Samstag, 10. März 2018

The Swamp Fox - Ein Szenario auf der Tactica


At this year's Tactica, I most loved a game table with the following title: The Swamp Fox and Bloody Ban Tarleton.

For most American, and perhaps British readers, these nicknames say something immediately.
Here in Germany you have to check it out. After reading the story, you are remembered at the two main characters from the movie The Patriot.
It is important, however, that the persons portrayed by Mel Gibson and Jason Isaacs are fictitious, but based on the historical figures Francis Marion and Barnestre Tarleton.
In addition to the film The Patriot, Marion's life was also the model for the TV series of the 60s The Swamp Fox with Leslie Nielsen in the lead role.
At the Tactica a Musket and Tomahawk scenario was played, which was shown on a beautiful game table.

Cotton fields and Southern manor house are self-built. A great model construction performance.
If you are interested in a how-to-built article, you should look at these reports in the German Sweetwater Forum. You can translate the text with the Google Translator:


The pictures are from the Hamburg Tactica. The game table is a joint project of the Tabletopclub Dresden e.V. and the Tabletop Sachsen e.V ..

A great performance of the clubs and for me personally the highlight of the Tactica.
Have fun with the pictures.




Als ich mich im Vorfeld der diesjährigen Tactica mit den Präsentationen beschäftigte, wurde ich daran erinnert, dass da ein bestimmtes Szenario in der Mache war, dessen Entstehung ich - wie viele User des Sweetwaterforums - schon einige Monate verfolgt hatte.
Na und das, mit immer stärker wachsender Neugier.
Mein Interesse war schon deshalb geweckt, weil mich die Epoche halt schon immer fasziniert hatte, und weil sie von mir tatsächlich am häufigsten bespielt wurde.
The Swamp Fox hieß das Ganze; und irgendwie hatte es da schon angefangen in meinem Hirn zu klingeln.


The Swamp Fox… Da war doch was.
Ich gebe zu. Ich musste es mir selbst nochmals in die Erinnerung zurückholen, aber dann stand mir das Szenario schon deutlich vor den Augen.
Logisch.
Da war doch die Serie aus den 60er Jahren mit Leslie Nielsen. Ja genau DEM Leslie Nielsen: Inspektor Frank Drebin aus der nackten Kanone.



Die Serie, also The Swamp Fox, begann damit, dass Leslie Nielsen irgendwo zum Trinken eingeladen war, dazu aber keinen Bock hatte, und aus dem Fenster sprang. Zum Glück nicht auf sein Pferd, wie so mancher Westernheld. Meine Frau bekommt da immer einen Herzinfarkt und macht sich Sorgen um den Rücken des armen Tieres – ja, heutige Reiter gehen viel netter mit ihren Reittieren um -, na und ich verspüre nach solchen Szenen immer starke Schmerzen im Unterleib.
Leslie schlägt aber unglücklich auf dem Boden auf, bricht sich den Knöchel, humpelt zum Pferd und kommt irgendwie zur heimatlichen Farm zurück, wo er sich dann erstmal erholen will.
Dabei erfahren wir, dass er so der Belagerung von Charleston entgangen war.
Whaaaaaat?!?!?
Nur, dass es jetzt hier schon erwähnt ist. Das stimmt sogar historisch, na und der historischen Person des Swamp Fox ist das tatsächlich so passiert. Kein Hollywood, sondern Wirklichkeit, obwohl es anfänglich mega konstruiert aussieht.
Danach hat man das Gefühl, dass der gute Leslie – nachdem er sich erholt hat-  ständig im Galopp durch irgendwelche Sümpfe und Wälder reitet. An Nutztieren und an Alligatoren vorbei …
Whaaaaaat?!?!?
Ja. das spielt in South Carolina, na und da gibt es dann schon mal Alligatoren.
Leslie wird dann auch immer von irgendwelchen anderen Reitern in wirklich schönen Uniformen mit Dreispitz verfolgt.
Hmh.
Also kein Western. Kein modernes Setting. Irgendwas aus dem 18. Jahrhundert. Genauer gesagt, dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, was man dann auch irgendwann mal erkennt.
Indianer kommen keine vor.
Komisch für nen Western, muss ich da wohl in Urzeiten gedacht haben.
Gedreht ist das Ganze aber dann so, dass man förmlich darauf wartet, dass der Sheriff von Nottingham irgendwann um die Ecke kommt, und den Swamp Fox erledigen will.
Passiert aber nicht; und grüngekleidete Bogenschützen kommen auch nicht vor.
Dafür werden aber ähnlich lustige Lieder gesungen, wenn der Swamp Fox mit seinen Gesellen durch die Wälder reitet.
Hier mal die Kostprobe.


Das Ganze erinnert somit also schon an ein Robin Hood ähnliches Setting.
Was ich aber an dieser amerikanischen Verfilmung super fand, dass im Gegensatz zu den deutschen Lederstrumpf Filmen mit Helmut Lange aus den 70er Jahren, die Soldaten wenigstens Vorderlader nutzen, die auch von vorne geladen werden, und keine Repetierer aus russischen Armeebeständen durchladen.
Gar lustig ist aber wiederum, dass die Pistolen des Swamp Fox, wie ein Revolver mehrfach abgeschossen werden können. Leider wollte man da weniger historisch sein.
Nun ja; das ist dann die Hommage an das Westerngenre. Der Hollywood Kunde hat das wohl damals  erwartet. Ist spannender, wenn man ganz oft schießen kann.
Einige Jahrzehnte später kam dann etwas anderes in die Kinos, was im Grunde den gleichen Inhalt hatte.
Im Vergleich mit Leslies Swamp Fox, aber so etwas wie die 18er Version.
Von was spreche ich?
Von Mel Gibsons „The Patriot“.

Sie kennen Chuck Norris Witze??? In Chuck Norris Witzen geht es ja im Grunde immer darum, dass Chuck Norris alles schafft, alles regelt, übermenschlich ist, immer gewinnt, alle Gegner tötet, und selbst der ultimative Held ist.
So ähnlich ist Mel Gibson in seiner Filmrolle als Benjamin Martin.
Hätte man Chuck Norris im Jahr 1780 gekannt, und hätte es im Jahr 1780 auch schon die Verfilmung von „The Patriot“ gegeben, dann hätten die damaligen Amerikaner gesagt, „Verdammt. Wenn Benjamin Martin Honig will, dann kaut er Bienen. Wenn Benjamin Martin ins Wasser fällt, wird er nicht nass, sondern das Wasser wird zu Benjamin Martin. Benjamin Martin kann dich auch schneller töten als du sterben kannst. Na und Benjamin Martin wurde von einer Schlange gebissen, es waren 5 harte Tage, dann starb die Schlange …“ Und so weiter und so fort.
Das alles hätten sie gedacht, auch dass Benjamin Martin unter Wasser grillt.

Na und irgendwie hätten sie sich auch die Frage gestellt, ist dieser Benjamin Martin – der Held, den Gibson in diesem Film verkörpert -jetzt der Swamp Fox, oder nicht?
Sie hätten es sich nicht eindeutig beantworten können, denn Benjamin Martin setzt sich tatsächlich aus mehreren historischen Personen zusammen. Also im Grunde genauso, wie man das immer von Chuck Norris vermutet: General Andrew Pickens, Oberst Thomas Sumter, Oberst Daniel Morgan standen Pate für den Charakter. Plus eine Person. Die für diesen Bericht hier wichtigste:
General Francis Marion, der echte Swamp Fox.

Ja. Es gab ihn wirklich; und umso genialer ist es, dass sich der Tabletopclub Dresden e.V. und der Tabletop Sachsen e.V. für die Tactica zu einem Gemeinschaftsprojekt zusammengeschlossen hatten, um eine der Taten von Francis Marion auf die Platte zu bringen. Gespielt wurde das Ganze mit den Regeln von Muskets and Tomahawk, und natürlich war auch der böse Gegenspieler von Marion, Banastre Tarleton mit am Start.

Letzterer war übrigens etwas netter, als die englische Naziversion mit dem Filmnamen Tavington, die uns im Film „The Patriot“ vorgestellt wurde.

Aber nur etwas netter.
Tarleton brannte tatsächlich mit seiner Truppe jede Menge Häuser, Gehöfte, Ernten und Kirchen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nieder. Aber er sperrte da nicht vorher die Bevölkerung ein. Da geht der Film zu weit.


Gegen ihn und seine Truppe zu kämpfen, war aber weiß Gott kein Zuckerschlecken, denn in der Schlacht gab er selten Pardon. Das berühmteste Negativbeispiel dafür ist das Waxhaw (Buford) Massaker, das von den Briten neutral als Schlacht von Waxhaw Creek  bezeichnet wird.
Tarleton verfolgte mit 150 Berittenen eine Miliztruppe aus Virginia unter Abraham Buford, die nach dem Fall von Charleston sich wieder in den Norden zurückzog. Tarletons Einheit legte 105 Meilen in 54 Stunden zurück. Das ist schon ein Parforceritt in Kriegszeiten. Klasse Leistung.
Bei den nachfolgenden Attacken, die Tarletons Truppe gegen die Milizionäre ritten, töteten seine Männer 113 Amerikaner und nahmen 203 Gefangene. Angeblich hatte Tarleton die weiße Fahne der Amerikaner ignoriert. Er selbst hat dann später behauptet, dass er mit seinem Pferd zu Fall gekommen sei, und seine Männer daraufhin gewütet hätten, weil sie dachten, er sei gefallen.
Diese Aktion, und noch ein paar andere, führten dazu, dass Tarleton den „Ehrennamen“ Bloody Ban bzw. Butcher von seinen Feinden verliehen bekam. Er ist auch noch heute einer der umstrittensten Generale im Amerikanischen Bürgerkrieg.
Einer seiner Gegner in South Carolina war Francis Marion, der Swamp Fox, den sie sich ja jetzt schon etwas vorstellen können.



Marion, geboren in Georgetown in South Carolina, hatte seine militärische Karriere kurz vor seinem 25. Lebensjahr begonnen. Ab 1757 kämpfte er in den Grenzkriegen des French Indian War gegen die Cherokee. Bereits damals diente er unter William Moultrie, der dann auch im Revolutionskrieg sein Vorgesetzter werden sollte. Im Juni 1775 wurde Marion nämlich zunächst Hauptmann im 2. Südcarolina Regiment unter Moultrie. Bereits ein Jahr später wurde er zum Oberstleutnant befördert und nahm an der Belagerung von Savannah teil.
Im Mai 1780, als er sich in Charleston befand, kam es zu dem bereits oben beschriebenen Unfall, der ihn dann dazu veranlasste früh genug die Stadt zu verlassen, bevor diese sich dann den Briten ergab.
Nach der Kapitulation Charlestons, nach der für die Amerikaner verlorenen Schlacht von Moncks Corner, und nach dem Waxhaw Massaker entschloss sich Marion sich in die Sümpfe zurückzuziehen und einen Guerillakampf zu starten. Diese Form der Kriegsführung war ihm ja noch aus dem FIW bekannt.
Seine Truppe bestand anfänglich aus 20 Mann. Diese wuchs, in immer wieder wechselnden Konstellationen, bis auf über 200 Mann an. Im Schnitt hatte Marion aber bei den meisten seiner Aktionen bis zu 100 Kämpfer an seiner Seite.
Vor der Schlacht bei Camden schloss er sich sogar General Gates an. Dieser betraute ihn aber weiter mit Kommandoaufgaben.
So gelang es Marion bei Nelson’s Ferry 150 Kriegsgefangene zu befreien und 20 Briten gefangen zu nehmen. Allerdings schlossen sich nur drei ehemalige Gefangene Marions Trupp an.
Gefangenenbefreiungen (z.B. bei Kingstree), Angriffe auf Versorgungstrupps, Überraschungsaktionen gegen loyalistische und britische Truppen (Gefecht bei Blue Savannah am 4-9-1780, Gefecht am Black Mingo 28-09-1780) wurden das tägliche Brot von Marion und seinen Männern.
Tarleton wurde dann auch ausgeschickt, um ihn zu stellen. Doch Marion konnte ihm mehrfach ausweichen.
Bei Mingo Creek, bei Fort Watson, Fort Motte und am Eutaw Spring beteiligten sich Einheiten unter seinem Befehl sogar an etwas größeren Aktionen gegen die Briten. Im Jahr 1781 hatte er dann auch wieder den Befehl über eine Brigade.
Wer sich in die Thematik näher einlesen will, dem empfehle ich den folgenden Band aus der Raid Serie von Osprey:
The Swamp Fox. Francis Marion’s Campaign in the Carolinas 1780.

Ich denke, dass ich diesen Band persönlich auch als Szenariobuch für eine Kampagne verwenden werde. Hier sind einzelne Aktionen von Marion etwas genauer beschrieben, jedenfalls ausführlich genug, um sie in ein kleines Skirmishspiel einzubetten. Eine Karte listet insgesamt 40 Gefechte in South Carolina auf. 17 Gefechte an denen Tarleton beteiligt war, 22 Gefechte von Marion’s Leuten, und eins bei Ox Swamp, wo die beiden dann am 8-11-1780 direkt aufeinander trafen.


Die Idee, das Ganze perspektivisch in ein Kampagnenspiel einzubinden, verdanke ich tatsächlich den Tabletopjungs aus Sachsen. Denn im Grunde hatte ich den wahren Kern des Films „The Patriot“ mittlerweile vergessen.
Vielen Dank für die Erinnerung.



Na und da es doch bekannt ist, dass in den meisten Artikeln der Anfang und das Ende immer am genauesten gelesen wird, möchte ich zum Schluss nochmals auf die Platte der Tactica zurückkommen, deren Bilder man ja in diesem Bericht bewundern kann.
Ich finde sie extrem gut. Und ja, sie ist mein persönlicher Favorit und Goldmedaillensieger der diesjährigen Tactica.



Aber ich bin da auch befangen, weil ich das Thema ja liebe.
Objektiv seien aber zwei Tatsachen genannt.
Die Idee einfach mal eine kleine Plantage mit Baumwollfeldern in einem Szenario darzustellen, ist richtig genial. Im Grunde ist doch das Herrenhaus mit solchen Feldern exakt die klischeehafte Vorstellung, die man hat, wenn man an den Süden denkt.
Tara lässt grüßen.
Hinzu kommt, dass man Baumwollfelder jetzt nicht so nebenbei im Laden kaufen kann. Da muss man sich als Modellbauer schon überlegen, wie man das darstellen will. Der Baubericht ist hier an dieser Stelle zu finden, und extrem unterhaltsam.
Das Ganze dann aber noch zusätzlich so charmant in einen Szenariokontext im AWI einzubinden, finde ich genial. Sicherlich. Es gibt halt auch Gefechte auf Plantagen, wie man das auch im o.g. Buch lesen kann. Aber man denkt halt nicht immer dran. Diesen Gedanken materialisiert zu haben, und dann noch so gekonnt in Szene zu setzen, verdient definitiv mein Lob.
Ich bin da wirklich begeistert. Parteilich. Aber begeistert.
Dann finde ich es zudem einfach super, dass hier traditionelle handwerkliche Fähigkeiten mit modernen kombiniert sind.



Das Herrenhaus ist Marke Eigenbau. Im Kern die gute alte Methode, ein mit einem Proxon Cutter in Form geschnittener Styroporkern. Verkleidet ist der Rohling mit Wänden aus Plastikcard, die dann mit Cutter und Feile eine Holzstruktur bekamen. Schornstein, Dach, Fenster, Fensterläden stammen wiederum aus einem 3D Drucker.
Zwei Modellbauwelten miteinander verbunden. Tradition trifft Moderne.
Klasse. Einfach klasse.
Wer sich den Bau des Herrenhauses einmal näher betrachten will, der sollte sich die Dokumentation an dieser Stelle hier im Sweetwaterforum anschauen:

Die Gestaltung des Geländes, die Farbgebung der Wege, das verwendete Gras, alles oberster Tabletopstandard. Ein gelungenes Gesamtkonzept.
Na und das hat mich wirklich mega überzeugt.


Dass die Jungs es dann noch geschafft haben, meine eigene Phantasie zu beflügeln, spricht ja auch für sie.
Ich jedenfalls freue mich darauf demnächst ein paar Figuren zu der Thematik anmalen zu können. Denn die stehen schon auf der Bestellliste.
Vielen Dank dafür, und liebe Grüße nach Sachsen.
Toll gemacht!!!
Ich liebe es, wenn ich inspiriert werde. Na und Ihr habt das auf der diesjährigen Tactica bei mir geschafft.
Liebe Grüße aus dem Rheinland …
ein Fan !!!!


Kommentare:

  1. Ich lese Deine Berichte immer mit viel Freude, danke dafür, und beste Grüße zurück aus Dresden ;-)

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  2. Vielen Dank, and thank you, für Eure netten Worte. Freut mich, wenn meine Zeilen ankommen.

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