Dienstag, 25. Mai 2010











Anbei noch zwei Bilder der Außenmauern sowie Impressionen aus dem Hahnenbachtal.














Nachfolgend der Bergfried der Unterburg aus verschiedenen Perspektiven. Er war ursprünglich natürlich viel höher. Beindruckt aber auch so immer noch. Da auf der Burg auch eine Campingmöglichkeit besteht hat die "Burgverwaltung" hier ein paar Räumlichkeiten eingerichtet, wo verwaltende Tätigkeiten ausgeübt werden.









Der Übergang von der Oberburg zur Unterburg.




Ein Übergang, der auf mehreren Steinbögen ruht und den oberen Burggraben überbrückt. Sicht von der Oberburg zur Unterburg sowie die Sicht aus umgekehrter Richtung.










Hier sieht man einige Aufnahmen von der Burg. Zunächst Bilder von der Oberburg:



Aufgang zur Oberburg mit Blick auf die Grundmauern des Wohnhauses (im Bild rechts). Der Palas der Oberburg: Außenansicht und Innenansicht.






Neben den Filmen habe ich auch noch jede Menge Photos geschossen. Zunächst ein paar Impressionen der Burg aus der Ferne.
Die Photos habe ich von den beiden Hügeln aus aufgenommen, die das Hahnenbachtal umfassen. Die Burg liegt auf einer Erhebung in der Mitte.






Sonntag, 23. Mai 2010

Na und weiter geht es mit zwei Filmchen von meinem Tripp. Hier seht Ihr schon mal etwas vom Hahnenbachtal und der Schmidtburg.
Viel Spaß.


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Freitag, 21. Mai 2010

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Heute habe ich meinen freien Tag damit verbracht auf den Spuren des Schinderhannes zu wandeln. Ich habe die Schmidtburg, die heute zur Ortsgemeinde Schneppenbach im Hunsrück gehört, besucht. Auf dieser Burg, ca. 15 km von Kirn an der Nahe entfernt, hauste um das Jahr 1800 Johannes Bückler, genannt der Schinderhannes. Die Burg ist nur noch eine Ruine. Endgültig geschleift wurde sie im Jahr 1688 während des pfälzischen Erbfolgekrieges. Bis 1792 hatten sich aber noch zumindest ein Haus, wohl auch noch ein paar Wirtschaftgebäude, auf der Anlage erhalten, denn es ist überliefert, dass der Trierer Amtmann Christoph Diel in diesem Jahr die Burg vor den französischen Revolutionssoldaten fluchtartig verließ. Dessen Frau starb 1798 auf der Burg.


„Na, wen haben wir denn da“, sagte der Scheele, während er sich zu seinen beiden Kumpanen umdrehte. „Wenn uns da mal nicht einer belauscht hat.“ Drohend baute er sich vor dem jungen Mann auf, der ruhig und abwartend den drei Räubern ins Gesicht blickte. „Habt Ihr den schon mal gesehen ?“, fragte der Scheele den Zimmerer und Schulz. Beide musterten den Kerl, schüttelten aber nach kurzer Zeit verneinend den Kopf. „ Nee, wenn ich den schon mal gesehen hätte, könnte ich mich sicherlich dran erinnern“, meinte der Zimmerer. „Wirkt doch schon ziemlich hochnäsig und arrogant für sein Alter. Meint Ihr nicht auch ? Na und so ein Vogel wäre uns doch sicherlich schon mal auf den Festen hier in die Quere gekommen.“ „Recht hast Du“, antwortete Schulz lachend. „Mit dem hät es bestimmt schon Händel gegeben. Na aber das hilft uns ja jetzt auch nichts weiter. Sag mal, Bursch, wer bist Du und wo kommst Du her ?“, fragte Schulz und richtete sich dabei an den jungen Mann. Dieser blieb allerdings weiterhin stumm. Auch nachdem der Scheele nunmehr begann an dem Gefangenen zu zerren und ihm leichte Stöße zu versetzen, gelang es den Dreien nicht, etwas aus ihm herauszulocken.
„Hmh,“ meinte Schulz, nachdem die Behandlung des Gefangenen noch ein paar Minuten in dieser Weise durchgeführt worden war, aber keine Ergebnisse erzielt hatte. „ So kommen wir hier wirklich nicht weiter. Ich denke es ist besser, wir bringen den Kerl zum Hauptmann.“ „Gute Idee antwortete der Zimmerer. Da wir aber hier auf Posten stehen, muss das ein anderer machen. Ich rufe mal die drei Jakobiner, die da drüben an der Hauswand lehnen. Die schauen ja eh schon hier herüber. Das können die erledigen.“
Gesagt, getan. Der Zimmerer ging auf die Gruppe Männer zu, die vor einigen Minuten vorbeigekommen war, und sich den Vorgang aus der Ferne betrachtet hatte. Auch wenn der Zimmerer dieser Gruppe der Räuberbande auch skeptisch gegenüberstand, so waren sie doch Kameraden. Was ihn – und auch seine Kumpane – an diesen Leuten störte, war das fanatische Gehabe. Alle stellten ihre Gesinnung zur Schau, in dem sie diese Jakobinermützen trugen, sich gern militärisch gaben, und sich mit Waffen ausstatteten, die hier in der Wildnis eher hinderlich waren. Fast ein jeder hatte einen Säbel umhängen, trug auffällige Schärpen um den Leib gewickelt, und gab sich großspurig. Sie bildeten einen geschlossenen Zirkel in der Räuberbande und der Zimmerer war sich nicht sicher, ob das auf Dauer gut gehen würde.
Als er die Gruppe erreichte, sprach er einen der Männer an, den er näher kannte. „Grüß Dich Seibert. Du musst mir einen Gefallen tun.“ Der so Angesprochene ging drauf gar nicht ein, sondern antwortete vielmehr: „Ach der Zimmerer. Ich dachte schon, was passiert da unten, als ich dieses Gerangel sah. Na jetzt wundert mich gar nichts mehr. Seid ihr Euch wieder einmal untereinander am Raufen, weil ihr denkt, das wäre die richtige Vorbereitung für unsere Raubzüge ?“ Die beiden anderen Männer begannen zu lachen, und der Zimmerer, obwohl er merkte, dass sein Blutdruck stieg, versuchte ruhig zu antworten „Komm Seibert, lass die Sticheleien. Die können wir gerne wieder ein anderes Mal aufgreifen. Na und dann können wir ja mal sehen, wer hier die bessere Vorbereitung hat. Aber dafür haben wir jetzt keine Zeit. Wir haben da unten einen jungen Kerl gefangen genommen, der sich im Gebüsch versteckt hatte. Keine Ahnung, ob er versucht hat uns zu belauschen, oder ob er sich da einfach verirrt hat. Ist ein ziemlich sturer Brocken, na und wir konnten ihm bisher keinen einzigen Laut entlocken. Ich denke es ist besser, wir bringen ihn zum Hauptmann. Der weiß in solchen Fällen eigentlich immer, was zu tun ist. Nun haben wir hier aber Wache zu halten, na und deshalb musst Du mir eben diesen Gefallen tun. Bring ihn doch mit Deinen Männern runter zur Ruine. Wir können hier nicht weg.“
Seibert, der aufmerksam zugehört hatte, merkte, dass nun wirklich kein Platz für das übliche Geplänkel unter den Männern war. Die Sache, das erkannte auch er, war wichtig für die Gruppe. Wenn sich einer wagte eine Räuberbande anzuschleichen, dann musste eine solche Person entweder lebensmüde oder sehr mutig sein. Na und das sollten ruhig einmal die Kommandeure raus bekommen, schoss es Seibert durch den Kopf. Die saßen ja in ihrem warmen Haus, oder lagen mit den Weibern in den Federn, während man selbst sich hier den Arsch abfror und patroullieren sollte. Man war doch nicht im Krieg!
„Natürlich machen wir das, Zimmerer,“ sagte Seibert. „Sachs, Knapp, kommt mit. Wir übernehmen dann den Kerl. Wir müssen uns ja nicht wegen allem streiten. Na und das hier scheint mir ja wirklich einmal wichtig zu sein. Komisch das Ganze.“
Die Gruppe begann sich nun in Bewegung zu setzen, und als sie zu dem Gefangenen kamen, ließ Seibert einen überraschten Pfiff ertönen. „Na, was ist das denn ?“, sagte er zu den anderen Männern. „Der hat ja eine Jakobinermütze auf. Wollte uns da einer imitieren oder ist es Überzeugung ? Aber kennen tue ich den Burschen nicht. Das ist auch keiner von unseren Leuten aus Mainz oder von der anderen Rheinseite. Der war ja noch viel zu jung, als wir uns aus der belagerten Stadt damals absetzten.“ „Der Scheele“ begann wieder die Augen zu rollen. „Komm Seibert,“ begann er, „nicht schon wieder die alten Geschichten. Ich kann sie nicht mehr hören.“ Seibert grinste nur, schaute den Zimmerer an, und sagte. „Alles klar. Ich übernehm den jetzt. Sei froh, dass wir uns eben schon geeinigt hatten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir uns nie richtig verstehen werden. Aber in diesem Fall hier müssen wir einfach zusammenhalten. Sachs, gib mir doch mal den Strick, den Du immer bei Dir hast.“ Als Seibert von seinem Kumpan den Strick zugeworfen bekam, wurde der Gefangene doch unruhig. Er versuchte sich von dem Scheelen loszureißen, doch der hatte den Jüngling mit seiner eisernen Faust umschlossen, na und da war nichts zu machen. Seibert ging auf den jungen Mann zu, und sprach beruhigend auf ihn ein. „Komm Jüngelchen. Noch hängen wir Dich nicht auf. Ich will Dir nur die Hände binden, denn den Rest können unsere Hauptleute erledigen. Dafür sind sie doch da.“ Seibert riss die Hände des jungen Mann nach vorn und legte ihn in kürzester Zeit in Fesseln. Seinen Widerstand hatte der Gefangene auch schon aufgegeben, nachdem er erkannt hatte, dass es ihm nicht an den Kragen gehen sollte. Zudem war es ihm auch klar, dass er gegen sechs Männer keine Chance hatte.
Als der nunmehr sicher Gefesselte im Kreis der Männer stand, befahl Seibert seinen Männern die Waffen zu ziehen. „Wenn er flüchten sollte, versucht ihn erstmal niederzuschlagen. Nicht direkt schießen. Wir brauchen ihn lebend, denn wer weiß, was er für Informationen bei sich hat.“ Sachs und Knapp nickten zustimmend, machten ihre Waffen fertig, nahmen den Jüngling in ihre Mitte und setzten sich in Bewegung.
Seibert nickte nochmals den drei anderen zu, die der abziehenden Truppe nochmals kurz hinterherblickten.

Anbei das Bild von Seibert (Pistole), Sachs (Säbel) und Knapp (Gewehr), die ihren Gefangenen zu den Hauptleuten eskortieren.

Donnerstag, 29. April 2010


Vom erhöhten Gelände der Oberburg aus blickten die Wachen herab ins Tal. An diesem Ende der Burg waren drei Männer aufgestellt, die sich in Rufweite voneinander befanden. Der „Zimmerer“, wie er von den Bandenmitgliedern genannt wurde, guckte angestrengt in die Dunkelheit. Na so hatte er sich das Räuberleben ja auch nicht vorgestellt. Ja gut; es gab natürlich Vorteile. Morgen krähte kein Hahn danach, was er tagsüber machen würde. Das Essen war besser als in vielen Monaten, wo er sich auf der Walz befunden hatte, denn nicht überall wurden Zimmerleute gebraucht.. Vor zwei Jahren hatte er seine Wanderschaft im Norden Deutschlands begonnen, und vor einem halben Jahr hatte es Ihn in diese Gegend verschlagen. Hier in dieser Landschaft war es besonders schwer für einen Fremdgeschriebenen Arbeit zu finden. War doch die Gegend berühmt durch seine Wälder, und jeder Zweite wusste mit Holz umzugehen.
In Kirn war es, wo er abends in der Gastwirtschaft saß, und von zwei Männern in ein Gespräch verwickelt wurde. Interessant war es; als er die beiden Männer erzählen hörte. Sie sprachen von Freiheit, von Müßiggang, Geld und Weibern. Na und beim dritten oder vierten Schoppen Wein mischte er sich in das Gespräch ein. „Ja Leute, wenn das alles so einfach und schön wäre; dann wäre ich natürlich gerne mit von der Partie“. Die anderen lachten daraufhin, klopften ihm auf die Schulter und begannen zu erzählen. Das war jetzt schon ein paar Wochen her, und im Großen und Ganzen hatten die beiden Spießgesellen, die jetzt auch an dieser Seite der Burg mit ihm Wache hielten, auch Recht gehabt. Nur diese Nächte auf Wache konnten dem „Zimmerer“ nicht wirklich gefallen.
Plötzlich vernahm er hinter sich Geräusche. Als er sich umdrehte sah er, wie die beiden anderen Posten auf ihn zukamen. „Und …, was sagst Du zu unserem Fang?“, begann der eine das Gespräch. „Welchen Fang meinst Du denn ?“, fragte der so angesprochene. „Na, das ist ja wieder klar“, erwiderte Georg Friedrich Schulz, der auch „der schlechte Freier“ genannt wurde „hast Du Dich wieder den ganzen Abend mit Deiner Liebsten im Heu herumgetrieben, oder was. Na manchmal frage ich mich wirklich, ob es richtig war, so einen Weiberhelden wie Dich in Kirn anzusprechen. Na und was das Schönste ist. Dann fangen wir mal einen ganzen Stall von Weibsleuten, und Du bekommst nichts mit …“ Schulz und sein Kumpan der „scheele Franz“ brachen in ein lautes Gelächter aus, während der „Zimmerer“ ziemlich verwirrt aus der Wäsche guckte. „Von was zum Teufel redet Ihr eigentlich. Stall von Weibern ??“ Der „scheele Franz“ verdrehte seine Augen noch mehr, als er das schon im Normalfall tat, breitete die Arme weit aus, und sagte: „ Na dann werden wir Dir altem Fischkopf jetzt mal ganz langsam erzählen, was da passiert ist“, begann er in seiner theatralischsten Art, wohl wissend, dass er den norddeutschen „Zimmerer“ damit ärgern konnte. Schulz merkte sofort, wie beim „Zimmerer“ die Zornesröte ins Gesicht stieg, und um Ärger zu vermeiden, griff er in das Gespräch ein. „Jetzt ist aber mal gut Scheeler. Ich will’s Dir erklären Zimmerer.
Gestern waren doch wieder die Meenzer unterwegs. Du weißt unsere Kameraden, die sich ja gerne selbst die Jakobiner, die Bringer der Freiheit, bla, bla, bla nennen. Na jedenfalls waren sie gestern unten im Tal, um zu sehen was auf der Hauptstraß nach Kreuznach denn so los sei. Außerdem hatten sie vom Schinderhannes den Auftrag die neue Wagenladung Särge am Wolfersweier in Empfang zu nehmen. Ihr wisst, der Transport unserer Schmuggelware inklusive der Waffen funktioniert ja richtig gut in diesen Dingern. Ist doch ein Großteil der Menschen hier viel zu fromm, um böses dahinter zu vermuten.
Na jedenfalls kommen sie auf den Hof und sehen wie eine Kutsche in rasender Fahrt losrast, die Türen noch offen, so dass sie hektisch hin und her schlagen.
Der Kutscher hatte uns wohl kommen sehen und sich für die Flucht entschieden. Seine Fahrgäste und das Gepäck, das neu verstaut werden sollte und noch im Hof des Gebäudes aufgeschichtet war, ließ er gerade hinter sich. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie unsere Leute geguckt haben. Vier Weibsbilder standen da, völlig entsetzt dreinblickend. Zwei richtig schöne, junge Dinger und zwei Mägde. Dazu noch der bißchen doof dreinschauende Kutschergehilfe, den der Fahrer ebenfalls zurückließ. Na zuerst wurden dann mal die Personen von unseren Männern in Schach gehalten. Ein Warnschuß bewirkte natürlich Wunder; nun gut; die Schweine nahmen Reißaus. Aber die überraschte Reisegruppe versprach hoch und heilig die Ruhe zu bewahren. Die Einzige, die ganz ruhig blieb und weiter an ihren Strümpfen strickte, war die alte Marie vom Hof da unten.
Na jedenfalls machten sich unsere Leute an die Kisten und Kästen, die da rumlagen. Ja und was fanden sie? Theaterzeug ! Hüte für Männer und Frauen – alle in diesem neumodischen italienischen Stil; einfach aber schick – wir tragen sie ja selbst seit heute morgen, oder was denkst Du woher die Dinger kommen, die wir jetzt auf dem Kopf haben ?? Besser als unsere alten Schlapphüte sind sie ja schon. Dann noch Bücher, Kostüme, Kleider und weiß Gott noch für einen Schnickschnack, den diese Leute brauchen.
Na und jetzt haltet Euch fest. Die eine Dame ist eine Schauspielerin – wie hat sie geflüstert, als sie unseren Hauptmann sah „ ... der echte Rinaldini ...“ – die andere eine Tänzerin. Na und wo kommen sie her ??? Jawohl aus der Hauptstadt, aus Paris. Die Tänzerin heißt Cäcilia Vestris und war auf dem Weg zum Präfekten nach Mainz, um vor ihm zu tanzen. Na mal gucken, was der Schinderhannes für ein Tänzchen mit Ihr veranstalten wird.“
„Und was soll das jetzt mit diesem Rin-Rin-Rinal ... was hast Du da gesagt ...“, fragte der Zimmerer nach. „Rinaldini“, antwortete Schulz. „Ich hatte ja auch noch nie davon gehört, aber da gibt es doch wirklich so einen Kerl irgendwo im thüringischen, der hat Geschichten über einen Räuberhauptmann erfunden; irgendwo in Italien. In Italien !! Dabei leben sie doch vor seiner Haustür.“
Nun mussten sich alle drei erst einmal vor Lachen schütteln, und als sie sich beruhigt hatten, erzählte Schulz weiter. „Na jedenfalls hat diese Schauspielerin, die zwar in Paris wohnte, allerdings auch aus Thüringen stammte, das Buch irgendwie bekommen. Da gibt es Verbindungen zwischen diesen Künstlern, von denen können wir wirklich nur träumen. So ..., und jetzt haltet Euch fest. Jedenfalls konnte unsere Schauspielerin die Frau des Ersten Konsuls, die sich ja gerne mit Künstlern umgibt, davon überzeugen, das Stück in Mainz vorführen zu können. Würde es dort gefallen, dann würde man an eine Übersetzung denken und es vielleicht in der Hauptstadt selbst vorführen.“
„Das scheinen ja wirklich wichtige Personen sein, die uns da gebracht wurden und gesungen haben sie ja wie die Vögel scheint es mir, sonst könntest Du ja nicht alles wissen...“, meinte der Zimmerer. „Na Du kennst doch unseren Hauptmann“, sagte der „Scheele“, der den Erzählungen bisher auch aufmerksam zugehört hatte. „Wenn der aus Frauen nicht rausbekommt, wer dann?“
Plötzlich hielten die drei Männer inne, und wirbelten herum. „Habt Ihr das auch gehört“, flüsterte der „Zimmerer“. „Ja“, antwortete Schulz. „Irgendwas bewegt sich da. Lasst uns ausschwärmen. Du Zimmerer nach links, Du Scheeler nach rechts.“
So schwärmten die drei vorsichtig auseinander, bis auf einmal der Scheele nach vorne sprang und etwas aus dem Gebüsch zerrte.
„Immer mit der Ruhe, immer mit der Ruhe“, sagte er zu dem zappelnden Etwas, das an seinem ausgestreckten Arm hing, doch es gab nicht Ruhe, bis, ja bis ein gezielter Fausthieb Ruhe einkehren ließ.
Nach einiger Zeit rappelte sich der junge Mann, denn um einen solchen handelte es sich, auf und stellte sich aufsässig vor die Räuber...

Ein Bild des Gefangenen

Montag, 26. April 2010


Der angenehme Duft würziger Nadelhölzer, die im offenen Kaminfeuer glimmten, erfüllte den Raum. Johannes Bückler hatte es sich bequem gemacht. Die Nächte in diesem Spätapril konnten noch richtig kalt werden, waren aber nicht vergleichbar mit den harten Wintermonaten, die jetzt hinter einem lagen.
Er hatte es sich, einen Becher Wein in der rechten Hand, auf einem Teppich, der vor dem Kamin ausgebreitet war, bequem gemacht. Neben ihm lag seine neue Geliebte, Jule Blasius. Diese hatte er erst vor kurzem auf dem Wickenhof bei Kirn kennengelernt, war sie doch die Schwester der in der Gegend bekannten Musikantin Margarethe Bläsius Hier waren sich die beiden vor ein paar Wochen das erste Mal begegnet. Bückler gab sich zunächst als Krämer aus, denn er wusste nicht, wie das junge Mädchen reagieren würde, wenn er seine wahre Identität preisgeben würde.
Lebemann, der er war, wollte er nicht von Beginn an seine Chancen leichtfertig aufs Spiel setzen. Er liebte es mit Menschen zu spielen, liebte es seine Grenzen zu testen, diese zu überschreiten, immer auf der Suche nach der Lust, die ihm bisher versagt geblieben war.
Was hatte das Leben einem armen Sohn eines Deserteurs und einer Diebin schon zu bieten? Bereits als kleines Kind war er gezwungen allzeit sein geschnürtes Bündel an der Seite zu haben, wenn man mal wieder eine Ortschaft verlassen musste. Am wohlsten hatte er sich eigentlich im Feldlager gefühlt, als er und seine Mutter im Troß der österreichischen Armee durch Mähren zogen. Hier hatte man wenigstens regelmäßiges Essen. Doch dieses schöne Leben hatte nach 5 Jahren ein jähes Ende, als der Vater sich entschied gemeinsam mit seiner Familie zu flüchten. Geschickt vorbereitet hatte der alte Bückler diese Tat; und während er daran dachte, musste Bückler leicht lächeln.
Die Kompanie war wieder einmal im böhmisch-mährischen Grenzgebiet unterwegs, und der alte Bückler hatte von seinem Unteroffizier, Sattler hieß er, soweit sich der Schinderhannes erinnern konnte, erfahren, wohin demnächst die Reise ginge.
Schon vor Monaten hatte Sattler damit begonnen ein Auge auf Bücklers Frau zu werfen. Er konnte nicht verstehen, wie ein solcher Tunichtgut an ein solches Weibsbild kommen konnte. Die Gelegenheit war ja gut. Vielleicht, so dachte der Unteroffizier, ziehen wir ja demnächst in eine Schlacht. Man hörte da was aus Frankreich. Na und in einer solchen Schlacht würde es bestimmt Verluste geben, bzw. man konnte ja welche herbeiführen. Na und dann war es doch logisch, dass sich irgendjemand um eine trauernde Witwe kümmern musste; und wer konnte das besser, als ein Unteroffizier der Armee Habsburgs.
Der alte Bückler wusste natürlich von den Vorlieben seines Unteroffiziers und hatte seine Frau ins Vertrauen gezogen. Diese lächelte nur, und meinte, „das kann zu einem richtigen Vorteil für uns werden. Lass mich ihm ein paar schöne Augen machen, und wir kriegen alles raus, was wir wissen müssen.“ Gesagt getan, und so kam es, dass bald schon der Fluchtplan feststand. Als die Kompanie einen Grenzort passierte, der direkt am Fluß March lag, blieb die Frau des alten Bücklers mit Ihrem Kind zurück. Schon Tage zuvor hatte sie Sattler erzählt, wie tragisch es wäre den beschwerlichen Weg mit einem kränkelnden Kind zurückzulegen. Der Unteroffizier hatte daraufhin gemeint, sie solle doch mit dem Kind im nächsten Ort bleiben, da die Kompanie in 14 Tagen auf dem Rückweg wieder an der gleichen Stelle vorbeikommen würde. Dann sei das Kind doch sicherlich gesund.
Das hatte sie ihrem Mann erzählt und Bückler wusste genau, was zu tun war: Er sagte seiner Frau er würde nach ungefähr 2 Tagen die Kompanie des Nachts verlassen und zu Ihnen stoßen. Gesagt getan. Mitten in der Nacht als die Gelegenheit günstig war, entfernte er sich von der Truppe, schnappte sich Frau und Kind und floh bis er wieder wohlbehalten im heimatlichen Hunsrück ankam. Dort blieb man dann auch erst einmal.
Hier lernte der Sohn, eben Johannes Bückler, als die Zeit da war, das Handwerk des Abdeckers, eben des Schinders, und seit diesen Tagen war er als der Schinderhannes bekannt.
Bückler nahm einen tiefen Schluck aus seinem Pokal, als er die Vergangenheit an sich vorbeiziehen ließ.
Jetzt allerdings war er in der Gegenwart und Jule lag neben ihm. Eine Frau, wie er sie sich immer vorgestellt hatte. Spätestens als sie nach dem Tanz auf die Schmidtburg zuritten, konnte sie ahnen, was sie da für einen Mann an seiner Seite hatte. „Angst ??“, hatte Hannes sie gefragt. „Vor was, oder vor wem ?“, hatte sie ihm geantwortet, und ihm mit einem Lächeln klar gemacht, dass sie das wirklich dachte, was sie sagte. Seit diesem Abend waren sie Gefährten, und seit diesem Abend gehörte sie, aber auch ihre Schwester, die mit Dahlheimer, einem Mitglied seiner Bande sich Tisch und Lager teilte, zur Schinderhannesbande.
Die Schmidtburg, auf der sie sich befanden, war ein ideales Versteck. Halb verfallen lag sie in einem engen Seitental des Hahnenbachtals. Auf der Oberburg hatte früher der kurtrierische Amtmann seinen Sitz gehabt. Obwohl die Unterburg schon in alten Zeiten verfallen war, und die Franzosein im pfälzischen Erbfolgekrieg auch nicht mehr viel von der Oberburg übriggelassen hatten, verblieben den Amtmännern doch noch ein Wohnhaus und ein Wirtschaftgebäude auf der Burganlage.
Hier war es, wo der Trierer Amtmann vor den vorrückenden Franzosen abgerückt war, und seitdem war die Burg gänzlich verwaist, bis, ja bis, sich der Schinderhannes hier niederließ.
Hoch auf einem Bergrücken lag die Ruine und die neu aufgestellten Wachen der Bande konnten von allen Ecken das Tal kontrollieren. Ungebetene Gäste würden direkt auffallen.
...

Anbei ein Bild der Wachen.

Als Socud in Mainz ankam, erwarteten ihn bereits die Präfekten der linksrheinischen Departements. Socud hatte bei seiner Abreise aus Paris Depeschenreiter in die Hauptstädte, nach Koblenz, Mainz und Trier schicken lassen. In diesem Schreiben waren die Präfekten aufgefordert worden sich ohne Umschweife in Mainz im Osteiner Hof einzufinden. Joseph Bexon d'Ormschwiller hatte die weiteste Anreise, Jeanbon de St. Andre die kürzeste. Ersterer hatte sogar freiwillig den Umweg über Koblenz gewählt, um mit seinem Amtskollegen Philippe Boucqueau zu reisen. War ihm doch der Weg über den Hunsrück einfach zu gefährlich. Die dort marodierenden Räuber stellten eine ernste Gefahr da.
Als Socud den Osteiner Hof betrat wurde er von einem Amtsdiener in Empfang genommen, und in den Festsaal geführt, der sich in dem rund vorspringenden Mittelrisaliten befand, dessen Balkon einen herrlichen Blick auf den direkt davor liegenden Platz und die ihn umgebenden Barockhäuser freigab. Aber für so etwas hatte Socud keinen Blick. Selbstbewußt betrat er den Raum, schaute in die Runde und ergriff sofort das Wort, ohne dass einer der Präfekten auch nur den Hauch einer Chance hatte, ihn zu begrüßen.
„Ich will es kurz machen“, begann er, „ ich bin zu einem bestimmten Zweck hier; und dieser bestimmte Zweck ist nunmehr Ruhe in diese Region zu bringen. Was bitte meine Herrn soll das mit diesen Wegelagerern und Räubern, denen sie nicht einmal wagen die Stirn zu bieten ? Sind Sie die Repräsentanten der Republik ? Haben Sie nicht die polizeiliche Gewalt in Ihren Händen ? Haben Sie nicht die Mittel Maßnahmen zu treffen? Mir scheint es nicht. Vielmehr musste ich sogar hören ...“, und dabei sah Socud D’Ormschwiller an, „dass selbst ein Repräsentant der französischen Republik einen Umweg nehmen musste, weil er sich vor diesen Räubern fürchtet!“ Der Präfekt aus Trier schaute betraten nach unten, aber auch seine beiden Kollegen entschieden sich besser zu schweigen. Denn wenn Socud sogar dass schon wußte, wer weiß, was ihm sonst noch nähergebracht worden war.
„Nun denn“, setzte Socud wieder ein, „dem wollen wir ein Ende setzen, und am Anfang werden wir Maßnahmen treffen, die vielleicht unpopulär wirken werden. Aber dies ist mir egal. Wir müssen die Segnungen, die Gedanken und das Recht der französischen Republik auch in diesen Landesteil Frankreichs hinein tragen, und alle, die uns dabei im Wege stehen müssen bekämpft werden. Vor allem dieser Bückler ... Erzählen Sie mir bitte mehr über diesen Herrn“, wandte sich Socud an die Präfekten. „Ich liebe es meine Feinde zu kennen.“
In den anschließenden Stunden erfuhr Socud sehr viel. Viele Gerüchte, aber auch viele Tatsachen, viele Geschichten, viele Anekdoten, aber langsam stieg in ihm ein Bild auf von dem Mann, der sich benahm, als ob ihm die Welt gehöre. Als ob er der Nachfolger der Kurfürsten in diesem Gebiet sei. Als ob er das Recht neu definieren könne. Er, Johannes Bückler, den seine Kumpane den Schinderhannes nannten.
Am Ende der Sitzung diktierte Socud einen Befehl, der nunmehr in allen Departements veröffentlicht wurde. Laut diesem Befehl sollten Bürgerwachen errichtet werden, Diese sollten Streifzüge durchführen „um die Straßenräuber zu schrecken und auszurotten. Von allen Seiten angegriffen, verjagt aus einem Schlupfwinkel in den anderen, vertrieben aus einem Canton in den anderen, überall und ohne Unterlaß verfolgt und nirgends sicher, dem nachspürenden Auge der bürgerlichen und Militairepolicey zu entgehen, werden sie bald von selbst den Boden der Republik von ihrer verhaßten Gegenwart reinigen.“ (zitiert bei Scheibe, a.a.O.)
Besonders auf den letzten Satz war Socud sehr stolz, zeigte er doch seine tiefsten inneren Gefühle.


Hier das Bild einer solchen Bürgerwache.

Verzweifelt war er, der Regierungskommissar für die linksrheinischen Gebiete, Marquis, so verzweifelt, dass er am 17. Germinal des Jahres VII. seiner Verzweiflung freien Lauf ließ. Er faßte sich ein Herz und schrieb an seinen Vorgesetzten den französischen Justizminister Lambrecht. Um den Räubereien und der Gesetzlosigkeit Herr zu werden forderte er den Aufbau einer Geheimpolizei.
Im Department Donnersberg erließ man sogar einen Aufruf: "Verschiedene Berichte geben uns die Gewißheit, daß sich in mehreren Teilen des Departements Räuberbanden befinden, und daß sich dieselben nicht nur damit begnügen, Brandbriefe einzuwerfen, sondern daß sie schon wirklich in den Zuchtpolizey-Gerichtsbezirken von Zweybrücken und Kaiserslautern Feuer angelegt haben, wodurch einige Häuser verzehrt worden sind. Das Wohl unsrer Verwalteten, ihre Ruhe, die Sicherheit ihrer Personen und ihres Eigenthums sind für uns zu kostbare Pflichten, als das wir nicht alles, was in unsrer Gewalt ist, anwenden wollen, um diese Plage der Verwüstung in der Geburt zu ersticken, seine Verbreitung zu verhindern, und jene meuschelmörderischen Horden, welche Verstörung, Schrecken und Tod in den Seelen der friedlichen und arbeitssamen Landbewohner bringen, auszurotten."
Ja, Maßnahmen mußten ergriffen werden. Aber was die Donnersberger und selbst Maquis nicht wußten war, dass Paris bereits reagiert hatte: Der Geheimagent war unterwegs, auch wenn sein Name der Geschichte verdeckt blieb (soweit die Geschichte; alles nachzulesen bei Scheibe, Schinderhannes S. 100 f. ).
Der Geschichte ... aber nicht meiner Geschichte.
Es war am späten Nachmittag des 20. Juli 1799, als Pierre Socud in das Polizeipräsidium in Paris bestellt wurde. Socud wußte nicht genau, warum er dorthin beordert wurde. Aber selbstsicher wie er war, schritt er eiligen Schrittes seinem wichtigen Termin entgegen. Er hatte Gerüchte gehört, dass er dem neuen Polizeiminister Fouche vorgestellt werden sollte. Dies hatte ihm sein Vorgesetzter noch missmutig nachgerufen. Doch an diesen Neid war er gewohnt. Immerhin hatte er mit seinen 29 Jahren schon einiges erreicht. Die Revolution hatte ihn vom Land in die Hauptstadt geschwemmt; dort hatte er sich schnell durch die schnelle Bekämpfung jedweder Feinde der Republik einen Namen gemacht. Die Effektivität, die er dabei an den Tag legte, und von deren genaueren Umständen eigentlich niemand genaueres wissen wollte, hatte ihn alles überleben lassen. Die kritischen Anfänge der Revolution, genau wie die Zeiten des Jakobinerterrors und jetzt auch die des Direktoriums. In der letzten Zeit war es allerdings ruhiger geworden, und Socud fühlte sich gelangweilt.
Fouche stand vor einem großen Schreibtisch in einem prachtvollen roten Rock mit einer großen weißen Schärpe. Als Socud den Raum betrat drehte er sich um. "Sie sind also dieser effektive Mann, von dem mir schon soviel erzählt wurde", eröffnete Fouche das Gespräch. " Nehmen sie doch Platz und erzählen sie mir etwas über sich".
Socud fand Fouche sympatisch und er merkte, dass er diesen Mann als Vorgesetzten akzeptieren könnte. Fouche strömte Macht aus. Macht wie Socud sie liebte. Macht, die im Verborgenen wirkte, die Menschen erzittern ließ, die dunkel, mystisch und plötzlich aus dem Nichts hervortreten konnte. Nicht diese plumpe Macht des Militärs, das er insgeheim verabscheute.
Nachdem er dem Minister seine Geschichte erzählt hatte, nickte Fouche bestätigend mit dem Kopf.
"Ich denke Sie sind der Richtige", begann er, "und ich werde ihnen jetzt erzählen, wo ihr nächster Auftragsort liegt." Fouche drehte sich zu seinem Schreibtisch und der etwas kurzsichtige Socud sah, dass dort eine Karte lag. Eine Karte der neuen Departments im Osten, der Departements am Rhein und in diese Karte waren kleine rote Fahnen gesteckt, die sich an Nadeln befanden. Diese roten Fahnen waren an der Moselmündung und etwas weiter westlich am stärksten. Socud las Namen, von denen er bisher noch nie etwas gehört hatte. Bingen, Simmern, Bad Kreuznach, Kirn, Idar Oberstein, ja und Mainz, dass er schon kannte.
Nachdem Fouche geendet hatte, wußte Pierre Socud, was zu tun war. Er lächelte als er die Treppe am Polizeipalast herunterschritt und die letzten Worte von Fouche klangen noch wohltuend in seinem Ohr:
"Sie haben mit diesen Papieren, die ich ihnen mitgebe, alle Freiheiten. Ich betone: Alle Freiheiten. Nutzen sie sie."
Und eines wußte Socud. Er würde sie nutzen. In seiner ganz speziellen Art. Lächelnd zückte er seinen Notizblock und schrieb einen Namen hinein: Bückler.

Donnerstag, 22. April 2010



Anbei seht Ihr meine Figuren für ein Spielprojekt. Es handelt sich um ein fiktives Schinderhannes Szenario, das Ende des 18., Beginn des 19. Jahrhunderts im linksrheinischen Deutschland spielt, eben in der Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks.
Das typische Hunsrückhaus stammt aus der Werkstatt von Jens Najewitz www.lasermodellbau.de , dem ich sehr zu Dank verpflichtet bin, da er mein Projekt mit seinem handwerklichen Geschick perfekt unterstützt. Ohne ihn hätte ich auf langweilige Standardhäuser zurückgreifen müssen.
Die verwendeten Figuren sind von Foundry, Dixon und zwei Damen von Conquest.