Sonntag, 25. November 2018

Dioramica 2018 - Teil 2: Die Details


In meinem ersten Bericht über die diesjährige Dioramica hatte ich ja schon angedeutet, dass etwas folgen wird.
Wörtlich habe ich ja geschrieben, dass ich Ihnen die „Veranstaltung als solche“ in einem umfassenderen Bericht vorstellen möchte.
Dieser, der vorliegende, Bericht wird jetzt vielleicht anders ausfallen, als Sie das erwartet haben.
Den eigentlichen Überblick hatten Sie nämlich schon im letzten Artikel, denn die „Hauptdioramen“ konnten Sie da ja schon im Bild sehen.
Ich möchte mich heute aber bewusst den „kleineren“ bzw. spezielleren Sachen widmen, die in Hann.-Münden zu sehen waren.

Sie kennen sicherlich alle den Spruch, so manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Ich möchte das einfach einmal umkehren und sie fragen, geht es Ihnen nicht auch oftmals so, dass sie zwar das Große Ganze, aber eben nicht die Details, die kleineren Dingen wahrnehmen? Sie sehen den Wald, aber aus welchen Bäumen ist er denn zusammengesetzt? Wie ist das Unterholz? Wie die Wiesen, der Boden?
Ich denke wir können uns alle nicht davon frei machen, dass wir tatsächlich nicht immer darauf achten.
Wir bewegen uns zwar mit offenen Augen durch die Welt, aber Details wahrzunehmen, ist oftmals schwierig.
Das liegt an mehreren Faktoren.







Da ist zum einen sicherlich die nicht zu leugnende Präsenz „großer Dinge“. Wenn man in Hann.-Münden den Ausstellungsraum der Großdioramen betritt, ist man erst einmal überwältigt.
Ich kenne niemanden, dem das nicht so geht.
Als Betrachter muss man dann aber genau dieser „Überwältigung“ standhalten, sich gegen sie aufbäumen, um das kleine, die Details zu sehen. Man muss sich richtig zwingen genau zu schauen.
Das tolle hinsichtlich Großdioramen ist dann, dass der Betrachter die Landschaft immer wieder aufs neue entdecken kann, weil er eben irgendwann, beim x-ten Besuch, sich dann doch mal die Zeit nimmt, näher hinzuschauen.












Da sind wir dann aber auch beim zweiten Problem.
Der Zeit.
Wir rennen durch Räumlichkeiten, saugen auf, fotografieren, ohne zu schauen.
Warum?
Weil wir doch keine Zeit haben. Weil wir sie uns nicht nehmen.
Das ist ein typisches Problem moderner Menschen, dass sie sich selbst nicht mehr die Zeit geben zu genießen. Teilweise die Kunst verloren haben innezuhalten.
Mein Sammlerkollege Thomas Dürrschmitt hat genau das in einem Gespräch in Hann.-Münden kritisiert.
„Ich versteh das nicht. Da gibt es viele, die rennen einfach an den Tischen vorbei, machen Fotos, schauen sich nichts genau an, aber hier, hier sieht man das doch real, in 3D sozusagen. Das ist doch viel besser, als später am Bildschirm?“
Natürlich ist es besser Thomas. Aber es ist kein Zeittrend.


(Thomas hält mir netterweise diese beiden von ihm geschaffenen Miniaturen)

Schockierend ist das sicherlich für alle Dioramenbauer, vor allem aber auch für Modellbauer, die kleinere kunstvolle Vignetten bauen.
Man selbst ist stundenlang mit der Erschaffung dieser kleinen Kunstwerke beschäftigt, und dann werden sie teilweise gar nicht gesehen. Sie gehen unter, weil wir eben den Hang zu den großen Dingen haben.
Für Laienpublikum, für normaler Interessenten und Besucher, ist diese Verhalten aber die Realität. Sie werden von Eindrücken erschlagen und nehmen immer weniger auf.
Fachleute fachsimplen da natürlich anders. Die bleiben stehen. Die nehmen sich die Zeit.
Aber vielen Menschen geht es halt anders. Die können, wollen oder dürfen sich keine Zeit nehmen. Das ist halt so.
Im Grunde möchte ich jetzt allen denen, die an eben diesem Zeitproblem, oder dem weiter oben beschrieben Hang zum Großen und dem Verlust fürs Detail leiden, eine kleine Hilfe geben.
Ich zeige jetzt sicherlich einiges, was Sie gar nicht gesehen haben.
Seien Sie nicht traurig.
Auch mir geht es im Grunde nicht anders, als Ihnen.
Denn eigentlich habe ich da eben auch irgendwo mich beschrieben.















Ich verhalte mich im Grunde genau so, wie Sie; nur dass ich mir dann doch die Zeit nehme mit den Menschen zu reden, die auf solchen Veranstaltungen sind.
Bei  mir liegt es allerdings daran, dass ich im Grunde immer die falsche Brille aufhabe. Den Detailgrad eines Werkes komplett wahrzunehmen, klappt halt nicht mehr so richtig bei der Alterssicht.
Ich sehe Details tatsächlich in der Nachbetrachtung, am Bildschirm, besser.


















Mir ging das dann auch lange so, dass ich falsch fotografiert habe. Entweder habe ich mich in Einzelheiten verzettelt und konnte die dem Großen nicht mehr zuordnen, oder ich habe nur das Große fotografiert, und das Kleine nicht mehr wahrgenommen.
Also, um bei meinem obigen Beispiel zu bleiben. Das Verhältnis Bäume zu Wald bzw. Wald zu Bäumen, war im Grunde genommen immer irgendwie falsch.
Deshalb ein Tipp an alle Hobbyfotografen: Machen Sie bitte zuerst immer ein Übersichtsfoto, und widmen Sie sich dann den Details.
Glauben Sie mir. Es erleichtert im Nachgang vieles.

















Bei den Bildern, die ich Ihnen jetzt vorstelle, erhebe ich übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zum einen geht das gar nicht (Faktor Zeit), zum anderen hat jeder Mensch eine sehr spezielle Sicht auf Dinge, die andere so, und in der in dem Moment gezeigten Art und Weise, gar nicht wahrnehmen.
Auch hier sind Geschmäcker verschieden.


































Hinzu kommt halt noch, dass nicht alle Bilder was werden. Und NEIN; ich kontrolliere auch nicht nach jedem Bild das Foto.
Das wäre bei der Menge, die ich so schieße dann tatsächlich zu aufwändig.
Hält definitiv viel zu lange auf.
















































Und, wenn ich Ihnen einen letzten Tipp geben darf.
Optimieren Sie bitte Ihren Fotografierstil. Ich habe das auch getan.
Denn es wäre schade, wenn Sie sich zu lange aufhalten, und dies zu Lasten der Gespräche untereinander führen würde.
Denn letztendlich geht es ja um die Menschen hinter diesen Kunstwerken. Für diese sollten Sie sich Zeit nehmen, denn Sie zollen den Künstlern so mehr Anerkennung, als wenn sie ohne Gespräche einfach nur durch die Gänge flitzen und knipsen.
Haben Sie Spaß mit den Bildern in diesem Bericht.


















Ich gebe hier die Werke anderer wieder, und allen gebührt mein Respekt. Denn die Gesamtzahl dieser Werke, und gerade auch die „kleineren“, die sich nicht scheuen NEBEN der erdrückenden Macht dieser Großdioramen zu stehen, die machen 
„die Veranstaltung als solche“ eben aus.
Es ist der gelungene Mix der Vielfältigkeit, der hier geboten wird; und das ist im Maßstab 1/72 tatsächlich einzigartig.
Ich hoffe, dass ich zumindest von den meisten Ausstellenden jeweils ein Exemplar erwischt habe. Wenn nicht, bitte ich um Vergebung.
Aber zum Glück bin ich ja nicht der Einzige, der über diese tolle Veranstaltung berichtet.
Bevor ich jetzt aber zum Schluss komme, sei noch auf eine Sache verwiesen, die mir in Hann.-Münden aufgefallen ist.
Vor allem die Großdioramen des Museums Geschichte in Miniaturen sind Gemeinschaftsarbeiten. Wolfgang und Patrick schaffen da einen Teil, aber eben nicht alles. Das wird auch nicht vor Ort verschwiegen.
Schauen Sie einfach hier. Nur so als Beispiel. Ein erlauchter Kreis von Sammlerfreunden, die sich da zusammen tun, und diese Werke schaffen.

Na und das VIVE L’EMPEREUR ...


Thomas Mischak, Frank Herberger und Arndt Wolfram da gemeinsam am neuen Dio des Donauübergangs auf der Lobau mitgepinselt haben, finde ich persönlich einfach klasse, … und …. Sie hatten alle Spaß daran.












Ich hoffe, dass Sie, meine lieben Leser, Ihr Lieblingsdio, ihre Lieblingsfigur, ihre Lieblingsperspektive irgendwo, entweder in meinem oder in einem anderen Bericht zur Dioramica, wiederentdecken.

Ich habe mein kleines Highlight schon vor langer, langer Zeit gefunden, und auch diesmal wieder auf der Dioramica entdeckt,

Wolfgang Meyers „Capture of the French Guns“ war denn wohl das erste Dio in dieser Güte und Art, das ich 1998 auf der Sommerschenburg das erste Mal sehen durfte.
Vorher hatte ich davon schon mal zwei ganz schlechte Fotos im Internet  – das zu dem Zeitpunkt noch in den Anfangsschuhen steckte - und in irgendeiner Sammlerpostille gesehen, aber das war nichts im Vergleich zu dem Erlebnis in der damaligen Ausstellung.
Das war damals für mich eine ganz neue Erfahrung, und Wolfgang, der das Werk heute natürlich runterspielt, weil man hat sich ja auch nachweislich verbessert, wird da bei mir immer einen Fan antreffen.
Das Diorama hatte mir damals die Augen geöffnet, über das, was man in einer Gestaltung einfacher Plastiksoldaten erreichen kann, und ich hoffe, dass Sie, meine lieben Leser, bei irgendeinem der gezeigten Dioramen ähnliches empfinden.






(Das schlimme Schicksal, dass ein Soldat in der Hitze des Gefechts seinen Kopf verloren hat, wird Wolfgang bestimmt bis zur nächsten Dioramica wieder gerade rücken. Finden Sie ihn?)

P.S.: Sie wundern sich, warum es von den Karrees und dem Diorama Teutonic Order nicht mehr Fotos gibt ….? Da habe ich noch etwas vor...