Mittwoch, 14. März 2018

Das Berliner Stadtschloss - Ein klares Bekenntnis

In Germany there was a lively discussion a few years ago as to whether the Berlin City Palace should be rebuilt or not.
Many, often purely political, reasons were used for and against it.
Meanwhile, the castle in the center of Berlin is growing out of the ground. 
I myself supported the reconstruction with a small contribution. Already with 50, - € you are in.
For me, the new castle symbolizes the growing together of the center of Berlin. The former center of Berlin is emerging as a democratic new beginning, the heart of a new modern, democratic Germany.
Maybe you, my dear readers, also want to support this development.
Then please inform yourself on these pages.


Have fun with the pictures and my little report.


Wenn ich ein Projekt unterstütze, und dies nicht nur gedanklich, dann ist es der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Warum?
Nein. Ich mag die preußische Geschichte nicht wirklich. Ich bin auch kein Freund der alten Preußen, Ihres teils militaristischen Gedankenguts, Ihres Geltungsstrebens über Jahrhunderte hinweg.
Ich bin sogar froh, dass es Preußen nicht mehr gibt, und ja, ich kann die Gedanken der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verstehen, als sie das Land Preußen mit dem Kontrollratsgesetz 46  vom 25.2.1947 de jure auflösten:
”Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz:
Artikel 1
Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.”
– Alliierter Kontrollrat am 25. Februar 1947
Im Grunde gibt es nur eine Epoche Preußens, die ich mag; und dies ist das ”rote” Preußen unter der sozialdemokratischen Regierung Otto Braun während der Weimarer Republik. Man sollte nicht vergessen, dass im größten deutschen Flächenstaat von 1919 bis 1932 Regierungen der Großen Koalition die Regierungsgeschäfte führten. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten hier demokratische Mehrheiten gegen Nationalsozialisten gefunden werden. Das Parlament war wesentlich stabiler, als das Parlament im Reich, unter anderem weil es in Preußen bereits das konstruktive Misstrauensvotum gab, also ein Ministerpräsident nur dann abgewählt werden konnte, wenn es gleichzeitig zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten kam.
So konnten Otto Braun und sein Innenminister Carl Severing lange Zeit die Rolle Preußens als demokratisches Bollwerk der Weimarer Republik auch leben.
Preußen zerschlagen, hat auch nicht der Alliierte Kontrollrat, sondern die Reichsregierung von Papen.
Franz von Papen löste am 20.Juli 1932 die geschäftsführende Regierung Preußens ab und setzte sich selbst als Reichskommissar ein.
Dieser ”Preußenschlag”, wie er in der historischen Literatur genannt wird, ist de facto das Ende Preußens.
Die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten erledigte den Rest.
Soviel zur Geschichte Preußens.
Aber was ist mit dem Schloss? Warum fasziniert es mich so?
Zum einen ist da einfach die simple Tatsache, dass es sich bei dem Berliner Stadtschloß um ein Juwel des norddeutschen Barock handelte.

Zum anderen wurde das Schloss – obwohl man es nach dem Krieg hätte restaurieren können – als Symbol Preußens und des Kaiserreichs grundlos abgerissen.



Die neuen Machthaber der SED wollten nach außen den Sieg der sozialistischen Gesellschaftsordnung über die feudale bzw. kapitalistische Gesellschaft auch symbolisch zum Tragen bringen. Das Geschichtsbild des Historischen Materialismus sollte halt auch hier manifestiert werden.
Kein Wunder, dass deshalb auf dem Boden des alten Schlosses zuerst der Marx-Engels Platz als Paradeplatz und später dann der Palast der Republik erbaut wurde.
Das Zentrum des Sozialismus an der gleichen Stelle, wo früher das Zentrum der feudalen Gesellschaft war.
Der Sieger hisst seine rote Fahne über dem preußischen Adler.
Irgendwie logisch.
So etwas hat ja Tradition. Sieger haben gerne an Plätzen des Verlierers ihre Macht dargestellt. Viele Kirchen stehen auf Plätzen ehemaliger heidnischer Kultstätten.
Schlösser, gebaut von ehemaligen Machthabern eines Landes und als Repräsentationsstätten ihrer absolutistischen Macht, beherbergen heute oftmals Parlamente, die Volksvertretungen. Jetzt ist nicht mehr der Einzelne Repräsentant, sondern die Vielen. Der neue Machthaber ist nicht mehr der Fürst, König oder Kaiser, sondern das Volk.
In einer Demokratie ist das Volk der Souverän.
Man sieht, auch hier ist die Umwandlung logisch und Teil eines bestimmten Gesellschaftsbildes.
Na zum Glück war ja dann der Palast der Republik asbestverseucht, so dass man ihn gar nicht erhalten musste.
Ein Schelm, wer jetzt Böses dabei denkt.
Jetzt müssen auch diese beiden Herren wieder auf das Schloss schauen. Sie stehen, welch Ironie des Schicksals, auf der anderen Seite des Spreekanals. Na und ihr Blick sagt alles.
Ein Schelm, wer jetzt Böses dabei denkt.


Der Wiederaufbau des Schlosses wurde dann vom Parlament entschieden, im Juli 2002.
Na und was soll ich sagen.
Ich stehe voll dahinter.
Ich war erst vor ein paar Wochen wieder einmal in Berlin, und es ist einfach so, dass die Mitte der Stadt immer noch unvollendet wirkt.
Bis zum Jahr 2013 war das merklich zum Greifen. Eine riesige Baulücke mit Ausgrabungen mitten in der Stadt.
Nachfolgend einige Bilder aus dem Jahr 2010.





Seit dem Sommer 2011 informiert die auf dem Schloßplatz errichtete ”Humboldt Box” über das Berliner Stadtschloß und das geplante Humboldtforum.



Dabei wirbt die Einrichtung natürlich auch massiv, um die Spenden für die privat finanzierten barocken Fassaden des Neubaus aufzubringen.
Im Sommer 2013 fand dann die Grundsteinlegung des Schlosses durch Bundespräsident Gauck in einem offiziellen Festakt statt.


Mittlerweile steht der Rohbau.
Berlin ist in der Mitte eine riesige Baustelle. Da steht ein Betonklotz, denn so sieht es halt noch aus, der dann irgendwann wieder dem Bild des ehemaligen Schlosses entsprechen wird.





(die obigen 5 Bilder aus 2014)

Staatsoper und Nationalbibliothek sind zur Zeit auch komplett eingerüstet.
Die Bauakademie Schinkels ist weiterhin nur eine Schaufassade.

(Bild 2014)


(Bild 2016)


(Rückseite Richtung Auswärtiges Amt 2017)

Berlin ist an dieser Stelle momentan ziemlich hässlich. Die Schönheit des Boulevards Unter den Linden doch sehr eingeschränkt. Die Gesamtkonzeption ist weg.
Aber in ein paar Jahren wird das dann anders aussehen.
Das Schloss wird auch visuell eine Lücke schließen.
Man darf halt nicht vergessen, dass die ”Neubauten” der Museumsinsel, des Berliner Doms, in ihrer Entstehungszeit auf das Schloss ausgerichtet, und in eine Gesamtkonzeption eingefügt waren.
Diese Gesamtkonzeption ist nach dem Krieg zerstört worden.
Toll finde ich allerdings, dass der Neubau aber keine pure Kopie wird.
Natürlich waren die Diskussionen vielfaltig: Welcher Typ des Stadtschlosses soll entstehen? Das Schloss der Renaissancezeit? Das Schloss des Barock? Ein gänzlich neuer Entwurf? Mit oder ohne Kuppel? Eine Kombination von Stilen? Wiedererrichtung der barocken Fassaden?
Die Diskussion zog sich länger dahin, und wurde teilweise heftig in die Öffentlichkeit getragen.
Den Wettbewerb gewann ein Entwurf des Architekten Franco Stella.





Drei Seiten des Schlosses werden wieder im barocken Stil rekonstruiert, also mit den entsprechenden Fassaden, ebenso der Innenhof, der sogenannte Schlüterhof. Der Ostflügel, das ist die Seite, die an der Spree liegt, wird modern.
Ich finde diesen Kompromiss sehr gut, auch wenn Puristen an dieser Stelle aufgeschrien haben. Denn der Ostflügel des alten Schlosses war der Teil, der am historischsten gewachsen war, deshalb architektonisch auch keine geraden Linien aufwies. Hier eine neue, moderne, strukturierte Form zu bauen, finde ich nicht schlecht, weil an dieser Stelle immer der Bruch zum Original am deutlichsten sichtbar gewesen wäre. Die gewachsene Struktur von damals hätte man nicht ohne weiteres wieder aufbauen können.
Wenn ich mir das Modell des Schlosses der Renaissancezeit anschaue, muss ich ja schon sagen, dass diese Version, die für mich schönste gewesen wäre. Sie hätte aber überhaupt nicht gepasst.



Das Renaissanceschloss wirkt halt noch wie ein Landschloss, und in der Mitte Berlins hätte so etwas einfach deplatziert gewirkt. Schade. Aber es ist so.
Das jetzt wiedererstehende Schloss fügt sich da viel besser in die Architektur ein und wird sicherlich ein interessantes Zentrum des Stadtteils abgeben.
Da sich der Regierungsapparat im Vergleich zur Kaiserzeit ja an den Spreebogen verlagert hat, also das Gebiet rund um den Reichstag, passt das neue Schloss auch einfach perfekt in die museale Struktur an dieser Stelle. Es soll ja nicht mehr Zentrale der Macht, sondern quasi Symbol des modernen, weltoffenen Deutschlands darstellen.
Das Humboldtforum, wie es dann ja heißen wird, ist als Forum für Kultur, Kunst und Wissenschaft geplant. Schwerpunkt der Ausstellung werden Exponate außereuropäischer Kulturen werden. Daneben finden sich natürlich noch diverse Tagungs- und Konferenzräume.
Museumsinsel (mit Bodemuseum, Pergamonmuseum, Alte Nationalgalerie, Neues Museum, Altes Museum), Zeughaus, Schloss – das ist schon nahezu perfekt. Ein kulturhistorischer Mittelpunkt, dessen Hauptgebäude alle in einem rundum Weg von gerade mal 5 bis 10 Minuten zu erreichen sind.
Für Touristen ein Traum.
Schade ist halt, dass es keine Rekonstruktion historischer Schlossräume geben wird. Ja, ich gebe zu, ich mag so etwas. Die Darstellung von Wohnkulturen aus historischen Zeiten fasziniert mich halt; na und Schlösser bilden da eben das Highlight.
Verstehen kann ich aber die Entscheidung. Man will sich halt auch nicht dem Vorwurf gegenüber sehen, rückwärtsgewandt zu sein. Ein Vorwurf, der gerade bei DEM ”Preußenschloß” definitiv nachvollziehbar ist. Das offenere Preußen, das aufgeklärtere, findet sich ein paar Kilometer weiter.
In Schloss Sanssouci. Das übrigens auch eine Reise wert ist.






(die obige Bilderreihe aus 2015)

Die geschichtliche Problematik macht deshalb auch die Gestaltung des Schlossvorplatzes, der sogenannten Schloßfreiheit, so schwierig.
Früher befand sich ja an dieser Stelle das Kaiser-Wilhelm Nationaldenkmal. Es gibt Stimmen, die auch dieses Denkmal wieder gerne an diesem Platz sehen würden. Meine Herren, das passt nun mal wirklich nicht mehr. Zumal das Denkmal selbst, das völlig überfrachtet daher kam, auch schon in der Kaiserzeit umstritten war.








(Die letzten 8 Bilder stammen aus 2016)

Viel besser ist allerdings der Plan das Freiheits- und Einheitsdenkmal der deutschen Wiedervereinigung, dessen Errichtung der Bundestag am 9.11.2007 beschlossen hatte, an dieser Stelle entstehen zu lassen.
”Bürger in Bewegung” – so lautet der Titel des Denkmals.
Eine riesige begehbare Schale mit der Aufschrift ”Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk” soll diese Schale krönen.
http://www.freiheits-und-einheitsdenkmal.de/
Ich finde die Idee hervorragend, wird doch so das Motto der friedlichen Revolution von 1989 mit der tatsächlichen politischen Wirklichkeit von Heute auf idealste Weise verknüpft.
Ein Motto, das unter den mannigfaltigen Mottos der deutschen Geschichte, endlich einmal demokratischen Geist und eine weltoffene Gesellschaft nach außen spiegelt.
Ein Nationaldenkmal, ein Bürgerdenkmal, auf das ein moderner, demokratischer Deutscher einmal wirklich stolz sein kann. Nichts mit Tschingderassabumm, Wacht am Rhein und Germania.
Ich hoffe, dass das Denkmal noch kommen wird.
Beschlossen wurde es am 1. Juni 2017 durch das Plenum des Deutschen Bundestages. Fertig sein soll es am 9.11.2019, folglich am 30. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer-
Möge der Plan final gelingen.
Jedem Berlin Besucher empfehle ich auf jeden Fall den Besuch der Humboldtbox am Schloßplatz.


(Foto aus 2017)

Mittlerweile ist die hier vorhandene Ausstellung sogar kostenfrei. Im ersten Stock findet sich ein geniales Diorama des alten Berlin. Schwerpunkt ist hier Unter den Linden, Museumsinsel, und das Gelände um Dom und Schloss.
Hier sieht der Besucher, was der Stadt alles verloren gegangen ist.
Gleichzeitig wird natürlich in der Humboldtbox um Spenden geworben, jedoch sehr zurückhaltend, höflich. Die Mitarbeiter sind bestens informiert und helfen einem gerne bei Fragen weiter.
Im zweiten Stock des Gebäudes wird dann über das Humboldtforum selbst informiert.



Zum Abschluss empfehle ich noch einen Besuch der Dachterrasse und des angeschlossenen Cafes.
Auch hier wieder ein Lob an die Betreiber.
Auch wenn man das Cafe nicht besuchen will – das aber einen wirklich genialen Kaffee zu sehr moderaten Preisen kredenzt -, so kann man doch auf beide Teile der Dachterrassen gehen, die Aussicht genießen und Fotos schießen.
Extrem bürgernah und touristenfreundlich.
Volle Punktzahl.

(Foto aus 2014)

Na ich habe mich an die Humboldtbox ja schon gewöhnt und fände es mittlerweile ja schon genial, wenn sie als komplett gläsernes Gebäude – so wie in diesem Modell – einfach am Schloss stehen bleiben würde, mit dem großartigen Diorama des Schlosses in der Mitte der Ausstellung.


Dies wird aber sicherlich nicht der Fall sein.






(Die obigen 6 Bilder stammen aus 2017)

Ich hoffe allerdings, dass dann das Diorama wirklich seinen Weg in das Schloss finden wird, und hier weiter besichtigt werden kann. Dies wäre auf jeden Fall wünschenswert.
Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn ich das Schloss betreten werde, und wenn mein Name – genau wie der Name von tausenden weiterer Spender und Förderer – per Videoprojektion im Eingangsbereich an den Wänden entlanggleiten wird.
Das wird ein toller Moment, und ich werde glücklich sein, diesen neuen demokratischen Aufbau mit unterstützt zu haben.


Wer Lust hat einen Beitrag zum Wiederaufbau des Schlosses zu leisten, kann das hier tun.

https://berliner-schloss.de/spenden-system/

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