenden Landsknechten Händler und Handwerker, Musikanten und Marketenderinnen, Trossbuben, Garköche, Reiberinnen mit Bademägden und vieles mehr. So lassen sich im Tross eine Vielzahl von großen und kleinen Geschichten unterbringen und dem interessierten Besucher erzählen. Die Landsknechte in ihrer bunten, zerhauenen Tracht zeigen ihre Ausrüstung mit Harnischen, Helmen, Kurzwehr und Stangenwaffen und demonstrieren selbstverständlich auch deren Handhabung. Die Handschützen erklären die Funktion ihrer Luntenschlossgewehre. Am offenen Feuer wird gekocht, gebruzelt und zubereitet, was nachher auch verzehrt wird.
Als historische Vita kann die Gruppe auf einen riesigen Fundus zurückgreifen: Die Geschichte der Familie Sickingen und die Belagerung der Stadt Bretten im Jahr 1504 durch Herzog Ulrich von Württemberg liefern Material genug. So lag es nahe, die Person des Landsknechtsführers Franz von Sickingen (1482-1523), kaiserlicher Feldhauptmann und Rat, mit seinen Fehden und Feldzügen zu thematisieren.
Die „Fünf Schneeballen“ legen großen Wert auf eine möglichst authentische Ausstattung und Darstellung, soweit das heute möglich ist. Dazu wird konsequent Quellenarbeit betrieben und Fakten und Daten gesammelt, die für das Rollenspiel – denn das ist es letztendlich – notwendig sind.. …“




Medicus

„Die Gruppe Medicus stellt einen fahrenden Medicus samt Gefolge (Karten- und Handleserinnen, Kräuterweibern, Apothekern, et cetera) dar. Weilt der Medicus einmal mehr in einer Stadt, so bietet er alle diagnostischen (beispielsweise Harnschauen - Geschmacksprobe eingeschlossen) und therapeutischen (zum Beispiel die Amputation ganzer Gliedmaßen) Maßnahmen an, auf die ein gut ausgebildeter Arzt um 1500 zurückgreifen konnte. . ..“






Neibsheimer Armbrustschützen 

„Reges Lagerleben finden interessierte Besucher des Peter-und-Paul-Festes am Seedamm bei den Neibsheimer Armbrustschützen. Die aktive Gruppe um Hans Entenkopf stellt nicht nur ihre historischen, selbst gebauten Waffen mit ihren schmiedeeisernen Elementen aus. Bereitwillig geben die Mitglieder unter dem Vorsitz von Uwe Schober Auskünfte und philosophieren mit Gästen und Interessierten über ihre Waffen. …
Die Armbrust galt im Mittelalter als eine sehr verlässliche Waffe, die mit ihrer enormen Kraft auch weit entfernte Ziele erreichte. Damals, vor mehr als 500 Jahren galt ein Neibsheimer Schütze als ganz besonders tapfer: Hans Entenkopf. Ihm zu Ehren wurde die Gruppe der Neibsheimer Armbrustschützen vor fast 40 Jahren gegründet…“


Sicarius

„… bildete sich aus einigen Mitgliedern einer bekannten süddeutschen Fechtgruppe. Zeitlich ist der Verein in der italienischen Renaissance zwischen 1490 und 1530 angesiedelt. Unsere Fechtkunst gestaltet sich konkret nach den Lehren von Meister Johann Liechtenawer und Freifechtmeistern unserer Zeit wie z.B. Peter Koza. …“







Die Stadtwache

„… wurde 1987 gegründet und residiert auf dem Platz vor der Stadtbücherei, unterhalb der Stiftskirche. Sie hat heute rund 170 Mitglieder und zählt zu den besonders engagierten Großgruppen des Peter-und-Paul-Festes. Während des Festumzugs mit Hellebarden und Trommeln zu sehen, erinnern die Mitglieder in ihrem Lager vor toller Kulisse mit großer Tafeley und musikalischen Klängen an das spätmittelalterliche Lagerleben. Die Gäste werden mit herzlicher Geselligkeit, Krügen voll Bier und gutem Wein bewirtet. Samstags und sonntags bietet die Stadtwache ein kurzweiliges Programm genannt „Allerley Spielerey“, bestehend aus Musikstücken, Tanz, Theaterspiel und sonstigen Szenen aus dem Mittelalter sowie Auftritten ihrer singenden „Cantarotti“. …“

Als Gäste war diesmal noch die Free Company (Brighton) vor Ort, die im Ursprung eine Darstellungsgruppe zu den Rosenkriegen in England ist, somit aber auch zeitlich perfekt zur Belagerung von Bretten passt.
Die Truppe wusste auch bei der schauspielerischen Umsetzung der Belagerung durchaus zu überzeugen.


















Neben diesen Gruppen mit eher militärischem Hintergrund gibt es noch viele andere:
Bierbreuwer, Bruderschaft der Freien Zünfte, Coro Cantastico, D’Eggefeger, Die Garküche, Die Gelahrten und Gereisten, Gramboler, Gewandmacherei, Käser, Patrizier, Quacksalber, Seifensieder, Duselgrabscher, Ehrbare Zünfte, Fahrendes Volk, Handwerkergilde, Köhlergruppe, Kraemer und Halunken, Löffelstielzchen, Mucchio Variopinto, Pfeffersäcke, Saitenschrey, Schäfergruppe, Wäscherinnen, Zehrhaus Paravicini.

Wie sie anhand der Gruppenprofile erkennen können, meine lieben Leser, ist das Event in Bretten schon etwas Besonderes.
Lassen Sie es sich nicht entgehen.



Wenn Sie es nächstes Jahr nicht schaffen, dann schreiben Sie es sich irgendwo in einen Kalender, der Sie auch erinnert.
Einmal sollte man hier mindestens vor Ort gewesen sein.




















I had recently reported about the siege of Bretten in 1504. And I had mentioned that - after the weekend of the catholic festive Peter & Paul –there is a great medieval festival in the town of Bretten, near Karlsruhe Germany. Annually.
http://www.peter-und-paul.de/Peter-und-Paul-Fest.517.0.html
The entire city transforms into a big camp and medieval village just around the year 1500 A.D..
The festival is divided into different areas.
There is the medieval market, which is found throughout the old city.
There is the spectacle of the siege, of which I have already reported.
There is the big parade on sunday, which I'm going to show here in various pictures.
There are the camps of the forces and groups, with demonstrations, explanations, images, etc., etc.
The historical groups, which are organized in Bretten, excel in quality and number of much of what I've seen before.
I present you in extracts the text of the historical groups that are on the webside of the Peter & Paul festival.
Anyone interested in contacting the groups, just have a look on it.
http://www.peter-und-paul.de/Gruppen-der-VAB.13.0.html
I hope that the groups are not angry,  because i’ve quoted the german text here in my report.
Please see it as an advertisement for your great groups and work.
All the groups are very authentically.
With a famous exception, I still have to remark also here:
Please, maybe you will buy contact lenses in the near future. It's really not that bad. Because these modern glasses that simply spoil a medieval or early modern representation, are heavy to bear.
Your costumes are so great. All sorts of details can be found.
But as usual on medieval markets in Germany, I unfortunately discovered too many "nose wheels".
Tanderadei hear, hear ... you can’t do that !!! No.
PLEASE PLEASE change it.
Because otherwise you have convinced me completely.
The images that I’m embedding  now in the maintext did not always represent the group that I describe in the chapter.
There are too many different groups at the start. But I hope that you  will like the pictures.
Bold and in capitals the names of the different groups.
As special guests from England this year the Free Company (Brighton).
Have fun with the pictures.