Samstag, 8. Februar 2020

Preußisch-Eylau - Géricault, und warum er unser Bild von Marbot prägt

Heute ist der Jahrestag der Schlacht von Preußisch-Eylau. Da ist es nur logisch, dass ich zunächst meine Eylau Serie fortsetzen möchte.
Den Spielbericht von der Szenario gibt es Mitte nächster Woche.



Bilder, egal jetzt ob alte Gemälde oder auch zeitgemäße Fotografien, sind für den Betrachter oftmals prägend.
So denke ich, wenn ich an L’Empereur denke, immer an drei Bilder.
Der junge Napoleon wird für mich durch das Bild von Antoine-Jean Gros repräsentiert, das Napoleon mit einer Fahne auf der Brücke von Arcole zeigt.



Der „L’Empereur“ sieht für mich, in meiner Gedankenwelt genauso aus, wie ihn Jacques Louis David auf diversen Gemälden dargestellt hat.


Und der alte, gramgebeugte, besiegte Kaiser ist und bleibt für mich der Schauspieler Rod Steiger, der ihn nach meiner Meinung überragend in dem Film Waterloo in Szene gesetzt hat.



Ähnlich geht es mir, wenn ich an Marcellin de Marbot denke, den ich Ihnen ja in meinem letzten Bericht zur Schlacht bei Eylau näher gebracht habe.
https://thrifles.blogspot.com/2020/01/preuisch-eylau-lisette-marbot-und-das.html
Denke ich an ihn, denn denke ich an dieses Bild hier.


Sie fragen sich jetzt vielleicht warum.
Ich möchte es Ihnen erklären.
Christopher Summerfield, englischer Autor und Historiker, hat das Bild des hier gezeigten Soldaten als Titelbild der von ihm veröffentlichten Teilausgabe der Memoiren Marbots genutzt.
Das Buch heißt „The Exploits of General Marbot“, gezeigt wird ein Chasseur der Garde.
Da ich das Buch jahrelang auf meiner Kaufliste hatte, aber immer auf eine deutsche Neuauflage hoffte, und es deshalb nie kaufte, schaute mich der Gardechasseur ziemlich oft an, wenn ich mal wieder meine Vormerkliste durchstöberte.
So etwas kann dann schon prägend sein.
Jetzt ist die Abbildung aber völlig falsch, weil Marbot ja gar kein Chasseur der Garde war, und er nebenbei bemerkt auch völlig anders aussah, wie sie das in den folgenden Gemälden sehen können.
Er begann seine Karriere im 1. Husarenregiment, den „Berchény Husaren“,


war lange Adjutant verschiedener Marschälle,

im Jahr 1812 Kommandeur des 23. Chasseur Regiments  und bei Waterloo Oberst des 7. Husarenregiments.


Sollte ihn das Gemälde als Husarenoberst zeigen, müsste er die nachfolgende Uniform tragen.




(Marbots Uniform und Tschako im Armeemuseum Paris. Leider hatte die Vitrine sehr gespiegelt)

Der auf dem Gemälde dargestellte Chasseur trägt aber eben eine Chasseuruniform der Garde, und keine der Linie oder gar eine Husarenuniform.
Aber egal wie. In meinem Hirn ist und bleibt dieser Chasseur wohl Marbot.
Auch Lisette, das Pferd Marbots, stelle ich mir irgendwie wie auf diesem Bild vor. Das Pferd ist ja sehr realistisch gezeichnet,  und wirkt auch auf diesem Gemälde agil und aggressiv, könnte also auch Lisette sein.
Ich hoffe Sie erinnern sich an das Pferd. Wenn nicht, lesen Sie bitte diesen Artikel:
https://thrifles.blogspot.com/2020/01/preuisch-eylau-lisette-marbot-und-das.html
Ich denke, dass Summerfield – vielleicht auch sein Lektor oder sein Verleger, wer das auch in diesem Fall bestimmt haben mag - irgendwie von diesem Bild gefangen wurde.
Diese Szene könnte tatsächlich eine der „Exploits“, der Heldentaten, Marbots darstellen; und deshalb passt die Szene auch gut zu den Memoiren, obwohl Sie den Betrachter im Grunde auf eine falsche Fährte führt, die dann auch zu falschen Schlüssen führen können.
Warum schreibe ich das?
Ich hatte Ihnen im letzten Jahr in meinem Bericht zum Musée Grands-Reliefs schon am Rande erzählt, dass ich und meine Freunde lange Zeit auf dem Friedhof Père Lachaise verbracht haben.
Während wir da dann auf der Suche nach den Gräbern und Denkmälern verschiedener Marschälle der napoleonischen Epoche waren, fiel mir ein Grabmal ins Auge.

Ich erkannte zwei Reliefs, die mir bekannt vorkamen.


Vor allem das auf der rechten Seite sendete sofort ein Signal aus.
Mein Hirn echote sofort den Namen Marbot!!
Ist das jetzt tatsächlich das Grabmal Marbots?!?, dachte ich.
Ich ging zur Front und dachte; nee.
Marbot ist das nicht; das da ist definitiv ein Künstler.
Sieht man ja deutlich an der Pose, der Kleidung, den Malutensilien.
Und als ich dann den Namen des Künstlers googelte, dämmert es mir:
Géricault!!!


Na logisch.
Géricault ist der Künstler, der eben dieses Bild von Marbot geschaffen hat.
Dachte ich jedenfalls noch in diesem Moment.
Aber, wie das so oft ist, wenn man richtig recherchiert, stellt man dann fest, dass der bisherige Glaube nur eine Anmutung war, und keine Wahrheit.
Na und damit Sie meine lieben Leser da jetzt besser informiert sein sollen, als ich Fehlgeleiteter, möchte ich Ihnen hiermit nochmals ganz deutlich sagen.
Nein!! Der Chasseur im Gemälde ist nicht Marbot.
Das Bild mit dem Titel „Officier de chasseurs à cheval de la garde impériale chargean“ wurde im Jahr 1812 von dem damals 21jährigen Maler Jean-Louis André Théodore Géricault  gemalt.
Es hängt heute im Louvre und ist dort im Original zu bewundern.



Ein wirklich beeindruckendes, im realistischen Stil gemaltes Bild, das auch sehr monumental wirkt, wenn Sie direkt davor stehen.
Böse gesagt.
Die Mona Lisa im Louvre ist im Original winzig; dieses Bild hier riesig.
349cm x 266 cm. Das hat schon was.
Der Reiter, der die künstlerische Mitte des Gemäldes einnimmt, wirkt völlig ruhig, und bildet so einen starken Kontrast zur Umgebung und seinem scheuenden Pferd.
Der mächtige Schimmel bäumt sich vor einem nicht sichtbaren  Hindernis auf, schäumt vor Schweiß, Augen und Nüstern sind  in Panik erweitert. Der Reiter hingegen sitzt fest, ja fast teilnahmslos, im Sattel.
Nichtsdestotrotz wirken Reiter und Reittier wie vereint.
Die Symbiose zwischen Reiter und Pferd bestimmt dann auch die Aussage dieses Bildes:
Die Uniform und das Pferd stehen im Mittelpunkt. Sie sind die Hauptdarsteller des Gemäldes.
So die Bildbeschreibung auf der offiziellen Seite des Louvre.
Es ist also quasi erstaunlich, dass wir heute dieses Bild mit einem ganz bestimmten Soldaten gleichsetzen, um den es aber eben nie ging.
Modell für den Soldaten war eben nicht Marbot, sondern ein Freund des Malers, der Leutnant der Jäger Alexandre Dieudonné, gefallen im Dezember 1812 im Rußlandfeldzug.
Ob Géricault Marbot überhaupt gekannt hat, konnte ich jetzt nicht herausfinden, tut aber letztendlich nichts zur Sache.
Géricault wollte ihn ja nicht darstellen.
Unbewusst haben Literaten weit nach dem Tod Géricault vielen von uns ein Bild gegeben;
und dies verbinden wir wider besseren Wissens eben mit Marbot.
So bekommt dann letztendlich auch der „unbekannte Soldat“, der „unbekannte“ in Rußland gefallene Chasseur, einen Namen und ein Gesicht, und das macht dann letztendlich auch den Maler unsterblich.
Maler und Werk bilden hier die gleiche Symbiose, wie Pferd und Reiter in seinem Gemälde. Sie sind untrennbar miteinander verbunden.
Ohne das Relief an der Seite des Grabmals wäre ich wohl an diesem Grabmal vorbeigegangen.
So hingegen, sendete das Relief mir eine Botschaft aus.
Ich konnte innehalten, nachdenken, und den Sinn hinter der Geschichte erfassen.
Kunst erzählt oft eine Geschichte; und Kunst ist unsterblich.
Das erkennt man in solchen Momenten.


Images, regardless of whether they are old paintings or contemporary photographs, are often formative for the viewer.
So when I think of L’Empereur I always think of three pictures.
The young Napoleon is represented for me by the picture of Antoine-Jean Gros, which shows Napoleon with a flag on the bridge of Lodi.
The "L’Empereur" looks to me, in my mind, exactly the way Jacques Louis David portrayed it in various paintings.
And the old, grief-defeated, defeated emperor is and remains for me the actor Rod Steiger, who, in my opinion, staged him outstandingly in the film Waterloo.
I feel the same way when I think of Marcellin de Marbot, whom I brought to you in my last report on the Battle of Eylau.
https://thrifles.blogspot.com/2020/01/preuisch-eylau-lisette-marbot-und-das.html
I think of him because I think of this picture here.
You may be wondering why.
I want to explain it to you.
Christopher Summerfield, English author and historian, used the image of the soldier shown here as the title image of the partial edition of the memoirs Marbots he published.
The book is called "The Exploits of General Marbot", it shows a chasseur of the guard.
Since I had the book on my purchase list for years, but always hoped for a new German edition and therefore never bought it, the chauffeur looked at me quite often when I rummaged through my reserve list again.
Something like this can be formative.
Now the picture is completely wrong, because Marbot was not a chasseur of the guard, and besides, he also looked completely different, as you can see in this portrait.
He began his career in the 1st Hussar Regiment, the "Berchény Hussars", was a long adjutant to various marshals, in 1812 commanded the 23rd Chasseur Regiment and with Waterloo Colonel in the 7th Hussar Regiment.
If the picture shows him as a hussar colonel, he would have to wear the following uniform.
The chasseur shown in the picture, however, is wearing a chasseur uniform of the guard, and none of the line or even a hussar uniform.
But no matter how. In my brain this chasseur is and remains Marbot.
I also imagine Lisette, the horse of Marbot, somehow like in this picture. The horse is drawn very realistically, and also looks agile and aggressive on this painting, so it could also be Lisette.
I hope you remember the horse. If not, please read this article:
https://thrifles.blogspot.com/2020/01/preuisch-eylau-lisette-marbot-und-das.html
I think Summerfield - maybe his editor or publisher too, who may have determined it in this case - was somehow caught up in this picture.
This scene could actually be one of the exploits, exploits, Marbots; and that is why the scene fits well with the memoirs, although it basically leads the viewer on the wrong track, which can also lead to wrong conclusions.
Why am I writing this?
Last year in my report on the Musée Grands-Reliefs, I told you in passing that I and my friends spent a long time in the Père Lachaise cemetery.
While we were looking for the tombs and monuments of various marshals of the Napoleonic era, a tomb caught my eye. I recognized two reliefs that seemed familiar to me. Especially that on the right side immediately sent out a signal.
My brain immediately echoed the name Marbot !!
Is that really Marbot's Tomb?!? I thought.
I went to the front and thought; nee.
Marbot is not; this is definitely an artist.
You can clearly see it in the pose, the clothes, the painting utensils.
And when I googled the name of the artist, it dawned on me:
Géricault !!!
Of course.
Géricault is the artist who created this image of Marbot.
At least, I thought at that moment.
But, as is so often the case, if you research properly, you find that the previous belief was only an impression and not a truth.
Well, so that you, my dear readers, should now be better informed than I am misguided, I would like to tell you again very clearly.
No!! The chasseur in the painting is not Marbot.
The picture titled “Officier de chasseurs à cheval de la garde impériale chargean” was painted in 1812 by the then 21-year-old painter Jean-Louis André Théodore Géricault.
It hangs in the Louvre today and can be admired there in the original.
A really impressive picture painted in a realistic style that also looks very monumental when you stand in front of it.
Evil said.
The original Mona Lisa in the Louvre is tiny; this picture huge here.
349cm x 266 cm. That has something.
The rider, who occupies the artistic center of the painting, appears completely calm, and thus forms a strong contrast to the surroundings and his shy horse.
The mighty mold rears up in front of an invisible obstacle, foams with sweat, eyes and nostrils are panicked. The rider, on the other hand, is stuck, almost listless, in the saddle.
Nevertheless, the rider and the mount appear to be united.
The symbiosis between rider and horse also determines the message of this picture:
The focus is on the uniform and the horse. They are the main characters in the painting.
So the picture description on the official website of the Louvre.
So it is almost astonishing that today we equate this image with a very specific soldier, who was never the subject.
The model for the soldier was not Marbot, but a friend of the painter, the lieutenant of the hunter Alexandre Dieudonné, died in the Russian campaign in December 1812.
I couldn't find out whether Géricault knew Marbot at all, but in the end it doesn't matter.
Géricault didn't want to portray him.
Literature unconsciously gave many of us a picture long after Géricault's death;
and against better knowledge we connect this with Marbot.
In the end, the “unknown soldier”, the “unknown” chasseur who fell in Russia, is given a name and a face, which ultimately makes the painter immortal.
Painter and work form the same symbiosis here as horse and rider in his painting. They are inextricably linked.
Without the relief on the side of the tomb I would have passed this tomb.
In contrast, the relief sent me a message.
I could pause, think, and grasp the meaning behind the story.
Art often tells a story; and art is immortal.
You can see that in such moments.

Kommentare:

  1. Das erste Portrait Marbots datiert von 1812 und zeigt ihn als Obersten des 23. Chasseur-Regiments.

    Das zweite Portrait Marbots zeigt ihn als Obersten des 7. Husarenregiments im Jahr 1815. Bemerkenswert ist, dass er nicht den Dolman, sondern den Pelz angelegt hat. Den wirft man ja sonst über die Schulter, hier aber ist es ein anderes Uniformstück, und zwar nicht der Dolman, wie man meinen könnte, sondern das Gilet - offenbar kein ärmelloses, sondern ein mit Ärmeln versehenes Gilet (es gab in der französischen Armee beides). Und dieses war tatsächlich rot. Das Musée de l'Armée besitzt Tschako, Pelz (grün), Dolman (grün mit roten Abzeichen) und Gilet (rot) des Husarenobersten Marbot:

    https://art.rmngp.fr/fr/library/artworks/shako-pelisse-gilet-et-dolman-ayant-appartenu-au-colonel-de-marbot-1782-1854-du-7e-regiment-de-hussards_cuir-matiere_fil-d-or_fourrure-materiau_laiton_fil-d-argent_laine-textile_1815

    Auf obigem Foto sieht man das Gilet nicht, beim nächsten aber schon (links Dolman, in der Mitte Gilet, rechts Pelz):

    https://i.pinimg.com/originals/7f/1a/9e/7f1a9ef8121838003ab72093f3b25a58.jpg

    Und hier ein ausführlicher Kommentar zum zweiten Portrait Marbots (das erste wird auch erwähnt):

    https://www.drouot-estimations.com/lot/14873/2741306

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  2. Genau deshalb hatte ich die beiden Bilder unter bzw. über dem entsprechenden Satz gepostet.;-))) Aber dennoch danke zu Deinen interessanten Ausführungen bezüglich des Gilet, und der Erinnerung, dass ich den Dolman und den Tschako ja im Oktober in Paris fotografiert habe. Leider hat die Vitrine gespiegelt, aber ich füge die Bilder jetzt noch im Bericht ein.

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