Mittwoch, 3. April 2019

Die Nassauer in Spanien

Vorbemerkung


Ende der 90er Jahre hatte mein Freund Jens Najewitz einen seiner vielen genialen Pläne. Er wollte sein nebenberufliches Händlerdasein im Miniaturenbereich aufgeben, und eine Modellzeitschrift herausbringen.
Die legte er dann auch auf. Sie hieß "Modellfiguren" und der Plan, der hinter den Veröffentlichungen stand, war dem Sammler von 1/72 Miniaturen endlich das Magazin in die Hand zu geben, das er schon immer wollte und auch lautstark gefordert hatte.
Ein Magazin mit Berichten über Figuren, mit Artikeln über verschiedene kriegsgeschichtliche Ereignisse, mit Besprechungen von Neuerscheinungen, einfach ein Magazin, das sich nur den Wünschen der 1/72 Szene widmen sollte.
Trotz vollmundiger Unterstützungsbekundungen erreichten wir leider nicht die nötige Zahl von Abonnenten. In einer Welt mit viel schlechteren Kommunikationsmöglichkeiten als heute, und mit horrenden Preisen für Layout und Druck - oh Gott ist das heute einfach - war das Unterfangen ohne Sponsoren einfach zu teuer.
Obwohl Jens einiges privates Geld reinbutterte und da auch richtig drauflegte, musste er die MoFi nach 1 1/2 Jahren einstellen.
Sehr zum Bedauern von mir, der für diese Zeitschrift und deren Vorgänger, der "Infopost", einige Artikel geschrieben hatte.
Einige der Artikel übersetzte ich damals ins Englische und packte sie auf Wargamer- bzw. Modellbauseiten im Ausland, die es mittlerweile nicht mehr gibt.
Deshalb möchte ich diese Berichte für mich - und vielleicht auch für Sie -  zurückholen.
Ich werde sie jetzt hier veröffentlichen; und zwar mit dem genauen Wortlaut von damals. Ich ändere da nichts. Obwohl ich sicherlich bei einigen Sachen heute viel stärker im Detail bin.
Die Umbautipps von damals bezogen sich auf 1/72 Miniaturen, und lesen sich heute teilweise sehr lustig und auch nostalgisch. Ende 1999 und Anfang 2000 gab es viele der Modellfiguren, die heute auf der Plasticsoldierseite gezeigt werden noch gar nicht. 28 mm Figuren gab es in der Vielfalt wie heute ebenfalls nicht.
Also sind Sie bitte nicht verwundert.
Übersetzen werde ich die Berichte nicht. Nur die, die damals auch in Englisch erschienen, werde ich auch so wiedergeben.
Viel Spaß mit den Berichten, die ich hier in einigen Abständen präsentieren werde.



In meiner Reihe über die Beteiligung deutscher Kontingente am spanischen Krieg zwischen 1808 und 1814 möchte ich meine Untersuchung heute den Truppen des Herzogtums Nassau widmen. Auffallend an den Regimentsgeschichten der nassauischen Truppen, ist die Tatsache, dass bereits im spanischen Krieg mit ähnlicher Bravour auf Seiten der Franzosen gekämpft wurde, wie im Jahr 1815 auf Seiten der Alliierten. Die Nassauer sind somit durchaus als eine Kerntruppe in den Napoleonischen Kriegen zu bezeichnen, und man wird sehen, dass die Einheiten diesen Namen durchaus verdienen.

Die Fürsten von Nassau waren verpflichtet zum spanischen Krieg ein Regiment Infanterie und eine Batterie Artillerie auszurüsten. Innerhalb kürzester Zeit gelang die Bildung des 2. leichten nassauischen Infanterieregimentes. Zum Regimentskommandeur wurde Oberstleutnant von Kruse ernannt. 
(Bild Quelle Wikipedia)

Zur Aufstellung der Artillerietruppe kam es nicht, statt dessen wurde dem 2. Regiment eine Schwadron Reitender Jäger zugegeben. Das Infanterieregiment wurde in der bekannten Weise, nach dem französischen Vorbild  bewaffnet und gegliedert.
Am 20. August wurde Wiesbaden verlassen, am 15. Oktober vereinigte man sich mit der Deutschen Division des IV. Armeekorps (Lefebvre) bei Durango. Gemeinsam mit dem 4. Badischen Infanterieregiment und einer Batterie badischer Fußartillerie bildete man hier die 1. Brigade der 2. Division.
Die Lage der Franzosen im Oktober 1808 in Spanien war kritisch. Ihr Einflussbereich war durch die Ereignisse der Vormonate auf das Land zwischen Pyrenäen und Ebro begrenzt. Hier sammelten sich nunmehr 8 Korps, die bis zum Eintreffen des Kaisers in einer Verteidigungsstellung ausharren sollten. Auf dem rechten Flügel, angelehnt an den Golf von Biscaya, stand das IV. Korps, ihm gegenüber vor Bilbao der spanische General Blake mit ca. 30.000 Mann.
Am 24. Oktober eröffnete dieser bei Zornosa den Angriff auf die französischen Vorposten. Die Franzosen zogen sich auf Durango zurück. Am 31. griff dann Marschall Lefebvre an, und trieb die Spanier wieder nach Zornosa zurück. Am 1. November besetzte die Deutsche Division Bilbao. Am 14. November wurde das nassauische Regiment kurzfristig dem 1. Armeekorps unterstellt und beteiligte sich an Soults Vormarsch auf Santander. Kurze Zeit später wurden die Nassauer allerdings wieder zurückgerufen, und am 9. Dezember erreichten sie Madrid.
Hier hielt der Kaiser persönlich Revue über die Deutschen Truppen ab. Unter anderem erhielt Oberst von Kruse und die beiden Bataillonskommandeure das Kreuz der Ehrenlegion. Bis Mitte Januar 1809 bezogen die Nassauer Quartiere in Madrid.
In diesem Monat verließ die Deutsche Division die spanische Hauptstadt um die Brücken über den Tajo (im Süden der Stadt gelegen) zu sperren und dadurch den Vormarsch der spanischen Armee zu verhindern. Eine Vielzahl kleinerer Gefechte fand entlang des Tajo zwischen Talavera, Argobispo und Almarez statt. Eine Umgestaltung innerhalb der Reihen der Deutschen Division hatten dazu geführt, dass nunmehr die Nassauer gemeinsam mit dem Bataillon des Großherzogtums Frankfurt die 1. Brigade bildeten.
Das 1. Bataillon Nassauer hielt den vorgeschobenen Posten bei Almaraz, während das zweite Bataillon bei Argobispo lag. Zwischen dem 24. und 27. Januar kam es dann zu Gefechtshandlungen um die Brücke bei Almaraz. Trotz heftiger Gegenwehr gelang es den Nassauern nicht die Brücke zu halten. Allerdings bleibt zu bemerken, dass ihnen eine Streitmacht  mit 6000 Mann und vier Geschützen gegenüberstand. Mehrere Gegenangriffe im darauffolgenden Monat konnten die Sprengung der Brücke durch die Spanier nicht verhindern.
Am 24. Februar wurde das Regiment in Arenas mit den Grausamkeiten des "Totalen Krieges" konfrontiert.  Hier war eine Abteilung westfälischer Cheveaulegers von Spaniern ermordet worden. Die daraufhin durchgeführte "Strafaktion" führte zur Brandschatzung und Plünderung des Ortes, "ein Verfahren, das zwar bei den Franzosen üblich, die Moral und Disziplin der Truppe in so unerhörter Weise (allerdings) schädigte, dass Oberst von Kruse gezwungen war, durch die strengsten Maßregeln die alte Zucht in dem vorher so gut disziplinierten Regiment wieder herzustellen." (Kolb, Unter Nassaus Fahnen, Wiesbaden 1903).
Nach dieser unrühmlichen Aktion rückte das Regiment nach Talavera, erhielt hier seinen ersten Nachschub und nahm am 17. März 1809 an der Schlacht von Mesa de Ibor teil. Die 1. Brigade war auch hier wieder neu umgestaltet worden. So bestand sie nun aus den kombinierten 8 Voltigeurkompanien der ganzen Division und dem Regiment Nassau.

Die Spanier hielten das linke Steilufer des Tajo. Unter heftigem Feuer durchwateten die Nassauer den Fluß und erstiegen das Ufer. Auf der Höhe angekommen, warf sich das Regiment einer spanischen Brigade entgegen, und zwang diese auf die hinter dem Ort Mesa de Ibor gelegenen Höhenzüge zurück. Unterdessen waren auch die Reste der deutschen Division angekommen (Baden, Hessen, Frankfurt und Holland) und vereinigten sich mit den Nassauern. Unter heftigem Kartätschenfeuer durchschritten die Regimenter die Ebene und attackierten die Spanier in den Höhenstellungen. Abwechselnd Bataillonssalven gebend, rückten die Nassauer gegen die feindliche Position vor und eroberten sie.
Die Schlacht bei Mesa de Ibor kostete die Nassauer 10 Offiziere, 34 Unteroffiziere und 271 Mann an Toten und Verwundeten. Als Auszeichnung gewährte der Fürst das Tragen der goldenen Tapferkeitsmedaille an der Fahne des 2. Bataillons, das die Hauptlast des Angriffes getragen hatte.
Nur wenige Tage später sollte eine neue Bewährungsprobe auf die Nassauer warten.  Am 26. März führte der Brigadekommandeur General von Schaeffer mit den Voltigeurkompanien der Division, dem Regiment Nassau, 200 Dragonern und zwei Geschützen eine Erkundung nach Medellin durch. Einen Tag später rückte die ganze Division auf die Stadt vor. Die Division Vilatte war bereits eingetroffen. Am 28. März kam es zur Schlacht. Der spanische General Cuesta befehligte 30.000 Infanteristen, 7.000 Kavalleristen und 30 Kanonen (Die spanischen Truppen setzten sich wie folgt zusammen: A/ Infanterie - 4. Bataillon Spanische Garde, 2. und 4. Bataillon Wallonische Garde, 2. Regiment von Mallorca mit 2 Bataillonen, 2. Bataillon katalonische leichte Infanterie, Provinzial Bataillon von Badajoz, Provinzial Grenadierbataillon, Regiment Badajoz mit zwei Bataillonen, Regiment Merida mit einem Bataillon, Regiment La Serena mit einem Bataillon, Regiment Jaen mit zwei Bataillonen, Regiment Irlanda mit zwei Bataillonen, Provinzials aus Toledo mit einem Bataillon, Provinzials aus Burgos mit einem Bataillon, 2. Bataillon Voluntarios aus Madrid, 3. Bataillon Voluntarios aus Sevilla, Regiment aus Campo Maior, Provinzials aus Cadiz, Provinzials aus Cordoba, Regiment Osuna mit zwei Bataillonen, Granaderos del General, Tiradorez de Cadiz  B/ Kavallerie: 1. Husarenregiment Estremadura (Maria Luisa), 4. Husarenregiment (Voluntarios d'Espana), Regimenter Rey, Infante, Almanza  - bei den letzten drei Regimentern handelt es sich übrigens um Truppen des Marquis de la Romana, die mit diesem in Dänemark gewesen waren, vgl. hierzu Maik Rhode in der Infopost 04/98 - , Cacadores de Llerena, Imperial de Toledo (Neuaushebungen) C/ Die Artillerie bestand aus 650 Mann mit 30 Kanonen, außerdem existierten noch zwei Pionierkompanien mit 200 Mann).
Dieser Streitmacht standen die beiden Divisionen Marschall Victors mit insgesamt 17.000 Mann gegenüber.
Die Franzosen eröffneten die Schlacht, wurden allerdings von den Spaniern zurückgeworfen, die nun ihrerseits attackierten. Das Regiment Nassau stand dabei auf dem rechten Flügel des französischen Zentrums in Karreeformation zur Deckung einer Kavalleriedivision. Mit einem kombinierten feindlichen Angriff - ca. 4 -5000 Mann Kavallerie, Artillerie und Infanterie (Wagner, Kriegserlebnisse nassauischer Soldaten, Wiesbaden 1917) - konfrontiert, fiel die französische Kavallerie zurück. Das Regiment Nassau behauptete allerdings die Stellung, musste sich allerdings aufgrund der Übermacht geordnet zurückziehen. Tatenlos sah man der Ermordung der Verwundeten zu. Ein Gegenangriff mehrerer französischer Kavallerieregimenter warf allerdings die spanische Kavallerie zurück. Die alleingelassene Infanterie wurde nun zusammengehauen.
Dieser Erfolg im Zentrum der Schlacht, führte dazu, dass sich auch die Flügel stabilisierten. Der Gegenangriff führte zum Erfolg. Auch die Nassauer stürmten im Bajonettangriff auf die spanischen Truppen zu, und warfen sie auf Don Benito zurück. Die Grausamkeit dieser Schlacht entlud sich auch hier: "Von rasender Wut ergriffen, machten sie alles nieder, was sich ihnen an spanischen Soldaten und Einwohnern mit der Waffe entgegenstellte. Der Ort wurde ihnen dann zur Plünderung überlassen (Kolb)."
Die Nassauer verloren in dieser Schlacht 4 Offiziere und 159 Mann. Der Herzog von Nassau verlieh nach dieser Schlacht auch der Fahne des 1. Bataillons die Tapferkeitsmedaille.

Das nächste größere Treffen, an dem die Nassauer beteiligt waren, war die Schlacht von Talavera am 27. und 28. Juli 1809. Hier trafen die Nassauer zum ersten Mal auf ihren späteren Oberbefehlshaber Arthur Wellesley und seine englisch-spanische Armee.
Den Hergang der Schlacht habe ich in einem früheren Artikel bereits beschrieben. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz auf das Engagement der Nassauer eingehen.
Am 28. Juli gegen zwei Uhr erhielt das 4. Armeekorps den Befehl das englische Zentrum anzugreifen. Die Deutsche Division stand dabei im ersten Treffen. Das Regiment Nassau auf dem rechten Flügel. Englische Kavallerie zwang alsbald die Nassauer dazu in Karreeformation überzugehen. Das 45. englische Infanterieregiment näherte sich dem Karree der Nassauer, eröffnete allerdings nicht das Feuer, wohl weil man das Regiment mit einem Verband der Königlich Deutschen Legion verwechselte. Diesen Irrtum machte sich der Regimentskommandeur v. Kruse zunutze. Er befahl einen Bajonettangriff, und ihm gelang die Gefangennahme von 5 Offizieren und 56 Mann. Der englische Regimentskommandeur fiel bei dem Angriff. Obwohl sich die Nassauer nachfolgend zurückziehen mussten, geschah dies in voller Ordnung unter Mitnahme der Kriegsgefangenen.
2 Offiziere und 72 Mann waren tot, 131 Mann verwundet. Der Gesamtverlust der Deutschen Division bei Talavera betrug 103 Gefallene, 827 Verwundete und 77 Gefangene. Da die volle Kampfstärke 4267 Mann betragen hatte, bedeutete dies einen Verlust von 25 Prozent.
Nach der Schlacht bei Talavera waren die Nassauer noch an einigen kleineren Gefechten gegen spanische Truppen beteiligt ( 5. August Aranjuez, 7. Toledo, 9. Alcantara/Almonacid, 19. November Ocana). Am 23. November begleiteten die Nassauer einen Kriegsgefangenentransport von 15.000 Gefangenen nach Bayonne.
Vom April 1810 bis zum Juni 1812 teilten die Nassauer das Los der anderen deutschen Truppen auf der iberischen Halbinsel. Auch sie wurden zur Partisanenbekämpfung herangezogen. Mit einer kombinierten Eingreiftruppe aus 1000 Mann Infanterie, 300 Mann Kavallerie ( die 2. Schwadron der nassauischen Jäger wurde mit dem Infanterieregiment Nr. 2 vereinigt) und zwei Geschützen hatte Oberst von Kruse den Auftrag seinen Distrikt zu schützen und alle Ansammlungen von regulären und irregulären Truppen der Spanier zu verhindern.
In der zweiten Jahreshälfte 1812 hatte sich die allgemeine Kriegslage auf der iberischen Halbinsel geändert und die Armee de centre wurde wieder zu größeren Aktionen zusammengezogen.
Nach der Einnahme Ciudad Rodrigos und Badajoz durch die britische Armee Wellingtons hatte sich die strategische Lage zuungunsten der Franzosen verändert. Die Nassauer wurden dem Korps des Marschalls Suchet unterstellt. Hier bildeten sie gemeinsam mit dem badischen und dem Frankfurter Kontingent, einem französischen Regiment und den Resten der spanisch-josephinischen Truppen einen Teil der Division unter General d'Armagnac. An der Schlacht von Salamanca am 14. November 1812 war die Division noch nicht beteiligt. An der Entscheidungsschlacht bei Vittoria am 21. Juni 1813 nahm sie allerdings regen Anteil. Die Rolle der Division d'Armagnac in diesem Aufeinandertreffen sowie ihre Verwendung bis zum Übertritt der Nassauer auf die englische Seite am 10. Dezember 1813 habe ich bereits in meinem Artikel über die Frankfurter im Peninsular War ausführlich beschrieben. Erwähnenswert an dieser Stelle bleibt nur noch der Tagesbefehl des Herzogs Friedrich August vom 19. Juli 1813 aus Veranlassung der Schlacht von Vittoria: "Mein 2. Regiment, welches seit fünf Jahren unter dem Befehl seines so verdienstvollen Obersten bei jeder Gelegenheit, deren es so viele fand, mit Ruhm bedeckte, hat auch den 21. Juni und an den darauf folgenden Tagen sich des erlangten Namens würdig gezeigt und bewiesen, was echte Tapferkeit, Ordnung und Standhaftigkeit unter Anführung solcher Offiziere auch in gedrängten Lagen vermag. Es hat sich die größten Verdienste in dem, was in jenen kritischen Tagen bezweckt wurde, mithin aufs Neue meinen Dank, meine vollste Zufriedenheit erworben, welche Gesinnungen ich hiermit dem Obersten von Kruse, den sämtlichen Offizieren, dem ganzen Regiment ausspreche und indem ich noch beifüge, das 2. Regiment hat nicht aufgehört, das alte Regiment, welches es seit fünf Jahren ist, zu sein, erschöpfe ich alles, was ich zur Vermehrung seines Ruhmes sagen kann."

Neben dem 2. Regiment war auch das 1. Regiment Nassau auf der iberischen Halbinsel tätig. Seit dem März 1810 unterstand es dem VII. Korps des Marschalls Augereau und bildete zusammen mit dem 4. Rheinbund Regiment die 1. Brigade in der aus Deutschen formierten Division des Generals Rouyer. Ihr Einsatzgebiet lag abseits der großen Schlachten in Katalonien. Allerdings ist ihr Einsatz nicht zu unterschätzen. Der Gefechtskalender des 1. Regimentes weist vom 21. März 1810 bis zum 14. September 1813 insgesamt 36 Gefechte auf. Beispielhaft ist der Einsatz der Truppe gegen spanische Partisanen bei Manresa zwischen dem 19. März 1810 und dem 6. April 1810: Hier verlor das Regiment insgesamt 484 Mann an Gefallenen, Verwundeten, Gefangenen oder Vermissten. Das ebenfalls beteiligte Herzoglich-Sächsische Regiment hatte 353 Mann verloren.
Belagerungen verschiedener spanischer Festungen, Kommandounternehmen gegen die Partisanen (der Begriff scheint mir hier wirklich angebracht: Beispielsweise wurden in Barcelona zwei "Partisans Kompanien" aufgestellt, Spezialeinheiten, die teils aus den vorhandenen Regimentern, teils aus spanisch sprechenden Mannschaften aus den französischen Pyrenäen gebildet waren, und die Spezialaufgaben gegen die Partisanen durchführen mussten), aber auch öde Garnisonsdienste bestimmten hier die Tätigkeit der Nassauer über Jahre.
Ein Einsatz gegen die Invasion der Engländer im Juni 1813 gegen Tarragona blieb den Nassauern versagt, weil der kommandierende englische General Murray seine Armee wieder einschiffte.
Am 22. Dezember 1813 wurde das 1. Regiment Nassau, aufgrund der Ereignisse in Deutschland, entwaffnet und in französische Kriegsgefangenschaft geführt. Der Kommandeur Oberst Meder war zwar von Oberst v. Kruse unterrichtet worden, dass das 2. Regiment auf Befehl des Landesherren, den Übergang zu den Engländern plane, aber Meder zögerte, da ihm kein persönlicher Befehl aus Nassau vorlag. Meder selbst trat nach der Entwaffnung in französische Dienste, fiel aber kurze Zeit später vor Barcelona.
Abschließend soll noch einmal kurz die Geschichte der nassauischen Kavallerie in Spanien nachgezeichnet werden.
Mit dem 2. Infanterieregiment war die 2. Schwadron der nassauischen Chasseurs a Cheval nach Spanien entsandt worden. Bis zum Februar 1810 wurden die Jäger in Burgos zurückgehalten. Danach erfolgte ihre Vereinigung mit dem 2. Regiment, die bis zum Juni 1812 währte. Ihre Rolle in der Schlacht von Vittoria wurde bereits an anderer Stelle beschrieben. Im Juli 1813, also nach dem Treffen bei Vittoria, erreichte dann noch die 1. Schwadron der Chasseurs a Cheval Spanien.  Sie wurde zusammen mit der zweiten Schwadron in den letzten Monaten des Spanienfeldzuges eingesetzt. Am 22. Dezember erreichte die beiden Schwadronen das gleiche Schicksal, wie das des 1. Regimentes. Die Truppen mußten ihre Pferde abgeben, sie wurden entwaffnet und in Kriegsgefangenschaft geführt.
So endete das Engagement der Nassauer in Spanien, aber nicht in den napoleonischen Kriegen. Ihr Einsatz bei Quatre Bras und Waterloo sollte noch kommen.



Uniformen

Nassauer

Die Uniform der nassauischen Truppen in Spanien unterlag insbesondere hinsichtlich der Kopfbedeckung  einigen Änderungen. Die Uniformjacke war dunkelgrün, einreihig geschlossen, mit schwarzen Aufschlägen. Die Knöpfe waren gelb, die Schoßumschläge grün mit gelb abgesetzt. Die anfänglich weißen Westen wurden später durch grüne mit gelber Paspelierung  abgelöst. Die Beinbekleidung bestand entweder aus grauen Breeches in schwarzen Gamaschen oder später aus dunkelgrünen Hosen über kurzen schwarzen Gamaschen. Die Hosen hatten gelbe Biesen und Ungarische Knoten. Als Kopfbedeckung trug man den französischen Tschako, abgesehen von den Grenadieren. Die ersten Grenadierkompanien der zwei Regimenter trugen zunächst einen Helm im bayrischen Stil, die zweiten Grenadierkompanien den französischen Grenadier Tschako. Bis 1810 erhielten alle Grenadiere einen braunen Pelzkolpak mit rotem Beutel, Pompon, Federstutz und Kordel.
Die Elitekompanien (Grenadiere und Voltigeure) trugen die Unterscheidungsmerkmale nach französischem Stil: Grenadiere: roter Hutbesatz, rote Epauletten, rote Säbelriemen und eine rote Granate auf den Schoßumschlägen. Voltigeure: grüner Federstutz mit gelber Spitze, Messinghorn als Mützenabzeichen, grüne Kordel und Epauletten sowie Säbelriemen und ein gelbes Horn auf den Schoßumschlägen. Füsiliere trugen Tschakos mit weißen Kordeln, schwarzer Kokarde, Pompon in der Kompaniefarbe (1. Kompanie gelb, 2. weiß, 3. hellblau, 4. schwarz) und einem ovalen Mützenabzeichen aus Messing mit der von Waffen und Fahnen umkränzten Regimentsnummer.
Französische Dienstgrad- und Waffengattungsabzeichen sowie französische Waffen ergänzten die Ausrüstung.
Offiziere trugen goldene Ringkragen, Portepees und Epauletten und zur Parade goldene Tschako-Kordeln. 1810 war der Zweispitz bei den Offizieren durch den Tschako bzw. die Pelzmütze ersetzt worden.
Zum Umbau empfehlen sich hier die Österreicher von Esci. Diese sind mit einem Tschako der französischen Linieninfanterie auszurüsten bzw. mit einer Pelzmütze der französischen Gardejäger von Revell. Man beachte, dass bis 1810, also in den oben genannten Schlachten bis Talavera, noch der bayrische Helm getragen wurde. Dieses Kaskett ähnelt dem österreichischen Infanteriehelm (Esci lässt grüßen), nur empfehle ich für Bastler eine Umgestaltung des Helmkammes zu einer Raupe.
Die Reitenden Jäger waren ganz in Dunkelgrün gekleidet mit Silbertresse und Knöpfen und schwarzem Lederzeug. Ebenfalls um 1810 wurde der bayrische Helm durch schwarze Pelzkolpaks mit grünem Beutel (Offiziere mit silberner, Mannschaften mit weißer Quaste) ersetzt. Gleichzeitig erhielten die Jäger Pelissen mit schwarzem Pelz und weißen Tressen sowie Knöpfen. Die engsitzenden dunkelgrünen Breeches, in Husarenstiefeln getragen, wurden durch gleichfarbene bzw. graue Überhosen verdrängt (vorhandene Quellen berichten auch von roten Überhosen der Offiziere). Waffen waren ein Karabiner, Pistolen und ein gebogener leichter Kavalleriesäbel. Die Säbeltaschen bestanden aus schwarzem Leder mit dem Monogramm "FA".
Als Truppe kann hier auf den Figurensatz der französischen Gardejäger von Revell zurückgegriffen werden. Für die Anfangszeit kann hier der Kopf mit demjenigen der Life Guards von Revell getauscht werden. Der Federstutz war dunkelgrün und befand sich auf der rechten Seite des Helmes. Also Augen zudrücken oder umbauen.

Spanien





Vielleicht ist es ja für einige Sammler interessant sich einmal mit den frühen Schlachten in Spanien auseinanderzusetzen. Deshalb nachfolgend noch einige Hinweise zu den spanischen Uniformen bei Medellin.
Die Grundfarbe des Waffenrocks war weiß. Regimentsbezogen wurden unterschiedliche Abzeichenfarben am Kragen, den Rabatten, den Ärmel- und Schoßumschlägen getragen (z.B.: Regiment Jean - dunkelblau, Kragen und Knöpfe weiß, Mallorca - rot, Kragen und Knöpfe weiß). Die Breeches waren ebenfalls weiß, die schwarzen Gamaschen reichten nur bis unter das Knie. Die Zentrumskompanien trugen Zweispitze, die Grenadiere eine Pelzmütze mit einem hängenden Flügel, der über den Nacken bis unterhalb der Schultern fiel. Erwähnenswert ist noch die Uniformierung des Regiments Irlanda. Dessen Soldaten trugen hellblaue Uniformröcke mit gelben Aufschlägen, Rabatten und Knöpfen. Auch die wallonische Garde unterschied sich in der Uniformfarbe. Diese war dunkelblau, der Kragen und die Rabatten ebenfalls in dieser Farbe, die anderen Aufschläge in rot.
Die Grundfarbe der leichten Infanterie war dunkelblau, der Mantel war braun. Ansonsten die gleiche Uniformierung wie bei der Linieninfanterie. So hatte die katalanische leichte Infanterie einen dunkelblauen Kragen sowie Knöpfe, Aufschläge und Rabatten in gelb.
Die Provinzial Miliz trug weiße Uniformen mit roten Abzeichen und Umschlägen.
Als Truppen kann man hier die preußische Infanterie von Esci (1806) verwenden. Als Grenadiere sind die österreichischen Grenadiere des 7 jährigen Krieges von Revell heranzuziehen.
Die Linienkavallerie trug den Zweispitz und einen Uniformschnitt, der demjenigen der Infanterie sehr ähnelte. 

Das Regiment El Rey trug eine dunkelblaue Uniform mit roten Aufschlägen und Rabatten, dunkelblaue Breeches in hessischen Stiefeln. Das Regiment Infante weiße Kragen, Rabatten und Aufschläge. 
Die Dragoner hatten ebenfalls den Zweispitz, allerdings gelbe Uniformen. 
Als Figurensatz empfiehlt es sich hier auf die preußischen Kürassiere von Italeri zurückzugreifen.

Das Regiment Almanza hatte hellblaue Aufschläge (Anzumerken bleibt, dass einige Quellen berichten, dass das Regiment Almanza zwischen 1807 und 1808 die Jägeruniform mit dem Tschako adaptierte - Erscheinungsbild ähnlich den französischen Husaren von Italeri -. In diesem Fall muss man also von der grünen Jägeruniform ausgehen. Die Aufschläge waren rot.).


Das Husarenregiment Maria Luisa trug als Kopfbedeckung den Mirliton mit rotem Flügel (später Tschakos), einen scharlachroten Dolman mit blauem Kragen und Aufschlägen sowie eine hellblaue Pelisse mit schwarzem Pelzbesatz und hellblaue Breeches in Husarenstiefeln. Das Husarenregiment Espana benutzte ebenfalls den Mirliton mit hellblauem Flügel, der Dolman war allerdings smaragdgrün mit hellblauem Aufschlägen und Kragen, die Pelisse himmelblau mit schwarzem Pelz und smaragdgrünem Kragen und Aufschlägen. Die Farbe der Breeches war hellblau.

Hier kann man auf die preußischen Husaren des 7 jährigen Krieges von Revell zurückgreifen.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass meine Quellen bezüglich der Schlacht von Medellin eine Ungereimtheit aufweisen. Im Fall der Kavallerie wird zwar von dem Husarenregiment als Voluntarios d'Espana gesprochen, allerdings firmierte dieses Regiment als Regiment Espana. Bei den Voluntarios d'Espana handelte es sich um eine Jägereinheit. Da ich diesen Widerspruch leider nicht aufklären konnte, füge ich noch kurz eine Beschreibung der Voluntarios d'Espana hinzu: Die Chasseurs trugen grüne Dolmans und Breeches in Husarenstiefeln. Der Kragen und die Aufschläge waren hellblau. Als Kopfbedeckung wird sowohl der Tschako als auch ein Helm mit schwarzer Raupe erwähnt.
Hier kann man wiederum auf die französischen Gardejäger von Revell zurückgreifen. Die Köpfe können von den französische Husaren (Italeri) oder von den Esci Österreichern genommen werden (die Raupe war nicht so hoch; deshalb empfiehlt es sich hier nicht die Helme der Life Guards (Revell), der Carabiniers (Italeri) oder der russischen Dragoner (Hät) zu verwenden, sondern vielmehr den österreichischen Infanteriehelm mit einer Raupe zu versehen).
Die Uniformfarbe der Artillerie war dunkelblau mit rotem Kragen, roten Ärmel- und Schoßaufschlägen. Die Hose war ebenfalls dunkelblau. Als Kopfbedeckung wurde der Zweispitz getragen. Anderen Quellen sprechen von einem Hut, ähnlich dem korsischen Hut, einer roten Weste und weißen Hosen.

 (Markus Stein: Napoleon Online http://uniformenportal.de/picture.php?/1863/category/102 )

Als Artillerietruppe kann man die französische Gardeartillerie (Esci), umgebaut mit dem Zweispitz der preußischen Dragoner (Italeri) bzw. dem an der Spitze gekürzten korsischen Hut von Häts Braunschweigern, verwenden.
Die Uniform der Pioniere entsprach weitestgehend derjenigen der Artillerie. Die Sappeure trugen eine Bärenfellmütze. So kann man die französischen Gardesappeure von Esci verwenden: Hier schwarze Rabatten und Kragen, blaue Uniform, weißes Lederzeug, schwarze Schürze und weiße Gamaschen. Bärenfellmütze mit großem Schild. Es empfiehlt sich die französische Bärenfellmütze etwas zu kürzen.
Viel Spaß beim Basteln.

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