Mittwoch, 4. November 2015

Airborne Museum in Arnheim - Villa Hartenstein

Nach der Crisis, ist vor der Crisis. Na und die diesjährige Crisis steht ja schon quasi in den Startlöchern.
Ich denke mal, dass sich einige von Euch auch wieder in diesem November auf den Weg machen, um diese Verkaufsshow in Antwerpen einmal, oder vielleicht auch schon zum x-ten Mal, zu besuchen.
Wir - Jens, Ralf, Heiko und ich - werden dies auch wieder in diesem Jahr tun.
Wir wären aber nicht wir, wenn wir diesen Trip nicht zu einem kleinen erweiterten Historienwochenende umgestalten würden. Das hatten wir letztes Jahr auch schon getan.
Deshalb poste ich diesen Bericht jetzt mal vor der Tabletopshow, weil für einige von Euch eine kleine Ausflugsempfehlung interessant sein könnte.
Was mir nämlich nicht so wirklich in die Birne geht, ist folgender Umstand: Viele Wargamer fahren echt zur Crisis, kaufen Kram, den man ja im Grunde auch im Internet bekommt, und jagen dann nach Schluss der Veranstaltung auch direkt wieder zurück.
Hut ab, Jungs. Strammes Programm. Jedem das Seine.
Leider lasst Ihr aber da einiges auf dem Weg liegen. Auch ein Abstecher ins abendliche Antwerpen lohnt sich. Toller Marktplatz und Innenstadtbereich, schöne, nette Lokale, tolle Stimmung.
Wir hatten da dann im letzten Jahr übernachtet und auf der Rückreise noch das Museum in der Villa Hartenstein in Arnheim besucht.
Bei dem ein oder anderen von Euch klingelt es jetzt sicherlich schon.
Klar … Arnheim; die Brücke; Market Garden; Hauptquartier der Engländer …
Bei denen, wo es jetzt noch nicht klingelt:
Im Herbst 1944, die Amerikaner und Briten waren schon lange aus dem Normandiebrückenkopf ausgebrochen, hatten Paris bereits befreit und die Wehrmacht zurückgedrängt, wurde wieder einmal einer der vielen Kriegspläne geschmiedet, die man alle unter einem Oberbegriff zusammenfassen könnte:
Einen Krieg noch vor Weihnachten zu Ende zu bringen.
Ein hehres Ziel; aber auch diesmal, wie schon so oft, wurde das Ziel nicht erreicht.
Diesmal konnte man das ganze unter einem Oberbegriff subsumieren:
A bridge too far.
Die Alliierten planten nämlich einen kombinierten Luftlande-, Bodenschlag.
Wichtige Brücken über die verschiedenen holländischen Flüsse sollten zunächst von Luftlandetruppen im Handstreich erobert und dann an dieser Stelle Brückenköpfe gebildet werden.
Britische Bodenstreitkräfte wiederum, das XXX. Korps unter Horrocks, sollten zeitgleich einen Großangriff auf die Stellungen der Wehrmacht unternehmen, in die jetzige Frontlinie einbrechen, einen breiten Korridor einnehmen, um so diese Brückenköpfe zu erreichen, mit dem Finalziel den Rhein bei Arnheim zu überqueren und von hier aus ins Reich vorzustoßen.
Die am weitesten entfernte Brücke war die Brücke in Arnheim. Zu ihr führte dummerweise auch nur eine Hauptstraße, über die sich die Bodenkräfte nach vorne kämpfen mussten.
Die heute im Nachgang hazardeurhaft erscheinende Planung der Alliierten muss allerdings unter einem ganz bestimmten Blickwinkel betrachtet werden.
Die Wehrmacht schien geschlagen. In den letzten Wochen war sie aus Frankreich zurückgeflutet ohne eine nennenswerte Verteidigungslinie aufzubauen. Die Armee war sich am Auflösen. So zumindest empfanden dies die britischen Planer.
Dummerweise für den britischen Plan war dies nicht so. Geradezu fatal war der Umstand, dass im Raum Arnheim zwei Divisionen der Waffen-SS zur Auffrischung lagen. Das hatte niemand auf der Uhr gehabt und so sprang hier die britische 1. Luftlandedivision zusammen mit der polnischen Fallschirmbrigade mitten ins Hornissennetz.
Die Villa Hartenstein ist eine Villa, die sich in dem direkt neben Arnheim liegenden Ort Oosterbeek befindet.




Hier hatten die britischen Luftlandetruppen währen der Schlacht ihr Hauptquartier eingerichtet. Die Gegend wurde übrigens auch stark umkämpft, weil es nur dem 2. Bataillon unter Major Frost gelungen war bis zur Brücke vorzustoßen, und somit der Großteil der 10.000 gelandeten Fallschirmjäger rund um Arnheim Verteidigungslinien aufbauen musste. Der Befehlshaber der Luftlandetruppen General Roy Urquhart wählte das Hotel Hartenstein, weil es im Grunde perfekt lag.
Na und in genau diese Stadt, die ja quasi auf dem Rückweg von Antwerpen nach Deutschland liegt, zog es uns dann im letzten Jahr.
Ich war bereits zweimal in Arnheim, kenne also auch die ältere Ausstellung noch auch dem Jahr 2006. Bereits damals fand ich es schon sehr gut.
2008 wurde das Museum allerdings einer gründlichen Überarbeitung unterzogen. Das Gelände wurde quasi unterkellert, um eine neue, erweiterte Ausstellungsfläche von 900m² zu schaffen, in dem sich jetzt die sogenannte „Airborne Experience“ befindet. Zu dieser Ausstellung später mehr.
An das Gebäude selbst wurde ein komplett neuer Eingangsbereich, inklusive angeschlossenem Museumsshop angebaut.
Wenn man sich der Villa nähert fallen einem Besucher schon die verschiedenen Denkmäler zur Luftlandeoperation auf.




Das Gebäude selbst ist von Geschützen und Sherman Panzern quasi umringt.






Man betritt das Museum über den Eingangsbereich und wird hier schon stimmungsvoll von Reproduktionen verschiedener zeitgenössischer Bilder empfangen.

Auch die Akteure der Alliierten und der Deutschen werden einem durch Fotos nähergebracht.




Es sei darauf hingewiesen, dass die Informationstafeln zur Ausstellung in Deutsch, Englisch und Holländisch daherkommen.


Uniformteile, Rangabzeichen, Helme sind so ausgestellt, dass der Besucher einen wirklich umfassenden Einblick bekommt.




Die Uniformensammlung ist beeindruckend. Neben den alliierten Uniformen, die an Figurinen dargestellt werden,








sind sehr viele verschiedene Uniformen auch der deutschen Gegner ausgestellt; hier vor allem auch einige Uniformen der Waffen-SS.







Bemerkenswert ist diese Figurine eines britischen Fallschirmjägers, gleichen seine Gesichtszüge doch tatsächlich dem Schauspieler Anthony Hopkins, der in dem Film die Brücke von Arnheim (A bridge too far) Major Frost darstellte.


Verschiedene Waffen sind ausgestellt. Hier sieht man unter anderem einen Granatwerfer, ein MG42, Panzerabwehrwaffen und eine MP 40.






Am letzten Bild sieht man dann auch deutlich den Charakter der Ausstellung. Sehr gute Informationstafeln, die knapp, aber gut, über die Schlacht berichten, werden um historische Bilder und Ausstellungsstücke ergänzt. So erhält man doch einen guten Eindruck über den Verlauf der Schlacht.
Verschiedenen Schautafeln informieren auch über die taktischen Aufstellungen der beteiligten Truppen.




Sehr informativ fand ich auch die Originalbilder zur historischen Bebauung des Stadtgebietes rund um die Brücke.







Man muss sagen, dass Arnheim eine schöne historische Altstadt hat. Der Innenstadtbereich ist wieder sehr schön aufgebaut. Es gibt tolle Kneipen und Restaurants. Eine super Stimmung innerhalb der Stadt.
Das Gebiet rund um die Brücke war komplett zerstört. Das kann man auch heute noch anhand der fehlenden Bebauung erkennen. Vergleicht man das obige Bild mit dem jetzt folgenden, wird dies sehr deutlich.


In einem Raum der Villa Hartenstein wird die Rezeption der Schlacht anhand verschiedener Quellen dargestellt. Anbei mal ein Bild eines Ausschnittes aus der Kurhessischen Zeitung vom 22.9.1944.


Im Keller werden in zwei großen Dioramen mit 1:1 Figuren typische Situationen im Hartenstein während der Kampftage plastisch dargestellt: Die Arbeit vom medizinischen Personal, und eine Stabsbesprechung des Kommandeurs General Urquhart.



Das interessante dabei ist, dass die Szene der Stabsbesprechung fast genau an der Stelle ist, wo sie sich auch historisch zugetragen hat.
Das absolute Highlight der Ausstellung ist dann die „Show“ im Keller. So will ich das jetzt mal nennen.
Die sogenannte „Airborne Experience“, die man dann auch stimmungsvoll über einen Lastensegler betritt.




Wir waren da schon ziemlich überrascht und geplättet. Am Anfang der Ausstellung gibt es Warnhinweise – ziemlich dramatisch – so nach dem Motto, wer schwache Nerven hat, soll hier besser umkehren.




Na so schlimm ist es jetzt auch wieder nicht (ich spreche mal für Leute, die kein Trauma aus Kriegshandlungen haben).
Der Bereich spricht halt alle Sinne an. Irgendwo plärrt Adolf rum, man hört MG Geknatter, Bombenexplosionen, Erschütterungen. Man geht zum Beispiel durch ein Haus, auf einmal hört man ein tock-tock-tock von kullernden Handgranaten, gefolgt von einer Explosion. Sehr, sehr plastisch gemacht.




Ich hatte damals zu Ralf gesagt: „Der Programmrat des ZDF distanziert sich in aller Form von dieser Art und Form der Darstellung kriegerischer Handlungen.“
Na im Ausland wird das halt etwas anders gesehen. WW Zwo als Show.
Scary. Scary Movie. Das trifft es eigentlich sehr gut.




Man sollte es sich selbst anschauen und dann urteilen. Beeindruckend, irritierend, amüsierend – egal in welcher Art und Weise - ist es allemal.
Zum Abschluss noch ein paar Bilder aus dem Bereich um die Brücke. Die stammen alle aus dem Jahr 2006, wo ich Arnheim und das Museum Hartenstein schon einmal besucht hatte. Bei unserem Trip in 2014 hatten wir dafür keine Zeit mehr.
Es soll sich aber seit damals in diesem Bereich nicht allzuviel verändert haben.








Um also nochmals zum Anfang des Berichts zurückzukommen.
Ich empfehle jedem von Euch entweder noch an diesem Wochenende oder dann vielleicht im nächsten Jahr mal Euer Ausflugsprogramm zur Crisis zu erweitern. Es lohnt sich auf jeden Fall. Vielleicht war dieser Bericht für Euch alle eine kleine Anregung.
Egal wie: Ich wünsche jedem von Euch viel Spaß auf der Crisis. Finden könnt Ihr uns an Stand 3A03. Da gibt es dann coole Sachen zu kaufen. Unter anderem Hougoumont und La Haye Sainte aus unserer Celle Ausstellung.
http://thrifles.blogspot.de/2015/11/celle-2015-picture-report-waterloo.html
http://thrifles.blogspot.de/2015/10/celle-2015-building-diorama-der-aufbau.html
Aber auch noch einiges mehr vom Diorama und aus dem Shop von Jens.
Na und wenn Ihr nicht in Antwerpen übernachtet ...
LEUTE; da habt Ihr ja mindestens einen Fuffi mehr in der Tasche, als wir.
Na und wo wäre der besser angelegt als bei Jens. ;-))

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